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+++ Update 3. März +++

Sabotage: Austritt von Gärresten aus geöffneten Luken

Polizei
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Donnerstag, 03.03.2022 - 09:00

Fuchsstadt: Die Umweltschäden nach dem Austritt von 1000 m³ Gärresten halten sich nach Auskunft des Landratsamts Würzburg glücklicherweise in Grenzen.

Update 03.03.2022: Entwarung bei Umweltschäden durch Landratsamt Würzburg

Vor rund zwei Wochen sind rund 1000 Kubikmeter Gärreste aus einem Gärrestelager einer Biogasanlage in Fuchsstadt (Gemeinde Reichenberg) ausgetreten. In einer Pressemitteilung teilte das Landratsamt Würzburg am 16. Februar 2022 mit, dass der Entwässerungsgraben und der Fuchsstädter Bach unterhalb der Biogasanlage bis zur Sperre an der Y-Spange biologisch sehr stark in Mitleidenschaft gezogen seien. Inzwischen fanden weitere Untersuchungen statt. Die Ergebnisse hat das Landratsamt gestern bekannt gegeben.

Am Vormittag des 17. Februar 2022 wurden vom Wasserwirtschaftsamt an verschiedenen Stellen des Fuchsstädter Baches Gewässerproben gezogen. Die chemischen Untersuchungen wurden noch am selben Tag im Labor des Entwässerungsbetriebes der Stadt Würzburg (EBW) durchgeführt.

Die Messungen vor Ort ergaben einen Sauerstoffgehalt zwischen 10,7 mg/l und 11,3 mg/l, womit genügend Sauerstoff im Gewässer vorlag. Für Fische wäre zum Beispiel ein Sauerstoffgehalt von unter 3 mg/l problematisch. Der Fuchsstädter Bach ist an den besagten Stellen allerdings nicht fischführend, da er im Sommer zu wenig Wasser führt und in Abschnitten sogar trocken fällt.

Bei biologischen Untersuchungen im verunreinigten Abschnitt des Fuchsstädter Baches wurden leider keine lebenden Kleinlebewesen (Makrozoobenthos) mehr gefunden.

Die gute Nachricht: Unterhalb der Y-Spange, wo das verunreinigte Wasser an einem Damm aufgefangen und abgepumpt wurde, war die Biozönose kaum beeinträchtigt und das Gewässer intakt.

Die weiteren für ein Gewässer relevanten Messwerte für CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) und NH4-N (Ammoniumstickstoff) lagen im verunreinigten Gewässerabschnitt je nach Messstelle zwischen 7 mg/l und 106 mg/l (CSB) bzw. 2,7 mg/l und 6,8 mg/l (NH4-N) in der abgesetzten Probe. Die Gehalte waren also auch zweit Tage nach dem Vorfall noch deutlich erhöht.

Aufgrund der einsetzenden Regenfälle wurden nachfolgend die Konzentrationen deutlich verringert, so dass das verunreinigte Wasser nicht mehr abgepumpt werden musste.

Zwischenzeitlich wurde der Bach so weit gesäubert, dass keine Gefährdung mehr besteht und das Gewässer sich erholen kann.

Fälschlicherweise wurde anfangs von den Medien verbreitet, dass es sich um ausgetretene Gülle handeln würde. Gülle besteht aus tierischen Ausscheidungen wie Harn und Kot, z. B. von Schweinen und Rindern. Bei einem Gülleaustritt wäre der Schaden wesentlich größer gewesen, da Gülle im Gegensatz zu Gärresten (ein Abfallprodukt aus der Biogasanlage, die mit pflanzlichen Rohstoffen beschickt wird) wohl nicht in die Kläranlage hätte eingeleitet werden können. Der Schaden konnte deshalb an der weiteren Ausbreitung gehindert und in Grenzen gehalten werden.

Landrat Thomas Eberth betont: „Wir können froh sein, dass es sich bei der ausgetretenen Flüssigkeit nicht, wie zunächst fälschlich in den Medien genannt, um Gülle gehandelt hat, sondern um flüssige Gärreste. Deshalb scheint der Schaden für die Umwelt nicht so dramatisch wie zuerst angenommen“.

Erstmeldung 25.02.2022

Fuchsstadt/Lks. Würzburg - Rund 1000 Kubikmeter Gärreste sind am frühen Morgen des 15. Februar aus einem Gärrestelager einer Biogasanlage in Fuchsstadt (Gemeinde Reichenberg) ausgetreten. Die Polizei war zunächst davon ausgegangen, dass es sich bei der übelriechenden Flüssigkeit um Gülle handelte.

Nachdem die Gärreste offenbar vorsätzlich freigesetzt worden waren, laufen die Ermittlungen nach wie vor auf Hochtouren, heißt es in einer erneuten Pressemeldung der Polizei. Um die Tat vollständig aufklären zu können, hofft die Wasserschutzpolizei nun auch auf Zeugenhinweise aus der Bevölkerung.

