Versammlung

Von Schweinemast bis Schweigegeld

Fleischerzeuger
Sabine Dähn-Siegel
am Donnerstag, 20.02.2020 - 08:44

Europaabgeordnete Mortler zu Gast beim Fleischerzeugerring Unterfranken.

Schwarzenau/Lks. Kitzingen - Jahresbericht, Ferkelkastration, Frust: Diese Themen wurden bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Fleisch­erzeugerrings (FEZ) Unterfranken angesprochen. Im Mittelpunkt des Abends aber stand mit der drohenden Verschärfung der Düngeverordnung (DüV) ein Thema, das die Bauern massiv um- und auf die Straßen treibt. Zum Meinungsaustausch und zwecks politischer Unterstützung in dieser Sache hatte der Ring Marlene Mortler eingeladen. Rund 100 Teilnehmer verfolgten aufmerksam, was die langjährige CSU-Politikerin im Bundestag und seit 2019 im Europaparlament zur derzeitigen deutschen und EU-Landwirtschaftspolitik zu sagen hatte.

Ihrem Referat stellte Mortler grundsätzliche Überzeugungen voran: „Wenn eine Bewegung von unten heraus“ – wie Land schafft Verbindung – „entsteht, dann wird sie von der Politik wahrgenommen, auch in Brüssel.“ Mortler mahnte nicht nur Respekt und Fairness für die Landwirte an, die tagtäglich zuverlässig hochwertige und sichere Nahrungsmittel produzieren. Sie betonte auch, dass „Bauern mindestens genauso systemrelevant sind wie Bienen“, denn jeder brauche Nahrungsmittel. Doch es müsse „auch in die Köpfe der Bauern, dass es keine Alternative zur gemeinsamen EU gibt“.

Was die Landwirte von Politik und Bevölkerung fordern, hatten zuvor schon Ring-Vorsitzender Siegfried Voltz und Kreisobmann Alois Kraus herausgestellt: eine „vernünftige Düngeverordnung“, statt einer Politik, die den Strukturwandel und das Höfesterben vorantreibe, „Wertschätzung, die sich nicht über Subventionen“ zeige, sondern „am besten über den Markt“, „Wertschätzung, die bei uns im Geldbeutel landet“. Die Bauern-Milliarde quasi als „Schweigegeld für die Anpassung an die nochmals verschärfte Düngeverordnung war nicht unser Ziel“, betonte Voltz.

Ist in Unterfranken der Grenzwert erreichbar?

Mortler hatte keine Erklärung dafür, dass die Bundesregierung den deutschen Nitratbericht 2016 der EU-Kommission zu spät gemeldet und nicht zumindest einen Zwischenbericht erstellt hatte. Klar sprach sich die EU-Abgeordnete für ein Nachbes­sern der DüV aus und versicherte, dass „Bewegung im Thema deutsche Messstellen“ sei. Ihre Überzeugung: „EU-einheitliche Vorgaben sind wichtig.“ Die Kritik an ausgewählten Messstellen und der Wiedergabe der Nitratbelastung im Bundesdurchschnitt, aber ohne Berücksichtigung regionaler Unterschiede, hielt Mortler für richtig.

Die Situation in Bayern sei „viel besser“ als im deutschen EU-Messnetz, wo 28 % der Messstellen den Schwellenwert für Nitrat überschreiten. Auch einem Hinweis von Gerd Düll stimmte sie zu. Der Kitzinger AELF-Chef hatte infrage gestellt, ob in Regionen wie dem regenarmen Unterfranken die Grenzwert-Vorgaben aus Brüssel überhaupt erreichbar wären.
Nur streifen konnte die Referentin andere wichtige Themen wie Green Deal oder den Abschluss des von ihr als „doppelzüngig“ bezeichneten Mercosur-Abkommens.

Wie es um die Fleischerzeugung und Leistungen der Ringbetriebe steht, legte Martin Fries vom AELF Würzburg in seinem Jahresbericht dar. Die weiterhin sinkenden Zahlen in der Sauenhaltung zeigten, dass der Strukturwandel nicht aufzuhalten sei. Mit Zuchtleistung und Entwicklung in der Schweinemast war Fries allerdings zufrieden. „Die meisten der hier Anwesenden gehören zu den Betrieben, die auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen werden.“ Im bayernweiten Vergleich gehörten die unterfränkischen Betriebe zwar nicht zu den größten, aber auf nationaler Bühne seien sie „richtig gut“. Als einen Baustein zu diesem Erfolg sah Fries die Beratung und legte den Anwesenden ans Herz, bei der Buchung von Beratungsstunden nicht zu sparen. „Der Verein lebt von den gebuchten Stunden.“ Dass die im Jahr 2019 um 500 auf 3728 gefallen waren, hatte sich mit minus 22 500 € auch auf die Förderung niedergeschlagen.