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Menschen & Meinungen

Sachverstand bleibt auf der Strecke

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Fritz Arnold
am Montag, 22.07.2019 - 12:47

Minister Aiwanger kritisiert in Triesdorf die Art der öffentlichen Diskussion.

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Triesdorf/Lks. Ansbach Von einer in der Landwirtschaft um sich greifenden Resignation sprach Kreisobmann Ernst Kettemann, und sein Stellvertreter Karlheinz Brand fürchtet, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung auf der Strecke bleiben wird. Beim Bauerntag des Bayerischen Bauernverbandes in Triesdorf wurde der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger als Hauptredner mit den Sorgen konfrontiert, die die Bauern derzeit umtreiben. „Wenn man uns nicht mehr haben will, dann soll man uns das sagen“, rief Kettemann in den Saal. Er fürchtet, dass nach den Weichenstellungen nach dem Bienen-Volksbegehren und den Vorgaben der Düngeverordnung die Landwirtschaft in Franken erheblich geschwächt werde. Vor allem treibe ihn die Ausweisung von „roten Gebieten“ selbst im Umfeld von Brunnen mit 9,7 mg Nitrat um.

Mittelfrankens Bauernverbandspräsident Günther Felßner stellte fest, dass es bisher stets Aufgabe der Bauern war, die Bevölkerung satt zu machen, aber jetzt gelinge es offensichtlich kaum „Satte zufrieden zu machen“, die alle gesellschaftlichen Probleme auf die Bauern abladen. Doch die stellvertretende Kreisbäuerin Doris Schienagel betonte, dass es nicht helfe, auf die Verbraucher zu schimpfen. „Wir müssen die Betriebe aufmachen, um die Konsumenten aufzuklären, die weit weg sind von der Praxis“, sagte sie.
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hob in seiner Rede hervor, dass angesichts der „Gefechtslage“ der Staatsregierung nichts anderes übrig blieb, nach dem Volksbegehren einen geordneten Rückzug anzutreten, um mit einem Begleitgesetz für die Landwirtschaft noch machbare Regelungen zu finden. Der Chef der Freien Wähler verwies darauf, dass in der öffentlichen Diskussion offensichtlich Sachverstand immer weniger zähle. „Obwohl die Beschlüsse zur Düngeverordnung auf Bundesebene schlimm genug seien, hätte es angesichts der Stimmungslage und der Position der Grünen noch schlimmer kommen können“. Schließlich ging Aiwanger auch auf das Thema Wolf ein. Unsere Vorfahren haben schon gewusst, warum sie gegen den Wolf vorgegangen seien. Der Wolf wolle Rudel bilden und wo Wolfsrudel leben höre sich die Freilandhaltung von Rindern und Schafen auf.
Einen dringenden Appell an Aiwanger richtete der stellvertretende Vorsitzende des Rinderzuchtverbandes Franken, Martin Hüttner aus Obermögersheim, möglichst umgehend wieder zu erlauben, Kälber aus Mittelfranken auch nach Ostbayern zu liefern. Hüttner forderte Aiwanger auf, auf den bayerischen Umweltminister einzuwirken, die Regelung, wie sie vor dem 17. Mai bestanden hat, wieder in Kraft zu setzen.