Genussfest

Regional ist das Maß aller Dinge

Regionale Produkte
Stephan Herbert Fuchs
am Mittwoch, 16.10.2019 - 13:41

Mehrere zehntausend Besucher haben den 4. Genusstag der Region Bamberg verbunden mit dem BBV-Kreiserntedankfest besucht.

Scheßlitz/Lks. Bamberg - Mit diesem Ansturm hatte kaum einer gerechnet. An den meisten der über 60 Stände der Anbieter regionaler Produkte bildeten sich schon kurz nach dem offiziellen Auftakt lange Schlangen.

Der Höhepunkt des Genusstages und des BBV-Kreiserntedankfestes war ein stattlicher Festzug durch den Ort, der den Jahresablauf der Feldarbeit von der Aussaat bis zur Ernte anhand historischer Landmaschinen und Geräte mit alten Traktoren zeigte. Allein dabei wurden über 350 Teilnehmer, mehrere Blaskapellen und zahlreiche Gespanne mit historischen Gerätschaften gezählt. Zuvor hatte Domkapitular Norbert Jung den Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Kilian zelebriert. Dabei wirkte erstmals der Bamberger Landfrauenchor unter der Leitung von Gudrun Kraus mit.

In den Ansprachen später im Festzelt ließ kaum ein Redner das Thema Klimawandel aus. Einig waren sich dabei alle: „Die Landwirtschaft ist nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung.“ Schließlich seien es die Bauern, die den Klimawandel als erste spürten, sagte Kreisobmann Edgar Böhmer.

Den Bauern fehle derzeit die Akzeptanz aus Teilen der Bevölkerung, was gerade bei jungen Leuten für große Unsicherheit sorge, beklagte Böhmer. Die Ernte 2019 im Landkreis Bamberg bezeichnete der Kreisobmann als regional höchst unterschiedlich. Die fehlenden Futterreserven aus dem Vorjahr hätten allerdings nicht aufgefüllt werden können.

Wir machen die Menschen satt

Regionale Produkte

Dank der heimischen Landwirtschaft brauche man keine Angst haben, Hunger leiden zu müssen, rief BBV-Vizepräsident Günter Felßner ins Bewusstsein. Wenn hierzulande alle satt sein können, dann liege das an der modernen Landwirtschaft. Trotzdem sei diese Landwirtschaft gerade dabei, sich zu verabschieden. „Unserer deutschen Bevölkerung laufen die Bauern davon“, fand Felßner drastische Worte. Und erklärte die BBV-Aktion mit den grünen Feldkreuzen, die derzeit überall aufgestellt werden. Die Stimmung unter den Landwirten sei so schlecht wie nie zuvor, das Konsumverhalten aller stehe auf dem Prüfstand. „Bauern und Bürger müssen wieder eine Einheit werden, momentan sind wir davon allerdings meilenweit entfernt.“

Positiv stimmte allerdings der Zuspruch für das Genussfest. Damit feierte die Regionalkampagne des Landkreises Bamberg gleichzeitig ihr 15-jähriges Bestehen. Aus anfangs 30 Gründungsmitgliedern ist mittlerweile eine Kampagne mit 130 Betrieben und rund 300 Produkten entstanden. Ziele sind nach den Worten von Landrat Johann Kalb die Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz, aber auch die Freude am Genuss und die Wertschätzung regionaler Produkte.

„Regional ist optimal“ gab Thomas Silberhorn als Devise für das Genussfest und den Kreiserntedank aus. Der Bundestagsabgeordnete, Verteidigungsstaatssekretär und Schirmherr des Genussfestes plädierte dafür, wieder ein Maß der Mitte zu finden. „Ökologisches Wirtschaften ja, aber es muss auch ökonomisch sein“, sagte Silberhorn.

Hocherfreut wegen des großen Zuspruchs in Scheßlitz zeigte sich die neue bayerische Milchkönigin Beatrice Scheitz. Auch sie warb für die große Vielfalt regionaler Produkte und rief dazu auf, mit jedem Schluck Milch auch einen wenig die bayerische Heimat zu genießen.