Grünland

Samen-Vielfalt aus dem Mähgut

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Lorenz Märtl
am Freitag, 31.07.2020 - 10:42

Zwar ein langsamer, aber kostengünstiger Prozess

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Rötz/Lks. Schwandorf - Wie man durch Mähgutverlagerung artenarme und wenig genutzte Grünlandflächen relativ einfach und kostengünstig mit typischen Wiesenarten anreichern kann, wurde nun am Eixendorfer Stausee interessierten Landwirten vor Augen geführt. Eingeladen hatte Balduin Schönberger, Wildlebensraumberater der Oberpfalz am Landwirtschaftsamt Amberg. Und wenn auf der Spenderfläche des Rötzer Landwirts Josef Scherr statt der sonst auf extensiven Flächen gezählten vier bis sechs Kernarten sogar zwölf vorhanden sind, dann ist das „eine interessante Sache“, sagt Schönberger.

Der leichte Niederschlag war für die Aktion ideal, sorgte er doch dafür, dass die Samen im Mähgut blieben und nicht „ausstauben“. Mitte Juli ist der richtige Zeitpunkt, wenn die Margerite am Verblühen ist, ebenso Johanniskraut und Glockenblume. Die anderen Pflanzen, die noch in der Blüte stehen, reifen nach dem Mähen und samen aus. Wichtig ist zudem, dass beim Mähen langsamer als sonst üblich gefahren und das Mähgut behutsam auf den angehängten Ladewagen befördert wird.

Mähgut bitte nicht verrotten lassen

Auf die Empfängerfläche – eine seit Jahren extensive Wiese mit relativ geringer Artenvielfalt – die durch mehrmalige Bearbeitung mit der Kreiselegge entsprechend vorbereitet war, wurde dann mit dem Ladewagen das Mähgut gleichmäßig aufgetragen. Nach dem Anwalzen bleibt die Grasauflage zwischen vier und acht Wochen liegen und wird dann gewendet. Im Herbst werden die Reste entfernt. „Nicht an Ort und Stelle verrotten lassen“, sagt Schönberger, denn Erfahrungen haben gezeigt, dass sich Mäuse hier besonders wohl fühlen und das Schwarzwild anlocken, das dann alles zunichte macht.
Dass die Übertragung von Mähgut zur Anreicherung der Artenvielfalt tatsächlich funktioniert, habe ein in der Region vor sechs Jahren durchgeführter Versuch gezeigt. So lange dauere es in etwa bis sich die übertragene Artenvielfalt fest etabliert habe. Schönberger: „Es ist zwar ein langsamer, aber relativ kostengünstiger Prozess.“ Die Artenvielfalt verbessern könne man auch mit der Ausbringung von Saatgut aus der Region mit einem Blühanteil von 30 und 50 % starten, was aber entsprechend teuer ist. Saatgut für in etwa den gleichen Streifen, auf den man das Mähgut übertrug, dürfte mit etwa 500 € zu Buche schlagen.
Und was ist besser? Für Schönberger keine Frage: die Mähgutübertragung! Da sich Landwirt Scherr entschlossen hat, direkt neben der Übertragungsfläche auch einen Streifen mit regionalem Saatgut aus dem Handel anzulegen, werde man in sechs Jahren das Ergebnis vergleichen können.

Vor der Arbeit erst noch den Antrag stellen

Und wo finden Landwirte, die Mähgut übertragen wollen, entsprechende Flächen? Schönberger verweist auf die Untere Naturschutzbehörde bei den Landratsämtern: „Die wissen Bescheid.“ Da es für solche Flächen auch eine Förderung gibt, kann es für den einen oder anderen Landwirt durchaus interessant sein. Vor einer Maßnahme muss aber unbedingt beim zuständigen Landwirtschaftsamt ein Antrag gestellt werden.
Die jetzt bearbeitete Wiese soll beschildert und als Themenbereich „Artenreiches Grünland“ in den bereits bestehenden Wild-Wasser-Weg am Stausee integriert werden.