Kundgebung

Proteste gegen ICE-Werk gehen weiter

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Fritz Arnold
am Donnerstag, 22.07.2021 - 17:54

Ein Konvoi mit 130 Schleppern macht den Widerstand gegen das ICE-Werk deutlich. Die Landwirte erfahren dabei große Solidarität.

Große Solidarität erfahren die Landwirte aus der gesamten Bevölkerung bei ihrem Widerstand gegen ein ICE-Ausbesserungswerk auf besten Ackerböden im Raum Heilsbronn. Eine große Protestaktion in Müncherlbach (Lks. Ansbach) sendete ein deutliches Signal an die Bundesbahn, dass man zusammenstehen werde.

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130 Traktoren umrundeten die Fläche, die den Bahn-Plänen zum Opfer fallen würde. Im Zentrum liegt der Stall der Familie Schmidt. Hier versammelten sich über 500 Personen aller Altersgruppen, um den Bahnverantwortlichen „rote Karten“ zu zeigen. Der Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer (CSU) betonte: „Wir schaffen das, wenn wir zusammenhalten.“ Er mahnte, dass von einem Bedarf von 35 Hektar überbauten Raums die Rede sei. Doch am Ende würden weit mehr Flächen benötigt.

Der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig sagte, dass Nürnberg, das den Vorteil des ICE-Knotenpunktes habe, auch den Platz für ein Ausbesserungswerk zur Verfügung stellen müsse und nicht dieses Projekt und die nötigen ökologischen Ausgleichsflächen in den ländlichen Raum verlagern dürfe. „Eine nötige Zusammenarbeit in der Metropolregion kann nicht so ablaufen, dass wir nur die Nachteile haben“, meinte Dr. Ludwig (CSU). Ähnlich äußerte sich Heilsbronns Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer: „Wer die Vorteile der ICE-Züge hat, darf die Nachteile nicht ins Umland abschieben.“

Ein großer Immobilienbesitzer

Mittelfrankens BBV-Bezirkspräsident Günther Felßner verwies darauf, dass die Bundesbahn ein großer Immobilienbesitzer sei. Es wäre unfair, den Rangierbahnhof und seinen Umgriff in Nürnberg für hohe Preise für Wohnungen zu verkaufen und dafür auf dem Lande günstig Flächen zu erwerben. Seinen Worten schloss sich auch MdL Dr. Peter Bauer (FW) an. Müncherlbach ist einer von neun ins Auge gefassten Standorten. Mit Ketteldorf würde ein weiterer im Stadtgebiet von Heilsbronn und ein weiterer mit Raitersaich ganz in der Nähe liegen.

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Für das Vorhaben ist von einem Bedarf von – alles in allem inklusive ökologischer Ausgleichsflächen – 150 Hektar die Rede. Im Falle von Müncherlbach würde dies bedeuten, dass der erst vor fünf Jahren fertiggestellte Stall der Familie Schmidt für 150 Kühe wieder abgerissen werden müsste.

Senior Christian Schmidt kann nicht verstehen, dass für solch ein Projekt große Flächen an wertvollem Ackerland für die Nahrungsmittelerzeugung verloren gehen sollen. Dies in einer Zeit, in der die Coronakrise und auch die Unwetterkatastrophen gezeigt hätten, wie anfällig für Krisen unser Staat sei. Darauf verwiesen auch Felix Fröhlich, der Bürgermeister von Rohr sowie weitere Vertreter von Nachbarkommunen.

Für das ICE-Werk soll eine 450 Meter lange und 60 Meter breite Halle errichtet werden, in der die Züge nachts gewartet, repariert und gereinigt werden. Insgesamt wird der Flächenbedarf auf 150 Hektar beziffert.

In der Existenz bedroht

Als betroffene Landwirte, die direkt in ihrer Existenz bedroht wären, ergriffen auch Michael Maußer aus Ketteldorf und Andrea Schmidt das Wort. Andrea Schmidt erhielt tosenden Beifall, als sie zusammen mit dem Biobauern Werner Schiefer aus Göddeldorf, der ebenfalls viele Flächen verlieren würde, ein Schild mit der Aufschrift „Wir verkaufen nix“ in die Höhe hielt.

Im benachbarten Raitersaich hatten bereits auf Initiative von Nebenerwerbslandwirt Hans Volland insgesamt 35 Bauern per Unterschrift erklärt, zu keinen Flächenverkäufen bereit zu sein. Deren Credo lautet: Die Entscheidungsträger sollten bedenken, dass wir eine eigene Nahrungsmittelerzeugung brauchen und nicht nur Trockenrasen und ökologische Ausgleichsflächen, von denen wir nichts essen können.