Franken

Photovoltaik für jedermann

Gespräch Bürger-Photovoltaikanlage Eggensee
Fritz Arnold
am Mittwoch, 14.10.2020 - 15:37

Photovoltaikanlagen sind notwendig, um die Energiewende voran zu bringen. Werden sie ökologisch gut gestaltet und kommen zudem die Besitzanteile in Bürgerhand, dann lässt sich auch die Akzeptanz in der Bevölkerung verbessern.

Dieses Ziel zu erreichen, hat sich der Initiativkreis Biodiversität auf Photovoltaik-Freiflächen (PV-FFA) auf die Fahnen geschrieben. Er lud deshalb den bayerischen Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger auf die Flur zwischen Neustadt an der Aisch und Emskirchen ein.

Photovoltaik gehört in die Hand der Bürger

Dietmar Rückert, Chef der Bürgersolarkraftwerk Haag Verwaltungs GmbH und ein Pionier in Sachen Photovoltaik, bat Aiwanger, mitzuhelfen, damit Freiflächenanlagen nicht in die Hand von großen Investoren gelangen, sondern dass sie über Bürgeranlagen den Einwohnern in der Umgebung eine regionale Wertschöpfung ermöglichen.

Rund um die Anlage entstand ein Insektenparadies

Wie die Anlagen auch ökologisch wertvoll gestaltet werden können, erläuterte der ehemalige BBV-Kreisobmann Leonhard Seitz. In Eggensee sorgen Schafe für die natürliche Beweidung. Dazu wurde eine vielfältige Pflanzenmischung mit „Langblühern“ gepflanzt. Weil auf das Mulchen verzichtet wird, entstand so ein Insektenparadies, so dass auch Naturschützer und Imker als Verbündete gewonnen werden konnten.

Über diesen Weg könnte man auf die Forderung nach ökologischen Ausgleichsflächen verzichten, weil alle gewünschten Effekte auf Flächen mit Modulen erzielt werden können. Bei manchen Details, etwa wie weit die Modulreihen von einander entfernt sein sollten, bestehe aber noch Untersuchungsbedarf. Über ökologisch aufgewertete Freiflächenanlagen, so Rückert und Seitz, ließen sich auch Konflikte um die „Öko-Punkte“ und den Erwerb von Ausgleichsflächen entschärfen. Dies hält Vize-Landrat Reinhold Streng für dringend geboten, nachdem sich hier Unternehmen und Kommunen aus dem Ballungsraum in den Landgemeinden immer häufiger einkaufen. Beim Wirtschaftsminister rannten die Gesprächspartner mit ihren Anliegen beinahe offene Türen ein.

Aiwanger will vereinfachte Verfahren

Aiwanger erklärte: „Wir brauchen mehr erneuerbare Energie. Dies wird nur möglich, wenn wir die Verfahren vereinfachen. Wir brauchen einen Mix aus Wind, Biogas und Sonne und kommen nur voran, wenn wir nicht jedes Mal bei Adam und Eva anfangen und bei jeder Anlage teure Experten heranziehen müssen.“

Der Minister sagte zu, einen Handlungsleitfaden für die Kommunen zu erarbeiten, damit die Gemeinden mehr Sicherheit bekommen und die Arbeit und Diskussionen einfacher werden. Dann sehe er gute Chancen, die Solarenergie in der Fläche weiterhin voranzubringen. Schließlich könne eine ökologische Aufwertung der Flächen niemand kritisieren.

Die bisherigen Pläne reichen nicht

Den Bedarf unterstrich auch Rainer Kleedörfer (N-ERGIE). Zwar gebe es derzeit in Mittelfranken Anträge zum Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen in einer Größenordnung von rund 1000 Hektar, doch würde dies noch nicht ausreichen, um die politischen Vorgaben für die Energiewende aus Berlin erfüllen zu können.