Außenwirkung

In Sozialen Medien werben

Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 13.11.2020 - 09:09

Junglandwirt will dort mit Vorurteilen gegenüber der Landwirtschaft aufräumen. VMB zieht Bilanz: Corona hat den Milchmarkt durcheinander gewirbelt

Bodenvergifter, Giftspritzer, Tierquäler: Das Image der Landwirtschaft in weiten Teilen der Bevölkerung ist nicht gerade das Beste. Andreas Wolfrum aus Döberlitz im Landkreis Hof hat bereits 2017 eine umfassende Social-Media-Kampagne gestartet, um das zu ändern. Beim Infotreff Milch des Verbandes der Bayerischen Milcherzeuger (VMB) in Bayreuth stellte der 29-jährige Landwirt seine Aktivitäten vor und ermunterte die Berufskollegen, aktiv zu werden: „Wir müssen selbst agieren und nicht immer nur reagieren!“

Über 11 000 Abonnenten

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Über 11 000 Abonnenten hat allein seine Facebook-Seite, seine Bilder und Kurzvideos sehen regelmäßig viele Tausend User. Auch auf Instagram und YouTube ist Wolfrum unterwegs. Nicht nur das örtliche Fernsehen, auch der Radiosender Antenne Bayern und viele andere Medien sind so bereits auf ihn aufmerksam geworden. Wolfrum bewirtschaftet im nördlichsten Teil Oberfrankens einen Milchviehbetrieb mit rund 100 Kühen, außerdem betreibt er mit einem Nachbarn eine Biogasanlage.

„Nutztierhaltung wird in Zukunft nur noch funktionieren, wenn wir die Landwirtschaft der Öffentlichkeit und der Politik erklären“, sagt Wolfrum, Mitglied der BBV-Kreisvorstandschaft in Hof und Sohn von Kreisbäuerin Karin Wolfrum. Man müsse nach außen kommunizieren, dass Tierwohl für die Bauern ganz oben auf der Agenda steht.

Bezug zur Landwirtschaft geht verloren

Größtes Problem dabei sei es, dass es immer weniger Landwirte gibt und dadurch auch der Bezug der Gesellschaft zur Landwirtschaft immer mehr abnehme. Dazu komme, dass viele Verbraucher idyllische Vorstellungen haben und dass sie empfänglich für Negativschlagzeilen sind. Dabei entstehe so manche Diskrepanz: „Jeder will regionale Lebensmittel, aber keiner will einen Stallneubau“, so Wolfrum. Dieses Phänomen gelte auch für andere Bereiche: „Jeder will erneuerbare Energien, aber keiner will Windräder.“

Mit seinen Facebook-, Instagram- und YouTube-Aktivitäten will Wolfrum die klassische Öffentlichkeitsarbeit nicht in Abrede stellen. Ein Vorteil sei, absolut spontan auf alles reagieren und selbst bestimmen zu können, was dargestellt werden soll. Unschlagbar sei die Verbreitung: „Wir kommen mit den sozialen Medien vom tiefsten Land in das höchste Hochhaus der Stadt.“ Zudem könne man mit einer realistischen Darstellung mit Vorurteilen aufräumen. Das Bauer-sucht-Frau-Klischee etwa sei nicht gerade hilfreich und viele Menschen glaubten immer noch, dass Landwirte den ganzen Tag mit zerrissenen Hosen und verdreckten Hemden herumlaufen. Den Strukturwandel werde man freilich nicht aufhalten können und manch abwegige Meinung werde man aushalten müssen. „Jeden zu bekehren, das geht nicht“, ist Wolfrum überzeugt.

Forum bildete VMB-Veranstaltung

Neben Wolfrums Hauptreferat zog VMB-Geschäftsstellenleiter Jürgen Geyer aus Kempten eine gemischte Bilanz über den Milchmarkt der zurückliegenden Monate. Corona habe alles kräftig durcheinandergewirbelt, so sein Fazit. Eigentlich sei man gut ins Frühjahr gestartet. Doch mit Corona seien die Absätze im globalen Handel binnen kürzester Zeit eingebrochen. „Corona hat uns komplett aus den Socken gehoben und Gesellschaft wie Wirtschaft total durcheinandergebracht. Grenzen seien geschlossen, Handelsströme unterbrochen worden und die Welthandelspreise seien komplett nach unten gegangen. Den Tiefststand habe man dann im Juni mit einem durchschnittlichen Milchpreis von 31 ct/kg konventionell erzeugter Milch erreicht.

Auch wenn beispielsweise alle Weihnachtsfeiern wegfallen werden und Hotels, Großküchen und Kantinen immense Probleme haben, blicken die Verantwortlichen optimistisch in Zukunft. Positive Tendenzen und Zeichen der Entspannung seien erkennbar, der Warentransfer werde sich wieder normalisieren. Trotzdem rechne man unterm Strich für 2020 mit einem Gesamtmilchpreis, der um etwa einen Cent unter dem des Jahres 2019 liegen werde.