Ideenwerkstatt

Regionale Wertschöpfung: Zammhoggn auf dem Feuerstein

Politischer Diskurs
Franz Galster
am Montag, 14.10.2019 - 14:24

Das zweites Land-Festival will die regionale Wertschöpfung in der Ökomodellregion Fränkische Schweiz stärken.

Feuerstein/Lks. Forchheim - Den Bezug zur regionalen Wertschöpfung und ökologischen Landwirtschaft lebendig werden zu lassen war ein Ziel von „Ezerla“. Das so genannte Land-Festival fand zum zweiten Mal auf Burg Feuerstein statt. Thomas Lang ist Leiter der katholischen Landvolkshochschule Burg Feuerstein, die sich jetzt auch Öko-Land-Akademie (ÖLA) nennt.

Er zeichnete auch für die Ausrichtung dieser Veranstaltung verantwortlich. „Unser Ziel ist es, die Ökomodellregion der Fränkischen Schweiz als Entwicklungsregion bekannt zu machen, zu zeigen, dass es hier viel Potenzial gibt“, sagte er. Sich austauschen bei Landwirtschaft, Landschaft und Naturschutz und sich dabei wohlfühlen, das solle die Veranstaltung ermöglichen. „Die Gesellschaft braucht das Versöhnen und ins Gespräch bringen statt zu Trennen“, betonte Lang. Referentin Helene Hümmer vom Förderverein warb um die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft.

Politische Runde im Grünen

Auf dem Programm stand auch eine politische Runde im Grünen unter dem Titel „Zammhoggn“. Was können wir in unserer Region konkret für ein nachhaltiges Bewusstsein und Handeln tun. Christian König von Radio Bamberg moderierte die mit Spannung erwartet Runde. Die hochkarätige Besetzung  ließ eine interessante Diskussion erwarten.

Die Anliegen des ländlichen Raumes kommen immer mehr unter die Räder, stellte MdB und parlamentarischer Staatssekretär Thomas Silberhorn fest. Mit dem Zuzug in die  Städte geht das Verständnis der Zusammenhänge verloren, weshalb gerade Politiker vom Land wichtig seien. An anderer Stelle setzte er sich für den Individualverkehr ein, ohne den es auf dem Land nicht gehe.

Lena Kiermeier, Schülerin einer 10. Klasse aus Forchheim, aktiv für Friday for Futures, sieht die ökologische Entwicklung auf dem richtige Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Für die Belange des Landes setzte sich auch MdL Sebastian Körber ein. Er möchte die Natur schützen, dabei eher mal das Fahrrad nutzen. 

„Als Feuersteiner mit Leib und Seele“ bezeichnete sich Landrat Dr. Hermann Ulm. Er verwies auf die Rolle des Tourismus. Die Fränkische Schweiz, die sich über mehrere Landkreise erstreckt, muss bei allem nicht als Verwaltungsbezirk, sondern als Region als Ganzes betrachtet werden.

Ökomodellregion Fränkische Schweiz

Ausführlich ging Bürgermeisterin Christiane Meyer auf die Ökomodellregion Fränkische Schweiz ein. Dies sind nach ihren Worten 3600 ha von 108 Biobetrieben ökologisch bewirtschaftete Flächen. Sie sprach vom Ziel eines Netzwerkes. Als mögliche Projekte erwähnt sie unter anderen ein ökologisches Getreidelager, den Aufbau einer Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft, die Erweiterung von Bio in der Gemeinschaftsverpflegung, zukunftsfähige Nutzungskonzepte für Streuobstbestände oder den Ausbau bei der Silphie-Becherpflanze.

An anderer Stelle erwähnte sie das ILEK (integriertes ländliches Entwicklungskonzept). 12 Landgemeinden haben sich rund um Ebermannstadt zusammengeschlossen. Sie wollen ökonomische, ökologische und soziale Projekte gemeinsam in Angriff nehmen, die sie alleine nicht realisieren können. 

„Keine Nabelschau, jeder, der was sagen möchte, soll es sagen“, forderte Christian König. Es war erwartet worden, dass nachhaltiges Bewusst­sein und Handeln eine breite Palette an Diskussionsstoff bieten würde. Dabei ließ sich König allerdings selbst sehr schnell vom aktuellen Thema Verkehr einfangen, sodass die Diskussion weit unter den Erwartungen blieb. Herrliches, frühherbstliches Wetter motivierte besonders viele zum Besuch. Sie erlebten ein unterhaltsames und informatives Progeramm. Kinder konnten an einem Walderlebnisangebot teilnehmen. Biobauern präsentierten ihre Produkte – auch edle Brände. Stände wie das Demonstrationsprojekt“ Becherpflanzen Oberfranken“ weckten das Interesse der Zuschauer. Die Teilnehmer des Intensivkurses Feuerstein 2020 produzierten Pommes aus frischen Kartoffeln.