Wald

Vom Retter zum Rettungsbedürftigen

Forst
Sabine Dähn-Siegel
am Montag, 30.12.2019 - 09:32

Bezirksverband der Forstleute diskutiert Waldsituation in Unterfranken.

Würzburg - Bayerns Wald galt ursprünglich als Klimaretter. Doch inzwischen herrscht in ihm Klimanotstand, der einstige Klimaretter bedarf selbst dringend der Rettung. Gerade in Bayerns laubholzreichster Region Unterfranken, einem „Hotspot“ im Klimawandel. Schnell, mit viel Fachkompetenz, -personal und Geld. Waldsterben, die (dramatische) Entwicklung im klimatisch zweigeteilten Bayern ebenso wie die aktuelle forstpolitische Situation waren die Themen, mit denen sich der Bezirksverband Unterfranken im Bund Deutscher Forstleute (BDF) im öffentlichen Teil seiner Versammlung in Würzburg beschäftigte. BDF-Bezirksvorsitzender Hubert Feuchter konnte dazu über 100 Teilnehmer begrüßen.

„Wir wollen den Wald von morgen gestalten“, betonte Olaf Schmidt angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel – höhere Temperaturen, weniger Niederschläge, mehr Witterungsextreme, längere Vegetationsperioden und besonders in Nordbayern zahlreicher werdende Trockenstress-Tage, aber auch Einwanderung oder Verschleppung neuer Schadorganismen. Um die vielfältigen Funktionen des Waldes zu erhalten, so der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft weiter, brauche es für seinen Umbau neue alternative Baumarten und Herkünfte. Eine Sichtweise, die freilich Gegenargumente (Stichwort: Invasivität, Insektenarmut) hervorruft.

Kein Geld aus dem Wald

Die aktuelle Situation auf dem von Klimawandel, Borkenkäfer und Windwurf beeinflussten Holzmarkt beleuchtete Alfons Schwarzfischer von den Bayerischen Staatsforsten. Er verwies nicht nur auf den in den letzten Jahren um 20 % gesunkenen Preis für Nadelschnittholz und die in Bayern „extrem schwierige Schadholzvermarktung“ (verursacht durch ein Überangebot der Nachbarn). Der Sägewerksspezialist bekannte klipp und klar: „Aus dem Wald ist derzeit kein Geld rauszuholen.“

Außer Frage stand für Gerhard Eck, CSU-Politiker und Innenstaatssekretär, dass auf die besondere Situation in Unterfranken besonders reagiert werden müsse, die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) „an den Stellschrauben“ für Stellen drehen müsse. In der Region bestehe Bedarf an intensiverer Beratung und mehr Forst- und Fachpersonal. Dass die Personalsituation in der Forstverwaltung trotz der im Rahmen der Waldumbau-Offensive beschlossenen 200 neuen Stellen und der höheren Einstellungszahlen als von 2017 weiterhin unbefriedigend bleibt, ließ sich den Ausführungen von Friedrich Nebl (Forstverwaltung) entnehmen. Er forderte dazu auf, „die Dinge beherzt anzugehen“.

Zum sofortigen Handeln aufgefordert

Letztere Aussagen dürften ganz im Sinne des BDF gewesen sein. In seiner kürzlich erstellten Resolution, die die Ausrichtung der Staatswaldbewirtschaftung auf den Klimaschutz begrüßt, fordert die mitgliederstärkste Vertretung der Forstleute die Politik zum sofortigen Handeln auf. Für rasche Schadensbewältigung und Weiterentwicklung zu klimastabilen Wäldern sei es unter anderem Gebot der Stunde, dass dem Unternehmen BaySF deutlich mehr Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden und dass zusätzlich 100 Förster in den nächsten vier Jahren eingestellt werden, um eine naturnahe und kleinflächige Waldbewirtschaftung zu ermöglichen. Auch weitere großflächige Stilllegungen müssten unterbleiben.

Zudem verweist der BDF darauf, dass die 700 000 Privatwaldbesitzer in Bayern oft weder das Wissen noch die notwendigen Betriebsmittel zum Umbau ihrer oft sehr kleinen Wälder haben und mehr Unterstützung und Beratung benötigen. Daher müsse die staatliche Beratung und die Anzahl des Forstpersonals aufgestockt werden.

Eine weitere Forderung des BDF betrifft den Kommunalwald: Den neuen Rahmenbedingungen (massive Waldschäden, verstärkter Waldumbau) sei Rechnung zu tragen. Daher müsse den Kommunen freigestellt sein, wie sie ihre Waldbewirtschaftung organisieren wollen. Dazu gehöre auch die entgeltliche Übertragung der Betriebsleitung/-ausführung durch die Forstverwaltung.