Planungen

Patent auf „MainÖko“ ist gesichert

Bio Äpfel
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Montag, 08.03.2021 - 10:26

In Franken wird derzeit über eine neue Erzeugergemeinschaft nachgedacht. Der Vorstand soll aus aktiven Landwirten bestehen.

In Franken wird derzeit über eine neue Erzeugergemeinschaft nachgedacht. Ihr Markenname „MainÖko“ ist bereits gesichert und patentrechtlich geschützt. Das teilte Torsten Gunselmann, Referent an der BBV-Hauptgeschäftsstelle in Bamberg, während einer online geführten Fachtagung über Ökolandbau mit.

Im konventionellen Bereich gibt es bereits die Marke „MainKorn“, für die Markus Werner, Mathias Klöffel und Thomas Zenter verantwortlich zeichnen. Bei der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsraps und pflanzliche Produkte werden jährlich 3000 bis 10 000 t Raps, 4000 t Durum und 8000 t Dinkel gebündelt und für die rund 1700 Mitglieder vermarktet. „Im Oktober 2015 wurde auch die Top Saaten GmbH gegründet, die den gemeinsamen Bezug von Saatgut – vor allem Mais und Raps, aber auch Zwischenfrüchte – zum Ziel hat“, erklärte Gunselmann. Große Handelsspannen erlaubten hier einen fairen Einkauf.

Die Interessen vertreten

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Eine ähnliche Öko-Erzeugergemeinschaft, die unabhängig von Verbandszugehörigkeiten über ganz Franken arbeitet, fänden zwei Drittel der Tagungsteilnehmer gut, wie eine Blitzabfrage ergab. Dabei soll der Vorstand aus aktiven Landwirten bestehen und die Interessen der Erzeuger und Mitglieder vertreten.

„Ich habe schon als konventioneller Betrieb mit der EG Geschäfte gemacht, das hat gut geklappt“, berichtete Peter Schlund, der stellvertretende BBV-Kreisobmann im Landkreis Bamberg, der auch in den vorläufigen Beirat gewählt wurde. Zuvor hatte Schlund, der seinen Betrieb in Buttenheim 2019 auf Öko umgestellt hat, über seine Futter-Mist-Kooperation berichtet. Gemeinsam mit seiner Frau Katja, die das Agrarbüro managt, führt er einen Ackerbaubetrieb mit Grüngutkompostierung. „Seit 25 Jahren gehört auch ein Lohnunternehmen dazu, das vor allem auf die Aussaat und Ernte von Zuckerrüben spezialisiert ist“, sagte er.

Winterweizen, Winterdinkel, Sommergerste, Ackerbohnen, weiße Lupinen, Sojabohnen, Quinoa, Kleegras und Zuckerrüben werden angebaut. Die Beikrautregulierung führt er im Getreide mit dem Stiegel, in den anderen Früchten mit der Hacke durch. Seit 2020 ist der Betrieb wegen der Zuckerrübenvermarktung bei Bioland. Die Grüngutkompostierung setzt er zur Düngung ein, dabei sei die Stickstoffwirkung gering. Kleegrassilage kommt in die Biogasanlage nach Schlammersdorf, das Substrat nimmt er im Zuge des Nährstoffaustauschs anteilig zurück.

„Die Futter-Mist-Kooperation ist möglich, wenn ein Tierhalter im Umkreis von 50 km einen Futterlieferanten sucht“, berichtete Schlund. Der Vertrag wurde über Bioland gemacht. Dabei zählt die Futterfläche für den Tierhalter wie eine eigene Fläche. Auch eine Futtermühle könne einbezogen werden.

Hoher Phosphorgehalt ist ein Problem

Weil Schlund mit einem Geflügelbetrieb kooperiert, sei nicht der Stickstoff das Problem, denn im Weizen seien mit rund 20 kg N/t ebenso viel Stickstoff enthalten wie in der Tonne Geflügelmist. Problematisch sei der hohe Phosphorgehalt. „Ich muss immer wieder rechnen, dass ich mit den Nährstoffen nicht zu hoch komme“, sagte Schlund. Auch mit dem Mist will er noch Erfahrungen sammeln, ob er ihn mit Grüngutkompost vermischt reifen lässt oder separat beispielsweise. Weil sein Partnerbetrieb Demeterbetrieb ist, wird er auch Demeter-Präparate ausbringen.

Zuvor hatte Matthias Görl vom Fachzentrum Ökolandbau am Amt für Ernährung,Landwirtschaft und Forsten über Grundsätzliches zum Öko-Anbau berichtet. „Wir brauchen Rauhfutterfresser dringend, damit der Betrieb rundläuft“, sagte er. Wenn jemand eine Großvieheinheit pro Hektar hält, sei das eine „gemähte Wiese“ und die Umstellung sollte auf alle Fälle funktionieren. Ganz grundsätzlich riet Görl dazu, sich auf allen Kanälen zu informieren.
Das rät auch Oberfrankens BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif. In einem Grußwort sagte er, dass er selber im sechsten Jahr in einem Teilbetrieb „ökologisch unterwegs“ sei und noch 20 bis 30 € für Umstellungsgetreide bekommen habe. Doch leider sei eine Kehrtwende eingetreten und in den Märkten herrsche eine engere Marge. „Das Insektenschutzgesetz ist ein großer Eingriff in die Landwirtschaft und trifft auch die Ökobauern“, sagte Greif. Bei den Roten und Gelben Gebieten gebe es einen erheblichen Nachbesserungsbedarf. „Gesellschaftliche Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass die Landwirtschaft in die Knie gezwungen wird“, sagte er und verwies auf den Lebensmitteleinzelhandel, der bereits wirbt „öko muss nicht teuer sein“.

Heimische Produzenten aktiv unterstützen

„Aus der digitalen Wüste“ meldete sich BBV-Kreisobmann Edgar Böhmer. Klöckner sei bewusst, dass die Produktion ins Ausland verlagert werde in dem Maß, in dem sie in Deutschland unmöglich gemacht werde. „Ich wäre vorsichtig mit langfristigen Investitionen“, sagte er. Im Hinblick auf Marktpartner wie China oder Russland meinte er: „Wenn in einer Diktatur ein Menschenleben nichts zählt, was zählt dann ein Öko-Zertifikat?“

Böhmer hinterfragte auch, was mit den 30 % Grünland in Bayern werden soll, denn Vegetarier bräuchten für ihre Ernährungsform besten Acker. BBV-Geschäftsführer Werner Nützel riet, regelmäßig die BBV-Homepage zu besuchen. Für die bbv-homepage mit ihren digitalen Informationen und www.landfrauen-machen-schule.de warb auch Torsten Gunselmann. Er empfiehlt, an einem Strang zu ziehen und nach außen ein geschlossenes Bild zu zeigen.