Ernte 2020

Sieben magere Jahre?

Erntepressegespräch-NEA_LF
Fritz Arnold
am Donnerstag, 06.08.2020 - 10:19

BBV Neustadt/Aisch-Bad Windsheim: Gemischte Gefühle beim Blick auf die Ernte

Schon das vierte Jahr hintereinander leiden Land- und Forstwirtschaft unter Trockenheit. Wenn es nach der alten Regel von den sieben mageren Jahren geht, dann wäre jetzt gerade Halbzeit. Bei der Jahresvorschau des BBV auf die Ernte in Ullstadt wurde deshalb von einer sehr gemischten Bilanz gesprochen und davon, dass es hoffentlich bald mehr regnet.
Kreisobmann Jürgen Dierauff berichtete von einer eher unterdurchschnittlichen Getreideernte. Klaus Summ aus Ullstadt, auf dessen Hof die Erntepressekonferenz stattfand, berichtete bei Weizen von einer Durchschnittsernte bei hoher Qualität. Beim Raps sprach Summ von normalen Erträgen. Der stand zum Zeitpunkt der Veranstaltung kurz vor dem Drusch. Die Wintergerste brachte bei ihm nur den halben Ertrag. Die Maifröste verursachten die sogenannte „Laternenblütigkeit“, bei der viele Körner in den Ähren fehlten. Deshalb wurden auch viele Wintergerstenfelder schon vorzeitig abgeerntet und als GPS einsiliert. Egal wofür sich der Landwirt entschieden hat – die Ausfälle waren beträchtlich.

Extreme Ertragsunterschiede

Wie Norbert Pfeufer vom Landwirtschaftsamt in Uffenheim berichtet, schwankten die Wintergerstenerträge bei den Landessortenversuchen in Rudolzhofen von 20 dt/ha bis 90 dt/ha. Wer sich dazu entschlossen hat, die Wintergerste vorzeitig zu silieren und Mais nachzubauen, war wegen des fehlenden Regens auch nicht gerade gut dran, berichteten die Ackerbauern unter den Kreisvorstandsmitgliedern des BBV.

Alles in allem sind die Getreideerträge im Landkreis je nach Bodenart und örtlichen Regenmengen noch unterschiedlicher als in anderen Jahren, sagte Pfeufer. Als auffällig hob er hervor, dass sich der Rapsanbau von 900 auf 1900 ha gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt hat. Dies hat seiner Ansicht nach damit zu tun, dass die gute Vorfruchtwirkung von den Ackerbauern geschätzt wird. Regen bräuchte jetzt vor allem der Silomais, der teils schon mit dem Schieben der Rispen begonnen hat. Niederschläge würden auch den gut stehenden Zuckerrüben guttun, ebenso wie den notleidenden Wäldern.

Düngemengen reduziert

Weil die Bauern sehr gesetzestreu sind, haben sie sozusagen in vorauseilenden Gehorsam die Düngemengen reduziert, sagte BBV-Kreisobmann Dierauff. Dies obwohl sie die ab nächstes Jahr geltende Düngeverordnung für „einen Schmarrn“ halten. Die Landwirte würden damit gezwungen, nicht mehr zu tun was fachlich richtig sei, sondern was in nicht praktikablen Gesetzen verfügt wurde.

Kreisvorstandsmitglied Peter Hügelschäfer bezeichnete es als völlig falsch, im Steigerwald die Zwischenfrüchte nicht mehr mit Gülle zu düngen, was hier zu Humusanreicherung und Strukturverbesserung der Böden beitragen würde. Stattdessen sei man gezwungen, Gülle auf ausgedörrte Wiesen auszubringen, was dort die Grasnarbe schädige, fügte Ortsobmann Heinz Schneider aus Ullstadt hinzu. Martin Gundel aus Markt Nordheim stellte fest, dass man jetzt plötzlich das älteste Bodenbearbeitungsgerät, den Pflug, nicht mehr dann einsetzen dürfe, wenn das Wetter passt und es für den folgenden Anbau günstig wäre.

Geringe Erträge zeigen keinen positiven Preiseffekte

Am Schluss resümierte Dierauff, dass wegen der internationalen Verflechtungen auf die Bevölkerung keine Teuerung zukomme, wenn in Deutschland einmal die Ernte schlecht ausfalle. Sein Stellvertreter Heinz Weiskopf appelliert an die Bevölkerung, Verständnis dafür zu haben, wenn während der Erntezeit die Bauern mit großen Maschinen auf das Feld fahren und auch mal den Verkehr etwas behindern.