Diskussion

Rote Gebiete gefährden Existenzen

Traktor
Stephan Stöckel
am Freitag, 26.02.2021 - 17:34

Die BBV-Kreisverbände Lichtenfels und Coburg tauschten sich bei der digitalen „Schlachtschüssel“ mit der Politik aus. Zwei Themen brannten besonders auf den Nägeln.

Alle Jahre wieder treffen sich Landwirte, Kommunalpolitiker und Abgeordnete im Dorfgasthof „Zum Löwen“ im Lichtenfelser Ortsteil Oberlangheim zur politischen Schlachtschüssel. Aufgrund der Coronakrise ließen sich die Teilnehmer heuer ihre Leberwurst und ihr Bier vor dem heimischen Bildschirm schmecken. Der Meinungsaustausch fand via Internet statt. Zudem hatte sich der BBV-Kreisverband Lichtenfels dazu entschlossen, die politische Schlachtschüssel erstmals gemeinsam mit dem Kreisverband im benachbarten Coburg durchzuführen.

Die virtuelle Ausrichtung der Veranstaltung und die Kooperation führten dazu, dass sich deutlich mehr Kommunal-, Landes-, Bundes- und Europapolitiker an dem fruchtbaren Meinungsaustausch beteiligten. 18 Politiker und 39 Landwirte diskutierten zweieinhalb Stunden lang miteinander.

Zwei Themen brannten den Landwirten besonders auf den Nägeln: die roten Gebiete und die Angst, dass die Flachlandmähflächen im Itzgrund im Rahmen des Insektenschutzgesetzes unter Biotopschutz gestellt werden könnten. Unterstützt von der Politik hatten die Landwirte in beiden Landkreisen eine deutliche Reduktion der roten Flächen erreicht. „Das ist zwar schön und gut, hilft aber den Landwirten nichts, die weiterhin drin sind“, stellte Hans Rebelein, Geschäftsführer der BBV-Kreisverbände Coburg und Lichtenfels fest. Für sie seien die roten Gebiete existenzgefährdend.

Unbeabsichtigte Fehler vorprogrammiert

Zu den weiterhin Betroffenen zählt der Landwirt Jürgen Angermüller aus dem Seßlacher Ortsteil Merlach, wo die Flur, wie er es wörtlich formulierte, „regelrecht zerstückelt ist zwischen roten und weißen Arealen“. Das erschwere das Arbeiten und führe dazu, dass unbeabsichtigte Fehler vorprogrammiert seien. Die Coburger Abgeordneten MdL Martin Mittag und MdB Hans Michelbach sprachen sich dafür aus, im Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt nach einer Lösung zu suchen, um die noch verbliebenen Gebiete aus den roten Zonen zu holen.

Die Befürchtung der Bauern, Flächen könnten unter Biotopschutz gestellt werden, teilten die Politiker nicht. „Pflanzenschutz ist auf den Flachlandmähflächen weiterhin möglich“, hob die Lichtenfelser Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner hervor. Sie verwies gemeinsam mit Michelbach auf die Unberührbarkeitsklausel, die in dem Insektenschutzgesetz vorgesehen sei. Zudem gebe es Länderöffnungsklauseln, die den einzelnen Bundesländern Spielraum bei der Umsetzung ließen, betonten beide.

Bieber zerstört fruchtbare Flussauen

Mit tierischen Problemen befassten sich die Teilnehmer der Videokonferenz ebenfalls. Dabei ging es auch um den Biber, der Flussauen zerstört, und die Nilgans, die Rapsfelder kahl frisst. Der Lichtenfelser Kreisobmann Michael Bienlein forderte die Einführung von Managementplänen zur Eindämmung der beiden Tierpopulationen. Er verwies auf den Abschussplan, den es beim Rehwild gebe. „Die Regulierung beim Bieber sollte per Abschuss erfolgen“, sagte Coburgs BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz.
Erörtert wurde auch die Frage, ob bei der Wildschweinjagd Nachtsichtgeräte zum Einsatz kommen sollten. Als Befürworter gab sich der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner zu erkennen. „Wenn es hilft, die Sauenpopulation besser in den Griff zu bekommen, dann sollte es ein Jäger, der es will, auch tun dürfen.“
Von den Wildschweinen war es nicht weit zur Afrikanischen Schweinepest (ASP). Thomas Quinger aus dem Bad Staffelsteiner Ortsteil Zilgendorf sprach die Status Untersuchung ASP an, die einem Landwirt viel Geld koste. Sie ist ein freiwilliges Verfahren zur Früherkennung der Krankheit in Hausschweinebeständen und zur Erfüllung der Voraussetzungen für das Verbringen von Schweinen aus ASP-Restriktionsbeständen. Rebelein regte eine finanzielle Unterstützung durch die Landkreise nach dem Vorbild Günzburgs an, was Meißner für gut befand. Aus den Reihen der Landwirtschaft kam die Forderung nach einer Anleinpflicht für Hunde, wie es sie bereits im Landkreis Lichtenfels gibt. „Wir sind darüber, eine solche zu erlassen“, teilte der Coburger Landrat Sebastian Straubel mit.