Bilanz

Pandemie belastet Milchviehhalter

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Stephan Herbert Fuchs
am Donnerstag, 25.02.2021 - 19:05

Der Rinderzuchtverband Oberfranken leidet unter negativen Rahmenbedingungen. Auch die Betriebsaufgaben setzen sich weiter fort.

Für das zurückliegende Zuchtjahr muss der Rinderzuchtverband Oberfranken erneut ein rückläufiges Ergebnis vermelden. Wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht hervorgeht, sind die Vermarktungszahlen um gut 1600 auf 30 400 Tiere zurückgegangen, der Umsatz verringerte sich um etwa 1 Mio. € auf rund 14,9 Mio. €.

Als wesentliche Ursachen dafür nennen der Vorsitzende Georg Hollfelder aus Litzendorf im Landkreis Bamberg und Zuchtleiter Markus Schricker die verminderten Kuhzahlen, niedrigere Preise, das Wetter und die Corona-Krise. Das Geschäftsjahr des Rinderzuchtverbandes ist nicht identisch mit dem Kalenderjahr. Es beginnt immer am 1. Oktober und endet am 30. September.

Gefallener Preis bei den männlichen Nutzkälbern

Der Rückgang im Gesamtumsatz geht dem Bericht zufolge auf einen wiederum gefallenen Preis bei den männlichen Nutzkälbern und auf die geringeren Stückzahlen zurück. Die Kälbermärkte konnten trotz Corona und ursprünglichem Verbot abgehalten werden, bei den Großviehmärkten seien die Termine im März und April abgesagt worden, der Mai-Markt habe dann wieder stattgefunden, allerdings ohne Zuchtbullen.

Von den ursprünglich zehn angesetzten Märkten hätten letztlich nur sieben in gewohnter Weise stattfinden können. Die Bullen von den ausgefallenen Märkten seien dann ab Stall ober per Telefonkonferenz vermarktet, beziehungsweise versteigert worden. Es gebe wohl kaum einen Bereich, der nicht durch die Coronapandemie beeinflusst wurde.

Durch Schließungen der Gastronomie und Behinderungen beim Fleischexport sei auch der Verzehr von Rindfleisch weiter zurückgegangen. Daneben habe es den Schlacht- und Verarbeitungsbereich mit Schließungen und verringerten Schlachtzahlen schwer getroffen. Als weitere Gründe für das rückläufige Ergebnis gelten die anhaltende Trockenheit, aber auch die zunehmende Ablehnung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs.

Zahl der Milchkühe nimmt ab

Der Rinderzuchtverband Oberfranken hatte im zurückliegenden Zuchtjahr noch 1064 Mitgliedsbetriebe, 61 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Herdbuchkühe ist dem Jahresbericht zufolge ebenfalls deutlich gesunken, und zwar um 1544 auf nun 66 255. Die Durchschnittsgröße der Betriebe wird mit 62 Kühen angegeben (Vorjahr 60).

Während diese Statistik nur die Kreiszuchtgenossenschaften und die Mitgliedsbetriebe des Rinderzuchtverbandes betrifft, listet der umfangreiche Jahresbericht traditionell auch die gesamte Milchviehhaltung in Oberfranken auf. Hier sank die Zahl der Milchkühe um 2700 auf 82921. Damit liege Oberfranken deutlich über dem deutschen und bayerischen Trend, so Zuchtleiter Schricker.

Unverändert fortgesetzt hätten sich auch die Betriebsaufgaben. Wieder 115 Betriebe weniger bedeuten 1766 Milchviehhalter in Oberfranken. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt statistisch bei 48,5 Kühen pro Betrieb. Die meisten Milchkühe werden in den Landkreisen Bayreuth und Hof gehalten, die wenigsten in den Landkreisen Kronach, Forchheim und Lichtenfels.

Die Zahlen seien ein Indiz dafür, dass die Investitionen in den Milchviehbereich nachgelassen haben und die aufstockenden Betriebe die Kuhzahl nicht konstant halten. Die Betriebsaufgaben hätten sich fast ungebremst fortgesetzt und bei weitem nicht mehr nur auf Betriebe unter 30 Kühe beschränkt. Die derzeitigen Vorzeichen sprechen nach Ansicht des Rinderzuchtverbandes Oberfranken eher dafür, dass sich diese Entwicklung noch beschleunigt.