Konflikt

Streit um den Südlink geht weiter

Strom, Stromtrasse
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Dienstag, 02.02.2021 - 15:37

Der Bayerische Bauernverband sieht zwar einen Teilerfolg, ärgert sich aber über die geplante Fulda-Main-Leitung. Scharfe Kritik kommt auch von der örtlichen Politik.

„Ich bin froh, dass es keine Erweiterung des Suedlinks geben wird, aber unzufrieden, dass durch Unterfranken die Fulda-Main-Leitung gebaut werden soll, obwohl der Strom im Raum Frankfurt benötigt wird“, sagt Stefan Köhler, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Unterfranken.

Die Netzbetreiber hatten offensichtlich in den letzten Monaten einen zusätzlichen Strang zum Suedlink über Unterfranken nach Baden-Württemberg ins Verfahren zur Fortschreibung des Bundesbedarfsplanes Strom eingebracht. Für diese Erweiterung, die der Bundestag jetzt abgelehnt hat, bedankt sich Köhler bei den Bundestagsabgeordneten der Region. „Ich kritisiere die Netzbetreiber, die hinter den Kulissen – ohne Debatte vor Ort mit den Betroffenen – unsere Region noch weiter mit Baumaßnahmen belasten wollten."

Die Fulda-Main-Leitung lehnt der Bayerische Bauernverband weiter ab. „Sie soll genau da als Freileitung laufen, wo erst der Suedlink geplant war. Der kommt jetzt in den Boden und es soll zusätzlich eine Freileitung in die Landschaft gesetzt werden. Damit hat die Landwirtschaft den doppelten Eingriff: Suedlink im Boden, plus Freileitung“, kritisiert der Präsident. Der eigentliche Engpass ist die bestehende Freileitung von Fulda nach Großkrotzenburg bei Hanau. Wenn der Strom im Raum Frankfurt benötigt wird, wozu geht man dann den Umweg über Unterfranken?

Ein animiertes Werbevideo von Stromnetzbetreiber Tennet zum umstrittenen Südlink sehen Sie hier:

Aufklärung über die Stromtrassen gefordert

Schon vor der Abstimmung im Bundestag hatte Stefan Köhler an Bundeswirtschaftsminister Altmaier geschrieben und Aufklärung über die Stromtrassen gefordert. In dem Schreiben hatte der Bezirkspräsident des unterfränkischen Bauernverbandes seinen Unmut über neue Pläne zum Netzausbau Strom ausgedrückt. Köhler forderte zusammen mit den betroffenen Kreisobmännern Mathias Klöffel (Rhön-Grabfeld), Egdar Thomas (Bad Kissingen), Michael Reck (Schweinfurt), Reinhard Wolz (Main-Spessart) und Michael Stolzenberger (Würzburg) von BM Altmaier Aufklärung, was es mit dieser neuen Planung auf sich hat. Das Sankt Florians Gehabe dürfe nicht auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden.

MdB Anja Weisgerber

Die Schweinfurter Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber hat aufgrund der starken regionalen Betroffenheit das Gesetz abgelehnt. In einer Pressemitteilung schreibt sie: „Zusagen, die von der Bundesregierung und der Bayerischen Staatsregierung – insbesondere bezüglich der Wechselstromleitung P43 – in den Raum gestellt wurden, um die besonders belasteten Bürgerinnen und Bürger in meiner Heimatregion beim Netzausbau mitzunehmen, werden nur teilweise gehalten“.

Die Erklärung der Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber (CSU) können Sie hier in ganzer Länge lesen.

Die Gegend um das ehemalige Kernkraftwerk Grafenrheinfeld sei durch bestehende Stromleitungen sowie durch den Bau der Gleichstromleitung SuedLink nebst Konverterhalle bereits stark vom Netzausbau betroffen. Der Bau aller zusätzlich geplanten Leitungen stelle eine weitere Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinden und Städte dar. „Trotzdem haben wir bezüglich des Gleichstromprojekts SuedLink durch den Runden Tisch und eine konstruktive Begleitung der Diskussionen vor Ort immer wieder versucht, die Bürger mitzunehmen und das werden wir auch weiterhin machen“.

„Vor diesem Hintergrund war es für die Glaubwürdigkeit vor Ort sehr wichtig, dass die weiteren Zusagen zu der darüber hinaus geplanten Wechselstromleitung P43 eingehalten werden. Das ist nicht der Fall. Mit dem vorliegenden Gesetz wurde festgeschrieben, dass die Wechselstromleitung P43 von Mecklar in Hessen nach Bergrheinfeld nun doch in der ursprünglichen Variante gebaut wird“, schreibt Weisgerber.

Die Festlegung, P43 als Pilotprojekt für die Erdverkabelung von Wechselstromleitungen auszuführen, sei zwar grundsätzlich zu begrüßen. „Anders als bei Gleichstromleitungen, können – nach Aussagen von Experten – bei Wechselstromleitungen wie bei P43 die Erdkabel aus rechtlichen und technischen Gründen aber nur in wenige Kilometer langen Teilabschnitten realisiert werden.“

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Schweinfurts Landrat ist verärgert

Darüber zeigte sich auch Schweinfurts Landrat Florian Töpper verärgert: „Die Neubaumaßnahme mit dem jetzigen Arbeitstitel „Fulda-Main-Leitung“ ist als Freileitung mit ggf. kleinräumigen erdverkabelten Abschnitten von 3 bis max. 6 km Länge geplant“. Insoweit ist es nach Ansicht des Landrates schlichtweg Schönfärberei, wenn die Trasse P43 „weitestgehend“ unter die Erde verlegt werden soll.

Besonders ärgert sich Landrat Florian Töpper über die Aussage hinsichtlich der „Bindungswirkung“ politischer Vereinbarungen, die bereits zum zweiten Mal nicht eingehalten wurden. „Es ist unverständlich, dass Vereinbarungen nicht nur nicht umgesetzt, sondern in regelmäßigen Abständen dem Landkreis nach der sprichwörtlichen Salami-Taktik weitere Belastungen auferlegt werden. Die geplanten Stromtrassen P43 lehnt der Landkreis Schweinfurt weiterhin explizit ab. Der Landkreis Schweinfurt fordert die Politik in Bund und Land weiterhin auf, zu ihren Vereinbarungen zu stehen und diese komplett und zügig umzusetzen.