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Schweinekrise

Schweinehalter kritisieren die Politik

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Stephan Herbert Fuchs
am Montag, 07.02.2022 - 11:30

Beim BBV-Stallgespräch im Coburger Land geht es um die Misere der Schweinehalter. Derzeit werden die Kosten nicht annähernd gedeckt.

Ottowind/Lks. Coburg Die Schweinehalter sind seit Monaten die eigentlichen Sorgenkinder. „Derzeit werden die Kosten nicht annähernd gedeckt“, sagte der Coburger Kreisobmann Martin Flohrschütz beim traditionellen Pressegespräch, das viele BBV-Kreisverbände alljährlich im Umfeld der Grünen Woche veranstalten. Wenn es heuer coronabedingt auch schon zum zweiten Mal hintereinander keine Grüne Woche gibt, so hält der BBV trotzdem an seinen „Stallgesprächen“ fest, um auf die drängendsten Probleme hinzuweisen.

Die Gründe für die Misere sind schnell aufgezählt: explodierende Energie- und Futterkosten, eine zunehmende Zahl an Vegetariern und Veganern, das Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest und daraus resultierende Exportstopps sowie die seit bald zwei Jahren andauernde Corona-Krise. „Uns fehlt die Rückendeckung, sagt Schweinebauer Jan Schrijer aus Ottowind bei Meeder im Landkreis Coburg. Er meint damit die Rückendeckung aus der Politik, denn immer neue Auflagen kosten den Landwirten viel Geld.

Aber auch die fehlende Rückendeckung aus dem Lebensmitteleinzelhandel macht den Bauern zu schaffen. „Wenn wir zu Aldi-Konditionen produzieren sollen, dann hören wir lieber gleich auf“, sagt Schrijer. Genau das haben viele Bauern schon getan, auch im Landkreis Coburg.

„Viele Ställe stehen bereits leer“, sagte Kreisobmann Flohrschütz. Er hat beobachten müssen, dass die Landwirte nach Alternativen suchen, die Tierhaltung zum Beispiel ganz aufgeben, den Betrieb nur noch im Nebenerwerb führen oder sich eine außerlandwirtschaftliche Einkommensquelle suchen.

Leistung besser honorieren

„Wir wollen doch nicht mehr und nicht weniger als ein ganz normales Einkommen“, sagt Jan Schrijer, der auch Vorstand des Fleischerzeugerrings Oberfranken ist. Es müsse einfach besser honoriert werden, wenn Landwirte sich um das Tierwohl kümmern. Seine Schweine hätten zum Beispiel stets Auslauf und könnten jederzeit an die frische Luft. Beim Stallgespräch mit der örtlichen Presse konnten sich alle Beteiligten davon überzeugen, dass die Schweine dies auch bei winterlichen Temperaturen gerne in Anspruch nehmen.

Den Prozess der Fleischproduktion, den sich die Gesellschaft in der öffentlichen Diskussion wünscht, würde aus Sicht von Kreisobmann Flohrschütz schon längst flächendeckend vorhanden sein, wenn der Markt dafür da wäre. „Anspruch und Wirklichkeit klaffen jedoch auseinander“, sagt Flohrschütz. In Nischen würden diese Märkte in einzelnen Programmen von Teilen des Lebensmitteleinzelhandels und von Direktvermarktern zwar schon bedient. Die breite Masse entlohne jedoch nicht die von der Gesellschaft geforderten Haltungsbedingungen.
Behördenleiter Harald Weber vom Landwirtschaftsamt Coburg-Kulmbach sieht die Landwirtschaft an einem Scheideweg. „Die Nutztierhaltung sei mittlerweile generell ein Problem geworden. Sowohl die Zahl der Halter, als auch die Zahl der Tiere nehme dramatisch ab, weil sich die höheren Kosten nicht in höheren Preisen niederschlagen. Wir wissen nicht, wie wir die höheren Preise durchsetzen können“, sagt Weber.

Fehlende Wertschätzung beklagt

Dabei geht es schon längst nicht mehr nur ums Geld. „Die fehlende Wertschätzung macht vielen jungen Leuten schwer zu schaffen“, meint er. Es sei nicht immer unbedingt positiv, was da an den potenziellen Nachwuchs herangetragen werde, so der Behördenchef, der auch von Fällen des sogenannten „Bauern-Bashings“ wusste. Schon in der Schule stünden Kinder von Landwirten im Zentrum des Spotts. Das könne so nicht weitergehen.