Erzeugergemeinschaft

Ökofranken mit Problemen

Ökofranken(shf)_LF
Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 11.12.2020 - 04:09

Die Erzeugergemeinschaft verlangt Rückforderungen. Die Mitglieder sprechen von einem Skandal.

Gegen den Erzeugerzusammenschluss Ökofranken werden von Mitgliedern schwere Vorwürfe erhoben. Nachdem der Vermarktungspool seit dem Jahr 2017 nicht mehr aufgelöst worden sei, sollen weit über 100 Bauern jeweils hohe fünfstellige Beträge zurückzahlen. Grund dafür sei die schlechte Marktlage. Ökofranken eG ist ein Zusammenschluss mit rund 300 Mitgliedern für ökologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte in Oberfranken und angrenzenden Gebieten mit Sitz in Itzgrund. Die Bauern müssen dabei keinem deutschen Anbauverband angehören, sie können auch nach dem EU-Standard erzeugte Ökoware liefern.

In die roten Zahlen gerutscht

Ein Biobauer aus Oberfranken spricht von horrenden Rückforderungen, weil der Vermarktungszusammenschluss gewaltig in die roten Zahlen gerutscht sei. Ihm liege eine entsprechende Liste von Landwirten vor. „Die Situation ist äußerst verfahren“, so der Landwirt. Abgerechnet werde nach einem Poolsystem, bei dem der Preis je nach Vermarktungslage höher oder tiefer liegen kann. Allerdings sei dieser Pool seit 2017 nicht mehr aufgelöst worden. „Das hätte längst passieren müssen“, sagt der Ökolandwirt. Die Rückforderungen schwanken dabei je nach Liefermenge gewaltig. Wer nur 5 t angeliefert hat, müsse nur 50 bis 100 € zurückzahlen, wer allerdings 1000 t und mehr geliefert hat, bei dem würde es sich entsprechend summieren.

Die schlechte Marktsituation nimmt der Biobauer dem Zusammenschluss nicht ab. Er sieht vielmehr Versäumnisse in der Geschäftsführung. Dort sei schlecht gewirtschaftet worden. „Die haben dermaßen schlecht verkauft, das hätte man doch längst merken müssen.“ So sei Bioroggen zuletzt beispielsweise für 15 € pro Doppelzentner abgerechnet worden. Hätte er herkömmlichen Roggen ohne jeden Qualitätsanspruch an Biogasanlagenbetreiber verkauft, hätte er mehr bekommen.

Lange abgewartet

Außerdem könne man doch nicht erst 2020 merken, dass man 2017 keine Erlöse gehabt habe. Angeblich seien 2017, 2018 und 2019 ausschließlich miserable Preise erzielt worden. Schon die Ernte 2019 sei ihm nicht ausbezahlt worden, berichtet der Landwirt. Angeblich, weil bei ihm Rückzahlen von über 10.000 € offen stünden, da habe die Geschäftsführung seine Lieferung einfach einbehalten.

Einem Mitglied zufolge hat die Erzeugergenossenschaft bei den Banken Verbindlichkeiten von rund 1 Mio. €. „Das Geld will man wahrscheinlich wieder reinholen.“ Der Biolandwirt fasst sich aber auch an die eigene Nase. „Es war Leichtsinn von uns allen.“ Die Preise seien ja wirklich nicht besonders hoch gewesen.

Anfangs lief alles glatt

Auf der anderen Seite sei bis zum Jahr 2017 alles nahezu glatt gelaufen. Meist habe es eine Nachzahlung gegeben, weil letztlich doch zu einem besseren Preis verkauft wurde. Außerdem seien eventuelle Forderungen für die Jahre vor 2017 ohnehin verjährt. Illusionen macht er sich nicht: „Die Bauern werden wahrscheinlich wieder bluten müssen.“

Zu den Vorwürfen wollte sich Vorstand Roland Schrenker auf Nachfrage nicht äußern. Die Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen fand online statt, nur Mitglieder durften daran teilnehmen. Schriftlich teilte Schrenker mit, dass die Ökofranken eG über 300 Mitglieder hat. Einige von ihnen bekämen eine Nachzahlung, andere, die über das Poolsystem zu viel erhalten hätten, müssten zurückzahlen.
Was die Verbindlichkeiten angeht, könnten die Mitglieder aus der Bilanz 2019 entnehmen, dass sich diese durch Forderungen aufheben, so Schrenker. Er verwies darauf, dass die Genossenschaft der jährlichen Prüfung durch den Genossenschaftsverband unterliege. Mehr könne er zum jetzigen Stand der Dinge nicht sagen. Dem Vernehmen nach wurden Vorstand und Aufsichtsrat bei der Jahreshauptversammlung nicht entlastet.