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Forstwirtschaftliche Vereinigung

Sorge um die heimischen Baumarten

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Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Montag, 07.02.2022 - 11:08

Unglaublich hohe Käferholzmengen seien die Herausforderung schlechthin, heißt es bei der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Unterfranken (FVU). Das Klimaschutzgesetz treibt um.

Iphofen/Lks. Kitzingen „2020 war für uns alle eine sehr, sehr große Herausforderung“. Darin waren sich der erste Vorsitzende Wolfgang Borst und Geschäftsführerin Birgitt Ulrich einig bei der Jahreshauptversammlung der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Unterfranken (FVU). Coronabedingt waren gleich zwei Versammlungen auf einmal abzuarbeiten.

Die beiden Jahre seien einzigartig gewesen, mit Schadholzpreisen unter jedem Niveau, die plötzlich explodierten, wie Borst feststellte, der auch Bürgermeister von Hofheim ist, das rund 800 ha Kommunalwald umfasst. Es habe Phasen gegeben, in denen „überhaupt keine Kostendeckung“ gegeben war.

Turbulente Jahre erlebt

Zum „Überlebenselixier“ sei in dieser Situation die intensive Unterstützung durch die Forstämter geworden. Was die Preise anbelange, „liegen turbulente Jahre hinter uns“, sagte Borst. „Wir hoffen, dass wir mit stabilisierten Preisen in die Zukunft gehen können.“ Er versprach, auch weiterhin im Forstlichen Beirat dafür zu sorgen, dass Franken nicht vergessen wird.

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Geschäftsführerin Birgitt Ulrich berichtete über „hervorragende Ergebnisse bei den drei Submissionen“. Doch infolge der drei sehr schweren Trockenjahre „schwächeln alle unsere Baumarten“. Die Fichte werde sich verabschieden. An der Kiefer seien massivste Schäden festzustellen. Und das Holz toter Buchen sei nicht mehr zu gebrauchen.

Unglaublich hohe Käferholzmengen seien „die Herausforderung schlechthin“. Die Forstlichen Zusammenschlüsse müssten sehr viele motivieren, um den Wald zu retten. Probleme habe auch der Schwammspinner gemacht. Dennoch sei der Laubholzmarkt stabil und der Absatz gut.

Erfreulich sei der Zusammenhalt in den Forstbetriebsgemeinschaften, die Ulrich als „tolles Team“ bezeichnete. 2021 wurden rund 180 000 fm vermarktet. Das Forstschädenausgleichsgesetz habe dazu geführt, dass der Holzmarkt stabil blieb. „Uns in Franken hat es genützt“, sagte Ulrich. Derzeit hätten sich die Zimmerer mit Holz bevorratet. Hohe Schnittholzläger in Deutschland seien aktuell eine Herausforderung. Ein Problem stelle das Sägerestholz dar.
Als Jahrhundertaufgabe bezeichnete sie die Pflanzungen. Die Förster müssten mit Hochdruck dranbleiben. Schwierig sei es nicht nur, in den Baumschulen das nötige Pflanzmaterial zu bekommen, sondern vor allem geeignetes Personal – die Manpower. Im Hinblick auf die Forstpolitik lobte sie, dass sich die Bayern gut verstehen und hier mit einer Stimme gesprochen wird.

Für den Einsatz gedankt

Nach dem Prüfbericht wurden Vorstand und Geschäftsführung ohne Gegenstimme entlastet. Bei den Neuwahlen standen Iphofens langjähriger Bürgermeister Josef Mend und Gotthard Schlereth, Altbürgermeister von Oberthulba, nicht mehr als Stellvertreter zur Verfügung. Borst dankte Mend – dem „Gesicht der FVU auf bayerischer Ebene“ – und Schlereth für viel Einsatz, Verbundenheit und Fachkompetenz.

