Ahornbäume

Rußrindenkrankheit jetzt auch im Norden Frankens

Wolfgang Ruck
am Freitag, 19.06.2020 - 12:44

Eine neuartige Pilzkrankheit, die überwiegend Ahorn-Bäume befällt, wurde jetzt im Landkreis Rhön-Grabfeld festgestellt.

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Eine neuartige Pilzkrankheit, die überwiegend Ahorn-Bäume befällt, wurde jetzt erstmalig auch im Landkreis Rhön-Grabfeld festgestellt. Bei einem Besuch zeigt Waldbauer Edgar Günther die befallene Fläche und erläutert die Situation.

Die Forstfläche von Günther liegt in der Gemarkung „Behrunger Holz“ unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen. Schon von weitem lassen sich abgestorbene und vertrocknete Baumkronen erkennen. Beim ersten Blick könnte man meinen es handle sich hier um Schäden, die durch Trockenheit und Hitze verursacht wurden.

Betrachtet man die Bäume genauer, erkennt man die kleinen ausgetriebenen Ästchen am Stamm – sogenannte Wasserreiser. Hinzu kommt, dass die Rinde aufgeplatzt ist und abblättert. An diesen Stellen erkennt man schwarze rußähnliche Pusteln, die der Krankheit ihren Namen verleihen.

Ungewöhnliches Schadbild

Edgar Günther war sich beim ersten Anblick der Symptome nicht sicher um welche Krankheit es sich hier handelt. Das Schadbild war jedenfalls völlig neu und ungewöhnlich. Erst eine Untersuchung im Labor der Bayrischen Landesanstalt für Pflanzenbau in Freising lieferte den Beweis: Hier handelt es sich eindeutig um die Rußrindenkrankheit.

Die Pilzsporen werden vorwiegend über den Wind verbreitet. Edgar Günther erklärt, dass die Krankheit auch die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen kann. Durch das Einatmen der Pilzsporen können Atemnot, Reizhusten bis hin zur Lungenentzündung verursacht werden. Die zuständige forstliche Berufsgenossenschaft schreibt deshalb das Tragen einer entsprechenden Schutzausrüstung vor für Personen, die in befallenen Waldgebieten arbeiten. Dazu zähle auch das Benutzen einer Mund-Nasenmaske. Für Personen, die sich nur sporadisch und kurzzeitig im Wald aufhalten – wie beispielsweise Spaziergänger oder Pilzsammler – bestehe aber keine Gefahr.

Starke Winde unterstützen die Ausbreitung

Die starken Winde der vergangenen Wochen dürften die Ausbreitung des Pilzes in den Wäldern der Region gefördert haben. Vornehmlich seien Ahorn-Baumarten betroffen. Auf der Fläche von Edgar Günther im „Behrunger Holz“ wurde der Bergahorn komplett zerstört. Gerade diese Baumart habe man in den vergangenen Jahren verstärkt angepflanzt, weil sie mit Trockenheit und Hitze gut klar komme. Den wirtschaftlichen Schaden bezeichnet Günther als immens.

Vor gut zehn Jahren sei die Krankheit erstmalig in Baden-Württemberg festgestellt worden. Nach und nach habe sie sich auf fast alle Bundesländer ausgebreitet. Edgar Günther: „Es tut in der Seele weh, den Wald sterben zu sehen!“ Dabei spielt er nicht nur auf diese neuartige Pilzkrankheit an. Trockenheit, Hitzeperioden und Borkenkäferbefall haben in den vergangenen Jahren eh schon dazu geführt, dass die Nerven der Waldbauern blank liegen.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Situation nicht weiter zuspitzt in den heimischen Wäldern und ab und zu ein Regenschauer für Entspannung in den stark gebeutelten Forstflächen sorgt. Wohl kaum ein anderer „grüner Wirtschaftszweig“ ist derzeit so hart von den Launen der Natur betroffen wie die Waldbewirtschaftung.