Marktchancen

Quinoa: Superfood aus Franken

Lorenz Märtl
am Dienstag, 08.12.2020 - 07:13

Landwirt Frank Gottschalk hat auf zwei Hektar Quinoa angebaut

Frank Gottschalk-Quinoa

Warum Quinoa, das glutenfreie Superfood aus Südamerika holen, wenn man es auch in Mittelfranken anbauen kann? Aber funktioniert das? „Und ob“, sagt Frank Gottschalk, ein experimentierfreudiger Landwirt aus Altdorf/Unterrieden. Er hat es gewagt und ist mit dem Ertrag der ersten Ernte mehr als zufrieden: 2 t/ha. Zwei ha seiner Ackerfläche hatte er heuer für diesen ersten Versuch reserviert. Dabei wird es aber nicht bleiben, im nächsten Jahr will er angesichts des guten Ergebnisses die Anbaufläche auf zehn Hektar ausweiten.

Rund 60 Landwirte versuchen sich in der Nische

Gottschalk zählt zu den rund 60 Landwirten in Deutschland, die sich zwischenzeitlich in dieser Nische versuchen. Und wie kommt ein Landwirt aus dem Nürnberger Land dazu sich damit zu befassen? „Ich probiere immer wieder gerne was Neues aus“, erzählt Gottschalk. Bei Quinoa aber kam der eigentliche Anstoß von außerhalb. Es war Oliver Kellermann aus Altdorf, der aus einer Laune heraus Gottschalk anspitzte, doch für ihn und seine Tochter das bei ihnen so beliebte Superfood anzubauen.

Aber wer Frank Gottschalk kennt, der weiß, dass halbe Sachen nicht sein Ding sind. „Wenn schon, dann richtig“ lautete die Entscheidung und nachdem auch Vater Heinz der Idee aufgeschlossen gegenüber stand ging man ans Werk, informierte sich ausgiebig bei Berufskollegen, die mit Quinoa bereits Erfahrung hatten und wagte heuer den Einstieg.
Auf einer Fläche von 2 ha säte Gottschalk Mitte April erstmals Quinoa aus. Nach dem Motto „darf es ein bischen mehr sein“ brachte er in Breitsaat statt der üblichen 6 kg/ha gleich 10 kg Saatgut aus und lag damit richtig. Der Erdfloh, der ansonsten der aufgehenden Saat zusetzt, hielt sich in Grenzen, Blattläuse hatte er dank vorsorglicher Behandlung im Griff und so entwickelte sich die für unsere Breiten neuartige Kultur prächtig.

Anfang August wurde gedroschen und dann musste das Korn – um zum Verzehr geeignet zu sein – von der bitteren Schale befreit werden. Das erledigt eine Firma in der Nähe von Augsburg maschinell.

Vermarktung selbst in die Hand nehmen

Die Vermarktung der fränkischen Quinoa möchte Gottschalk selbst in die Hand nehmen. Dabei kommt wieder Oliver Kellermann, der ihn zum Anbau motivierte, ins Gespräch, hat der doch beruflich mit Verpackungsmaschinen zu tun. Vorher müssen aber noch einige Fragen geklärt werden. So steht zum Beispiel eine Untersuchung bei AgroLab auf der Agenda, die Aufschluss über Nährwerte und Inhaltsstoffe geben soll. Dann will er sich um die regionalen Vertriebswege kümmern, wobei es schon vielversprechende Ansätze gibt.

Und es ist zu erwarten, dass er alles daran setzt um auf Dauer gesehen auch mit dieser Kultur so erfolgreich zu sein wie beim Rapsanbau. Zusammen mit einem bekannten Saatguterzeuger legt er seit nunmehr acht Jahren einen Streifenversuch an, bei dem das Ertragsniveau im Schnitt über alle Sorten immer deutlich über 50 dt/ha lag und in den Erntejahren 2019 und 2020 unter allen Versuchsstandorten deutschlandweit sogar den Spitzenertrag erzielte.
Regionale vermarktet er auch seine Mastschweine und die Braugerste. Letztere baut er ausschließlich für die Leinburger Brauerei Bub an.