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Stallgespräch

Sauenhaltung: Stallgespräch auf dem Betrieb Deinlein

Stallgespräch-Neudorf-Ferkelerzeuger_B
Stephan Herbert Fuchs
am Montag, 31.01.2022 - 07:57

Wegen der lange Zeit schlechten Preise haben Dagmar und Jörg Deinlein ihren Tierbestand deutlich reduziert. Die Zukunft ist ungewiss.

Vergangenen Herbst waren es noch 350 Schweine auf dem Ferkelerzeugungsbetrieb von Dagmar und Jörg Deinlein in Neudorf nahe Scheßlitz. Mittlerweile sind es nur mehr 190.

Die Preise sind einfach zu schlecht. Wie es weitergehen soll, ist völlig offen. „Die ständig neuen Anforderungen machen uns schon schwer zu schaffen“, sagte Jörg Deinlein beim Stallgespräch des BBV-Kreisverbandes Bamberg, welches bereits Ende Januar 2022 stattgefunden hat.

Aufgrund neuester Vorgaben müsste die Familie ihren Stall schon wieder umbauen. Das sei aber am jetzigen Standort aufgrund von Abstandsvorgaben gar nicht möglich. Eine notwendige Investition von rund einer viertel Million Euro ist schon gar nicht drin bei den derzeitigen Preisen. „Also bleibt uns nur eines übrig: den Bestand zu reduzieren“, sagte Jörg Deinlein.

Beim Landwirt kommt zu wenig an

Wie viele Schweinehalter werden diesmal übrig bleiben, fragen sich die Landwirte. Die Zahl der Tiere sei dabei nicht so stark zurückgegangen, sie lag zuletzt im Freistaat bei knapp 2,9 Mio., was im Zehn-Jahres-Vergleich aber trotzdem einen Rückgang um 18 % ausmachte.

70 % der Schweinehalter wollen oder können nicht mehr

Die Umfragen lassen nichts Gutes ahnen: 70 % der Schweinehalter in Deutschland wollen in den kommenden Jahren aufgeben. Nützel kritisierte auch die zahlreichen Lockangebote des Lebensmitteleinzelhandels, die einzig und allein auf Kosten der Landwirte gehen. „Die fünf großen Discounter machen den Preis kaputt“, sagte er.

Wenn der Lebensmitteleinzelhandel schon mehr Tierwohl fordere und dafür einen höheren Preis verlange, müsse das auch beim Bauern ankommen, findet Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller. „Die Marktmacht der großen Handelsketten ist das Problem“, sagte Kreisobmann Edgar Böhmer.

Familie Deinlein hat für sich zumindest einen kleinen Ausweg aus der Misere gefunden. Sie arbeitet mit einem zertifizierten Schlachtbetrieb zusammen und vermarktet die Schweine in Form von Schlachtpaketen selbst. „Wir müssen einfach schauen, dass mehr bei uns bleibt“, sagt Dagmar Deinlein.

Für ihren Ehemann ist sowieso klar, dass es im Moment einfacher ist, Kaffee zu vermarkten als Schweine. Deshalb ist auch seit Anfang März ihr Hofcafé wieder regelmäßig an den Sonntagen geöffnet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war angegeben, dass der Erzeugerpreis für den Bauern pro Kilo erzeugtem Schweinefleisch in Deutschland ohne Mehrwertsteuer im Jahr 2015 bei 1,26 Euro lag. Anschließend hieß es, dass sich der Preis aktuell bei 1,28 Euro bewege. Der Preis war vom Zeitpunkt des Gesprächs, das Ende Januar stattgefunden hat, wie im Artikel angegeben. Wir haben die Datierung entsprechend angepasst, um das klar zu machen. Mitte März 2022 war der Preis wieder angestiegen - und somit das ausgeführte Zitat und die genannte Zahl nicht mehr aktuell. Wir haben die entsprechende Passage entfernt, um Missverständnisse zu vermeiden, und den Teaser aktualisiert.