Borst wurde als erster Vorsitzender bestätigt, zum zweiten Vorsitzenden wurde Dieter Lenzer gewählt, der neue Bürgermeister von Iphofen, zum dritten Bernhard Kern. Im Beirat sind Jörg Mäckler, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Fränkische Rhön und Grabfeld, Dieter Rammensee, Geschäftsführer der FBG Kitzingen, Oberthulbas Bürgermeister Mario Götz, Vorsitzender der FBG Rhön-Saale, Mespelbrunns Bürgermeister Erich Schäfer von der FBG Spessart West, Alban Weißenberger von der FBG Arnstein und Stefan Pfeuffer, Revierleiter bei der FBG Main-Spessart. Als Kassenprüfer bestätigt wurden Berthold Schuller und Jürgen Schafhauser.

Anschließend sprach leitender Ministerialrat Urban Treutlein über die forstliche Förderung in Bayern. Er versprach weiterhin eine enge Abstimmung. Für den Wald sei das geschlossene Auftreten von Vorteil. Denn wenn unterschiedliche Meinungen diskutiert würden, „macht der Forstbesitzer erst mal nix – und das ist genau das Falsche beim Waldumbau“. Weil sich die Antragszahlen bei den Förderprogrammen verdoppelt haben, riet er zu mehr Effizienz bei der Beratung. „Was die Schäden anbelangt, stehen wir vor großen Herausforderungen“, sagte er auch. Deutlich überproportional sei Oberfranken bei den Anträgen vertreten, das liege an der Borkenkäferkatastrophe im Frankenwald. Hier habe zwar das Allerschlimmste verhindert werden können, trotzdem sei die Lage gravierend. In Thüringen sei die Situation noch schlimmer.

Pflegemaßnahmen sind auf stabilem Niveau

„Den Wald vorsorglich umbauen ist die bessere Variante“, sagte Treutlein. Bei Schadflächen seien die Optionen eingeschränkt. Die Pflegemaßnahmen seien auf stabilem Niveau. Naturverjüngung funktioniere nur mit waldangepasster Jagd, „das ist ein Problem, das noch gelöst werden muss“.

Das Förderniveau sei auch 2021 gleichbleibend sehr hoch. „So kann man vernünftig arbeiten“, sagte er und meinte, auch der Waldumbau mache gute Fortschritte. Dann sprach er über die Honorierung der Klimaschutzleistungen. Die Waldbesitzer müssten aufpassen, dass die von der Gesellschaft geforderten Gegenleistungen nicht überborden.

„Mit Stilllegung kriegt man keinen Waldumbau und keinen CO2-Abbau“, sagte Treutlein auch. „Holz, das verrottet, setzt CO2 frei“, was er als kalte Verbrennung bezeichnete.

Stabiler Baustein der Forstpolitik

Der Vorsitzende des Bayerischen Waldbesitzerverbandes Sepp Ziegler stellte fest, die FVU habe sich zu einem stabilen Baustein der bayerischen Forstpolitik entwickelt. Ziegler ist Vorsitzender der WBV Cham-Roding und forderte mehr Personal für die Forstämter. Er stellte fest, „dass die tollen Zahlen bei den Fördermitteln dazu führen, dass unsere Ämter aus dem letzten Loch pfeifen“. Was den Transformationsprozess der Grünen anbelangt, ist Ziegler skeptisch. „Wir dürfen auf keinen Fall unsere forstliche Seele verkaufen für Geld“, sagte er. Sein Dank galt dem „guten Miteinander mit der bayerischen Forstpolitik“. Gerade noch habe das neue Bundesjagdgesetz verhindert werden können, das zum Drama für Bayern geworden wäre.

„Das Klimaschutzgesetz treibt uns um“, sagte Ziegler, der sich gegen eine Waldbauoffensive mit importiertem Holz aussprach. „Ungemach“ drohe auch von inkompetenten Leuten in Brüssel. Er appellierte an die Waldbauern, „sprechen Sie mit Ihren EU-Abgeordneten, was für ein Mist in der europäischen Waldpolitik passiert“. Mit Dank an die „Frauenpower aus Unterfranken“, Birgitt Ulrich und Jessica Schmidt, und einem Mittagessen mit Mindestabständen endete die Veranstaltung.