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Regenerative Rohstoffe

Silphie: Neue Formen der Verwertung

Silphie Hirschaid-Versuchsfeld
Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 11.09.2020 - 11:23

Donau-Silphie-Tour macht Station bei Leo Göller in Hirschaid.

Silphie Hirschaid-Alexandra Kipp

Die Durchwachsene Silphie („silphium perfoliatum“) kennt man als Energiepflanze zur Verarbeitung in der Biogasanlage. Doch was ist, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausläuft? Auf seiner Tour durch ganz Deutschland stellte das Saatgutunternehmen Metzler & Brodmann Saaten, das vom „Hahnennest“ im baden-württembergischen Ostrach aus die „Donau-Silphie“ vertreibt eine neue Form der Verwertung vor.

„Wir möchten die Fasern der Silphie zur Papierherstellung, vornehmlich zur Herstellung von Verpackungsmaterial nutzen“, sagte die Produktmanagerin Alexandra Kipp bei der 13. von insgesamt 20 Stationen im oberfränkischen Hirschaid bei Bamberg. Dort baut Landwirt Leo Göller die Silphie seit drei Jahren an, aktuell auf einer Fläche von 4 ha. Der Bestand aus dem Jahr 2018 hatte schon so einiges durchgemacht, von extremer Trockenheit bis zum Hagel, jetzt steht sie aber trotzdem hervorragend da. Es handele sich dabei um ein Projekt im Wasserschutzgebiet, das von der Regierung von Oberfranken sowie den Wasserversorgern von Bamberg und Hirschaid mit betreut wird. Bisher hatte Göller die Ernte in Biogasanlagen verarbeitet, jetzt laufen neue Versuche für die Papierproduktion.

Silphie Hirschaid-Leo Göller

Alexandra Kipp schwärmte von der Silphie als die ideale „Botschafterin für die Landwirtschaft“. Die Pflanze habe viele Vorteile, sie bringe Insektenschutz, Klimaschutz und Wasserschutz unter einen Hut. Ihr Unternehmen arbeite derzeit intensiv an zukunftsfähigen Lösungen für die Zeit nach dem EEG und habe vor wenigen Monaten eine neu gebaute Fasergewinnungsanlage in Betrieb nehmen können. „Wir wollen Silphienfasern für die Papierherstellung gewinnen und soweit aufbereiten, dass sie in einer Papierfabrik direkt weiterverarbeitet werden können“, so die Produktmanagerin.

Die Testphase laufe bereits auf Hochtouren, erste Ergebnisse konnte sie bei dem Feldtermin in Hirschaid bereits den Landwirten vorstellen. Rund 100 Bauern aus allen Teilen Oberfrankens waren gekommen, was zeigt, dass das Interesse groß ist. Die Energiepflanze könnte damit auch für diejenigen Landwirte interessant sein, die keine Biogasablage betreiben.

Papierherstellung könnte ein interessanter Markt sein

Die Papierherstellung könnte ein interessanter Markt sein, sagte Alexandra Kipp und zeigte mehrere Verwendungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Qualitäten auf. Die reichen von Eierkartons bis hin zu Verpackungen für Teebeutel. Deutschland habe 2,5 Mal mehr Bedarf an Papier, als es selbst erzeugt. Die Silphie wäre hervorragend dazu geeignet, Papier in großen Mengen zu erzeugen und damit die Einzelhandelsketten zu beliefern, zumal der Chemieeinsatz deutlich unter dem der herkömmlichen Papierherstellung liegt. Die Aufbereitungsschritte sollten dabei bei der Landwirtschaft liegen, denn am Ende sollte das Geld rausspringen, das dann nicht mehr aus dem EEG-Topf kommt.

Flächenausdehnung möglich

Während die Energiepflanze bislang auf Flächen angebaut worden sei, die nicht so hundertprozentig in die landwirtschaftliche Produktion gepasst haben, sei dann auch der Anbau der Silphie auf besseren Flächen denkbar. Geerntet werden könne ganz normal mit dem Maishäcksler. Produktmanagerin Alexandra Wild verriet am Rande der Veranstaltung auch den Saatgutpreis für die „Donau-Silphie“. Er liegt bei 1950 €/ha.

Die Durchwachsene Silphie stammt ursprünglich aus Nordamerika und gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler. Sie wird bis zu 3,50 m hoch, blüht von Juni bis September leuchtend gelb, wurzelt bis zu 2 m tief und gilt als relativ anspruchslos. Im ersten Jahr wächst sie allerdings nur kniehoch, deshalb wird sie in der Regel als Untersaat zum Mais gesät. So kann das erste Silphie-Jahr ohne Ertragsausfall überbrückt werden.