Forstwirtschaft

Die Situation in den Wäldern ist kritisch

Wald bei Obermögersheim
Fritz Arnold
am Montag, 23.08.2021 - 07:29

Mit den sommerlichen Temperaturen schwärmen wieder die Borkenkäfer aus und auch weitere Kiefern und Buchen drohen auszufallen.

Obermögersheim/Lks. Ansbach Anziehende Holzpreise haben zwar die Stimmung bei den Waldbesitzern etwas aufgehellt, doch die Situation in den Wäldern ist kritisch. Mit den sommerlichen Temperaturen schwärmen wieder die Borkenkäfer aus und auch weitere Kiefern und Buchen drohen auszufallen. Die Antwort kann nur sein, über eine Naturverjüngung, den Umbau hin zu klimastabilen Mischwäldern voranzutreiben.

Zur Erläuterung der Situation trafen sich der Bauernverband, Forstleute und Waldbauernvertreter im Wald bei Obermögersheim nahe Wassertrüdingen. „Damit der Waldumbau gelingt, müssen wir alle mit ins Boot holen“, sagte Ottmar Braun, Geschäftsführer des Bauernverbandes in Ansbach. Anstrengungen seien nicht nur von den Waldbesitzern und Jägern gefordert.

Den Wildverbiss verringern

In den Zeiten von Corona habe sich gezeigt, dass Spaziergänger, Jogger und E-Biker verstärkt in den Wäldern unterwegs sind. An sie wurde die Bitte gerichtet, dies möglichst nicht in der Abenddämmerung zu tun, wenn der Jäger aktiv sein will, um seine Abschüsse zu erfüllen. Auch könne verstärkter Rehfleischverzehr helfen, den Wildverbiss zu vermindern. Dass zu viele Jungbäumchen von Rehen abgeknabbert werden, ist nämlich das Kernproblem bei den Anstrengungen, klimastabile und zukunftsfähige Mischwälder zu begründen, waren sich die Fachleute einig. So sei die Verbiss-Situation in zwei Dritteln der Hegegemeinschaften im Landkreis Ansbach und im Kreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim zu hoch.

Welche Folgen dies hat, wurde im Wald von Georg Edelmann nahe Obermögersheim verdeutlicht. Bei reichlich vorhandenen alten Eichen sei der Boden übersät von jungen Eichensämlingen. Doch mehr als ein Jahr alt werden diese kleinen Eichen nicht, weil sie von Rehen abgefressen werden. In den Weiser-Zäunen stehen hingegen mehrjährige Eichen und andere Baumarten.

Naturverjüngung ist notwendig

Wie Förster Horst-Dieter Fuhrmann erläuterte, haben aus Samen natürlich hervorgegangene Bäumchen dreimal besser entwickelte Wurzeln als gepflanzte Bäumchen und somit erhebliche Vorteile für das spätere Wachstum. Fuhrmann sagte: „Mit der Pflanzung allein schaffen wir den Waldumbau nicht. Wir brauchen die Naturverjüngung.“ Der Förster befürchtet, „dass wir in Jahrzehnten Wälder haben, die weithin aus Heckengehölzen bestehen, wenn sich die Situation nicht ändert“. Den Wald weithin zu zäunen sei allein schon wegen der Arbeit und auch der Kosten wegen nicht zu machen, erläuterte der stellvertretende BBV-Kreisobmann Karlheinz Brand.

Wie groß der Aufwand ist, gepflanzte Jungbäumchen vor Wildverbiss zu schützen, zeigte Philipp Falk von der Waldbauernvereinigung Dinkelsbühl auf: In der Pflanzsaison Herbst 2020/Frühjahr 2021 wurden 37 700 Waldpflanzen auf 64 Flächen gesetzt. Zu deren Schutz wurden 3400 Meter Zaun sowie 4950 Wuchshüllen aufgebaut.