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Biodiversität unter der Lupe

Pionier für nachhaltige Landwirtschaft

Hubertus von Künsberg (links) und Professor Dr. Franz-Theo Gottwald von der Humboldt-Universität Berlin haben in Küps das Projekt „Natur-positive Agrarsysteme“ (NaPA) gestartet.
Stephan Herbert Fuchs
am Dienstag, 22.11.2022 - 08:01

Bittl’scher Gutsbetrieb beteiligt sich an Pilotprojekt zur Biodiversität

Küps / Lks. Kronach Nutzungs- und Schutzinteressen in der Landwirtschaft zusammenzubringen. Das ist das Ziel des Projektes „Natur-positive Agrarsysteme“ (NaPA). An dem Projekt beteiligen sich 19 ökologisch und konventionell wirtschaftende Landwirte unter wissenschaftlicher Begleitung der Humboldt-Universität Berlin. Einer der Betriebe liegt in Oberfranken: der Bittl’sche Gutsbetrieb von Barbara und Hubertus von Künsberg in Oberlangenstadt bei Küps.

Das Projekt soll in den kommenden drei Jahren Daten liefern, wie sich unterschiedliche Anbauarten und Bewirtschaftungsformen auf die lokale Biodiversität, Bodengesundheit sowie das Klima auswirken. Außerdem wollen die beteiligten Landwirte regelmäßig praktische Erfahrungen austauschen. Ins Leben gerufen hat NaPA das Unternehmen Syngenta Agro GmbH.

„Uns geht es um Lern- und Entwicklungszusammenhänge in der Landwirtschaft“, sagte Franz-Theo Gottwald, Professor für Umweltethik an der Humboldt-Universität Berlin. Eine Aufgabe des Projektes wird es sein, Wege zu finden, um die Bodenfruchtbarkeit und damit den Humusaufbau zu steigern. Einen besonderen Fokus wollen die Beteiligten außerdem darauf legen, was passiert, wenn sie die Fruchtfolge verändern. Neu und einzigartig ist nach den Worten Gottwalds die wissenschaftliche Begleitung. Am Ende soll ein Maßnahmepaket für den jeweiligen Standort stehen.

Blühstreifen stehen im Fokus

Als Beispiel nannten Gottwald und Projektbetreuer Sebastian Funk die Untersuchung von Blühstreifen auf die lokale Biodiversität durch Wissenschaftler des Leibnitz Instituts. Sie sollen drei Jahre lang den Biodiversitätswandels unter die Lupe nehmen. Die NaPA-Landwirte haben dazu an oder mitten in ihren Feldern Messstationen mit speziellen Fallen eingerichtet, die sie regelmäßig leeren und austauschen. Das Forschungsinstitut wertet aus, welche Insekten und andere Kleintiere gefangen wurden. Auch Bodenbeschaffenheit und Nährstoffkonzentrationen werden untersucht. Dabei kommen testweise auch neue Technologien und Analysemethoden zum Einsatz. „Im Zeitverlauf ergibt sich so eine einzigartige Datensammlung und -qualität“, sagte Gottwald.

Hubertus Freiherr von Künsberg bewirtschaftet in Oberlangenstadt die 400 Hektar Land des Bittl’schen Guts. Die Schwerpunkte des Betriebs liegen auf der Biogasproduktion und dem Ackerbau. Der Agrartechniker und Fachagrarwirt übertrifft mit seiner gewässerschonenden Bewirtschaftung bereits seit Jahren das gesetzlich geforderte Mindestmaß an Gewässerschutz.

Blühstreifen zwischen Feldern und Gewässern

Eine von mehreren Maßnahmen sind Pufferstreifen, die zwischen seinen Feldern und den angrenzenden Gewässern verlaufen. Zum Schutz des Ackerbodens setzt von Künsberg außerdem auf einer Teilfläche auf die Streifenbodenbearbeitung. Dabei bearbeitet er nur den unmittelbaren Bereich intensiv, in dem Pflanzen wachsen sollen. Der Rest bleibt unberührt.