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Green Deal

Protest: Leuchtender Schriftzug als Signal nach Brüssel

Schriftzug Brüssel - LSV-Foto
Irene Konrad
am Mittwoch, 15.12.2021 - 08:27

„Ohne Landwirte kein Green-Deal“ und „Brüssel, wir kommen später“ hieß es bei der Demo in Rottendorf mit einer Kundgebung auf dem Gut Wöllried bei Rottendorf. Als öffentlichkeitswirksamens Zeichen erfolgte ein Demonstrationszug mit rund 150 Traktoren durch Würzburg und eine Abschlusskundgebung in Veitshöchheim in der Nähe des Mittelpunktes der EU.

Viel Zeit und viele Nerven habe es gekostet, gemeinsam mit niederländischen und polnischen Organisationen für den 12. und 13. Dezember eine große Demonstration in Brüssel zu organisieren. Das erklärte Claus Hochrein aus Eisenheim am Montagabend auf dem Gut Wöllried bei Rottendorf. Es sei allen schwer gefallen, die für Brüssel bestens vorbereitete internationale Demo wegen des Coronavirus kurzfristig auf das Frühjahr zur verschieben. Zumindest war es möglich, ein solidarisches und lokales Zeichen aus Franken nach Brüssel zu schicken. Das hat „Landwirtschaft verbindet Bayern“ (LsV) als Ersatz kurzfristig organisiert.

Leuchtender Schriftzug als Signal zur EU nach Brüssel

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Schriftzug Brüssel - LSV-Foto
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In Brüssel tagen nämlich die europäischen Agrarminister. Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir macht dabei seinen Antrittsbesuch. Es wird sich zeigen, welche Politik er von Berlin aus in Brüssel unterstützt. Erst vor wenigen Wochen hat das EU-Parlament eine Agrarreform verabschiedet. Und im Dezember 2019 stellte die Europäische Kommission den „European Green Deal“ vor. Er hat das ehrgeizige Ziel, bis 2030 die CO2-Emission in der EU um bis zu 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Ein Bereich des Klimadeals betrifft die Landwirtschaft. Die Lebensmittelproduktion soll nachhaltiger und ökologischer werden.

Rund 150 Schlepper ziehen durch Würzburg

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„Ohne Landwirte kein Green-Deal“ und „Brüssel, wir kommen später“ hieß es bei der Demo in Rottendorf mit seiner Kundgebung auf dem Gutshof, einem Demonstrationszug mit rund 150 Traktoren durch Würzburg und einer Abschlusskundgebung in Veitshöchheim in der Nähe des Mittelpunktes der EU. In ganz Europa seien die Landwirte überzeugt, dass der Green-Deal ohne sie nicht funktionieren wird. Landwirte wollen mitgestalten, bei den Verhandlungen mit am Tisch sitzen und zeigen, was sie können.

LsV sieht die Gefahr, dass der Green-Deal die Kosten der heimischen Produktion verteuert und die europäische Landwirtschaft geschwächt wird. „Die Entscheidungen in Brüssel laufen in die falsche Richtung“, sagte Claus Hochrein bei der Kundgebung. Wenn der Green-Deal wie geplant umgesetzt wird, würden aufgrund der fachfremden Auflagen für die Landwirte in Europa Mindererträge bis zu 15 Prozent und Einkommensverluste bis zu 30 Prozent prognostiziert. Den Pflanzenschutz um 50 Prozent reduzieren zu wollen, das sei zwar ein edles Ziel, aber Pilze und Insekten könnten ganze Ernten zerstören. Das hätte nicht nur zur Folge, dass für die Lebensmittelproduktion in anderen Ländern der Welt Land urbar gemacht würde. Es würde das Höfesterben weiter beschleunigen.

Sagen, wo der Schuh drückt

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Der Green-Deal sei am Schreibtisch in Brüssel gemacht worden. „Wir müssen sagen, wo uns der Schuh drückt“, warb LsV-Funktionär Hochrein um Mut und Hartnäckigkeit. Aufgrund der Demonstrationen seit zwei Jahren sei viel erreicht worden, etwa im Bereich der Grundwassermesskörper oder der Landkarte mit Roten Gebieten. Zudem sei Handel in Zugzwang geraten. Martin Gleichmann von LsV will „ wie viele von uns hier einfach den eigenen Hof erhalten und damit unsere Familie ernähren können“. „Wir müssen zusammen halten, miteinander reden und um unsere Rechte kämpfen“, ist er überzeugt.

Die Veranstalter der Demonstration hat es gefreut, dass Vertreter aus ganz Franken und von unterschiedlichen Verbänden vor Ort waren. Rund 600 Demonstrierende waren trotz der dunklen Jahreszeit und des Nieselregens gekommen. Das war ein starkes Signal Richtung Brüssel. „Wir müssen solidarisch sein und unseren Zusammenhalt leben und praktizieren“, meinte Kreisobmann Jürgen Dierauff vom Bauernverband Mittelfranken unter dem Applaus der Demonstrierenden.

Schriftzug mit Schleppern geformt

Bevor der Schlepperkonvoi seine Tour nach Veitshöchheim startete, gab es eine spektakuläre Fotoaktion auf dem Gutshof. Rund 50 Traktoren formten den Schriftzug „Brüssel“ und blinkten mit all ihren Lichtern, während zwei Drohnen von oben fotografierten. Das leuchtstarke Signal aus Unterfranken wird die europäischen Agrarminister hoffentlich erreichen.