Entnahmeluken vorsätzlich geöffnet

Ein zunächst Unbekannter hatte in der Nacht zum Dienstag an der Biogasanlage zwei Entnahmeluken offenbar vorsätzlich geöffnet, sodass die Gärreste über einen Zeitraum von bis zu zwei Stunden austreten konnten. In diesem Zusammenhang ermittelt die Wasserschutzpolizei Würzburg in enger Abstimmung mit der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts einer Umweltstraftat. Ein Anfangsverdacht richtet sich nach wie vor gegen einen 33-Jährigen aus dem Landkreis Würzburg, der bereits am Dienstag vorläufig festgenommen und nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Tatmotiv und Höhe des Gesamtschadens unklar

Gegenstand der Ermittlungen sind nach wie vor das noch unklare Tatmotiv und die Gesamtschadenshöhe. Allein der Wert der ausgelaufenen Gärreste wird auf rund 30 000 € geschätzt. Geprüft wird aber auch, ob der aktuelle Fall möglicherweise mit einem Brand im vergangenen Jahr in Zusammenhang stehen könnte. In der Nacht zum 5. Juli 2021 war in derselben Biogasanlage offenbar vorsätzlich ein Feuer gelegt worden. Ein Tatverdächtiger konnte bislang nicht ermittelt werden.
Der Sachbearbeiter der Wasserschutzpolizei richtet nun folgende Fragen an die Bevölkerung: Wer hat in der Nacht zum vergangenen Dienstag im Umfeld der Biogasanlage eine Person beobachtet? Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben, die zur Aufklärung des Falles beitragen könnten? Zeugen werden dringend gebeten, sich unter der Telefonnummer 0931/457-2230 mit der Würzburger Polizei in Verbindung zu setzen.
Die Gärreste sind in einen angrenzenden Entwässerungsgraben gelangt und von dort in den Fuchsstädter Bach. „Die Feuerwehr, die im Einsatz war, hat gemeinsam mit dem Betreiber der Anlage hervorragend reagiert“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme des Landratsamtes und der Stadt Würzburg.
Zum einen sei der Austritt weiterer Gärreste aus der Anlage schnell unterbunden worden, zum anderen wurden zwei Sperren angelegt, so dass das Gärsubstrat-Schlamm-Gemisch, das talwärts Richtung Würzburg geflossen ist, gestoppt werden konnte. Somit habe auch eine Belastung des Heigelsbachs verhindert werden können. Der Entwässerungsbetrieb Würzburg habe sich bereit erklärt, das hoch organisch belastete Wasser anzunehmen. Die Feuerwehr habe das Schlamm-/ Wasser-Gemisch zur Kläranlage der Stadt Würzburg gepumpt.
Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte verhindert werden, dass noch weitere Bereiche durch den Austritt verunreinigt werden. Der Entwässerungsgraben und der Fuchsstädter Bach seien unterhalb der Biogasanlage jedoch biologisch sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, wie Untersuchungen durch die biologisch-technischen Assistentinnen des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg ergeben haben.
Ein Sprecher des Wasserwirtschaftsamtes erklärte den Bach auf einer Strecke von ca. vier Kilometern für „biologisch tot“. Wie im Wochenblatt berichtet, wurde gegen einen 33-jährigen Tatverdächtigen ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Feuerwehren wenden Umweltgefahren ab

Aufgrund der drohenden Umweltgefahren befanden sich in der Folge zahlreiche Feuerwehren des Landkreises Würzburg, die Berufsfeuerwehr Würzburg, die Freiwillige Feuerwehr Rottenbauer, das Wasserwirtschaftsamt, der Entwässerungsbetrieb und der Fachbereich Umwelt und Klima der Stadt Würzburg sowie das Umweltamt des Landkreises Würzburg im Einsatz.
„Durch die schnelle Reaktion aller beteiligten Hilfskräfte und der Betreiber konnten noch schlimmere Schäden wirksam verhindert werden“, dankten Landrat Thomas Eberth und Oberbürgermeister Christian Schuchardt den Einsatzkräften.
Bei einer Begehung durch das Wasserwirtschaftsamt, den Entwässerungsbetrieb der Stadt Würzburg, das Landratsamt sowie das Umweltreferat der Stadt Würzburg wurden weitere Maßnahmen festgelegt: Der gesamte Bereich wird mit Frischwasser abgespritzt, um abgelagerte Gärreste abzuschwemmen. Stark verunreinigte Bereiche wie Sohle und Böschung werden ausgebaggert.
Zudem wurden zwei weitere Dämme als Schlammfänge errichtet. Um die Wassermenge so gering wie möglich zu halten, wurden die Zuflüsse zum Fuchsstädter Bach reduziert, zum Beispiel durch Aufstauung, kontrollierte Überschwemmungen und Einleitung in Speicher. Die Straße sowie der Geh- und Radweg neben dem Bach waren für die Dauer der Arbeiten gesperrt.