Milchvieh

Rekord für mittelfränkische Kühe

Beyhl Rekordkuh
Fritz Arnold
am Freitag, 29.01.2021 - 12:06

Trotz Futterknappheit steigert der MER Mittelfranken seine Milchleistung.

Einen neuen bayerischen Rekord stellte der Milcherzeugerring Mittelfranken mit 8610 kg Milch je Kuh im vergangenen Jahr auf. Dass die Milchleistung im letzten Jahr um 371 l gesteigert werden konnte, ist vor allem vor dem Hintergrund erstaunlich, dass nach drei Jahren Dürre das Futter oft knapp geworden ist, berichtet Albrecht Strotz als Leiter der Abteilung Tierzucht am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach.
Da wegen der Pandemie der Milcherzeugerring seine Jahresversammlung nicht wie gewohnt zusammen mit dem Rinderzuchtverband Franken abhalten konnte, müssen auch die fälligen Wahlen um ein Jahr verschoben werden. Aus den vorgelegten Zahlen geht hervor, dass die mittelfränkischen Kühe in der Milchleistung deutlich über dem bayerischen Durchschnitt von 8187 kg Milch je Kuh liegen.

Tiere müssen sich wohl fühlen und gesund sein

Dabei kommt es den Milchbauern nicht auf den Rekord an, so der Vorsitzende Dieter Fragner bei der Erläuterung der Zahlen, sondern darauf, dass sich die Tiere dabei wohl fühlen und gesund bleiben. Deshalb werden in seiner Milchviehherde wie auch bei über 550 anderen Milchviehbetrieben in Mittelfranken Aufzeichnungen über die Gesundheit der Kühe und Kälber im Rahmen des gesamtbayerischen Projekts „Pro Gesund“, das von den Milcherzeugerringen betreut wird, gemacht.
Allerdings haben auch in diesem Jahr wieder über 80 von insgesamt 1450 Betrieben, meist mit weniger als 40 Kühen, die Milchviehhaltung aufgegeben. Der Kuhbestand in Mittelfranken sank damit um knapp 2000 auf 89 204 Kühe, denn es wurde kaum mehr in die Milchviehhaltung investiert.
Außerdem mussten etliche Betriebe aufgrund der neuen Düngeverordnung den Kuhbestand reduzieren. Auch das ist ein Grund für die hohe Leistungssteigerung, denn es wurden vor allem die leistungsschwächeren und damit weniger wirtschaftlichen Kühe zum Metzger geschickt.

Höchste Leistung im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim

Die höchste Milchleistung in Mittelfranken wiesen erneut die 16 324 Kühe im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim auf. Sie gaben im Schnitt 8870 kg Milch bei 4,18 % Fettgehalt. Der Landkreis Ansbach mit seinen 33 878 Kühen liegt mit 8617 kg Milch und 4,19 % Fettgehalt an zweiter Stelle.

Um im europäischen Wettbewerb bestehen zu können und Kosten zu sparen, wurden die Beratungsangebote des Milcherzeugerrings wieder gut nachgefragt. 300 Betriebe (über 20 %) haben mit Hilfe der Fütterungsberatung die Versorgung der Kühe ausgewogen gestaltet, damit diese gesünder bleiben und älter werden.
Auch in der Anpaarungsberatung steht längst die Fitness und Gesundheit der Tiere im Vordergrund. 11 % der Betriebe nahmen hierfür professionelle Hilfe in Anspruch, 15 % nutzten das Anpaarungsprogramm „OptiBull“.
Immer mehr Betriebe nutzen auch die Melkberatung zur Verbesserung der Eutergesundheit und die Haltungsberatung, um die Ställe mit vertretbarem Aufwand noch tierfreundlicher zu gestalten.

Briana mit sensationeller Lebensleistung

Noch nie hatte eine Kuh in Mittelfranken eine höhere Lebensleistung erzielt als Briana vom Zuchtbetrieb Beyhl in Hagsbronn im Landkreis Roth. Sie ist das Ergebnis der Kreuzung einer Fleckviehkuh mit einem Rotbuntbullen (Classic).
Am 12. Januar 2020 brachte die Ausnahmekuh ihr zwölftes Kalb zur Welt. Der Abstand zwischen den Kalbungen beträgt mit 357 Tagen weniger als ein Jahr. Im langjährigen Durchschnitt gab sie jedes Jahr 14 505 kg Milch. Mit dem Oktoberprobemelken erreichte sie nun eine Lebensleistung von 169 804 kg Milch. Die Fachleute sind gespannt, welche Leistungsgrenzen Briana in Zukunft noch knacken wird.

71 Kühe erreichen neu die 100 000 kg-Marke

Vor 20 Jahren war es noch absolut außergewöhnlich, wenn eine Kuh in ihrem Leben 100 000 kg Milch zusammenbrachte, sagt Albrecht Strotz. In diesem Jahr übersprangen diese Hürde 71 Kühe und weitere 35 Kühe leben noch, die diese Lebensleistung bereits in den Vorjahren brachten.
Diese hohe Anzahl an alten Kühen ist für den Zuchtleiter des Rinderzuchtverbandes ein deutlicher Hinweis darauf, dass es heute den Kühen sehr viel besser geht als in früherer Zeit, denn ohne eine gute und tiergerechte Haltung und Betreuung wäre ein so langes Leben bei bester Gesundheit und hoher Leistungsbereitschaft nicht möglich. Moderne Ställe leisten dazu einen erheblichen Beitrag.