Traktortour

Qualität auf kurzen Wegen

Traktortour-EssenAusBayern-Wiesneth-Flohrschütz-Herpich
Gabi Bertram
am Donnerstag, 16.09.2021 - 14:03

Landwirte, Müller und Bäcker pflegen im Landkreis Coburg eine erfolgreiche Dreiecksbeziehung.

Sambach/Lks. Bamberg Vom Bauern zur Mühle und von dort direkt zum Bäcker: Eine regionale Kette, die im Coburger Land seit über 20 Jahren Garant für Qualitätslebensmittel aus heimischer Produktion ist. Unter dem Motto „Die Drei für den guten Geschmack“ liefern elf Landwirte der Weizenerzeugergemeinschaft Coburg ihr Getreide zur Mühle Wiesneth in Sambach bei Bamberg, die wiederum das Mehl an die Beiersdorfer Landbrotbäckerei weitergibt. Grund genug für den EssenAusBayern-Traktor, in Kleinwalbur Halt zu machen.

Traktortour 2021-Bauern werben

Der bunt beklebte Traktor der Marke Deutz-Fahr steht neben dem Feld von Christian Flohrschütz, Vorsitzender der Weizenerzeugergemeinschaft Coburg. „Regionales Getreide für regionale Bäcker“ heißt es hier. Der Vertrag mit der Mühle Wiesneth und der Beiersdorfer Landbrotbäckerei sei eine Dreiecksbeziehung, die über zwei Jahrzehnte für regionale Vermarktung und Erzeugung stehe. Hier auf den Feldern wachse das Getreide, das in der Mühle von Heinrich Wiesneth gemahlen und in der Landbrotbäckerei von Christoph Herpich verarbeitet werde. Noch näher am Verbraucher, noch nachhaltiger könne Landwirtschaft nicht sein.

Genau das ist die Intention der EssenAusBayern-Tour. „Wir wollen das Bewusstsein für regionale Produkte fördern und den Fokus auf den Konsum heimischer Lebensmittel richten, wo Qualität vor Ort produziert wird und keine großen Transportwege entstehen“, erklärt BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz.

Noch Luft nach oben

Die 1984 gegründete Weizenerzeugergemeinschaft Coburg hat rund 70 Mitglieder, elf davon beliefern die Mühle Wiesneth. Man habe hier durchaus noch Luft nach oben, sagt der Vorsitzende. Derzeit werden 500 bis 600 Tonnen Weizen und Roggen pro Jahr geliefert. „Die Leute mitnehmen für mehr Nachhaltigkeit und kurze Wege“ will Heinrich Wiesneth, der Mühlenbesitzer. Und: Die Zukunft seines Familienunternehmens, darauf kann er stolz verweisen, ist mit den beiden Töchtern gesichert, eine bereits fertige und eine angehende Müllermeisterin.

Christoph Herpich, Geschäftsführer der Beiersdorfer Landbrotbäckerei, präsentiert einen Korb mit lecker duftendem Backwerk. Qualitätsgetreide sei die beste Voraussetzung für Qualitätsbackwaren. „Wir verarbeiten das weiße Gold aus der Region mit Liebe zum Produkt.“ Genauso viel Liebe und Herzblut, Wissen und Erfahrung, versichert Christian Flohrschütz, investierten die Landwirte auch in ihre Arbeit. Das sei wirkliche Nachhaltigkeit, die der Umwelt, der Kulturlandschaft und dem Verbraucher gleichermaßen diene.

Der Markt entwickelt sich gut

In Meeder wird Station an einer Darre gemacht, wahrscheinlich die einzige dieser Art in Bayern, sagt BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein. Arnfried Kamolz legt die Buchenholzscheite nach, die dafür sorgen, dass der Grünkern seinen besonderen Geschmack erhält. Vor 30 Jahren hat Kamolz die Darre gekauft. Zwei Darren, erzählt Bio-Landwirt Armin Knauf, der in Elsa selbst einen Hof hat und alte Getreidesorten anbaut, schaffe man am Tag, pro Darre sind das circa 1,5 Tonnen Grünkern. Zehn Öko-Betriebe gibt es im Umkreis, die Dinkel anbauen, und der Markt, so Knauf, entwickle sich gut. Grünkernbratlinge, Grünkern in Salaten oder Suppen, die Nachfrage steigt. In dieser Saison sollen 40 bis 45 Darren geschafft werden, das sind rund 60 Tonnen Grünkern.

Alten Getreidesorten haben sich auch Nora und Andrea Wölfert in Ahlstadt verschrieben. Aus Emmer, Roggen oder Rotkornweizen werden hier im sanierten Backhaus verschiedene Brotsorten gebacken. Nicht nur für Weizenallergiker eine leckere und gesunde Alternative. Gebacken wird zweimal im Monat auf Vorbestellung. Um die 100 Brote sind das insgesamt. Ein Meininger Laden hat sich für die Vermarktung angemeldet.

Vor 20 Jahren, erzählt Nora Wölfert, sei man hier im einstigen Grenzgebiet im Rahmen des Naturschutzprojektes Grünes Band zu Emmer und Linsen gekommen. Mittlerweile werden sechs ha Emmer, vier ha Linsen und zehn ha Rotkornweizen angebaut. Wer die heimische Landwirtschaft unterstützen will, betont der Kreisobmann einmal mehr, möge bewusst regional kaufen. Ein kurzer Blick auf die Herkunftsangabe helfe schon bei der Kaufentscheidung. So einfach sei es, die Vorzüge und Vielfalt der regionalen Erzeugung zu genießen.