Frostschutz

Obstbau: Für die Eisheiligen gerüstet

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Franz Galster
am Donnerstag, 07.05.2020 - 08:53

Obstbauer Georg Beutner installiert eine Beregnung zum Frostschutz

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Auf Obstanbau hat sich Georg Beutner spezialisiert. Im Landkreis Forchheim vor Weingarts von Kunreuth kommend erstreckt sich auf seinen weitläufigen Obstplantagen derzeit ein paradiesisches Blütenmeer wie an vielen Stellen in der Fränkischen Schweiz mit ihren tausenden Obstbäumen.

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Beutner hat verschiedene Apfelsorten gepflanzt wie Wellant, Santana oder Gräfin Goldach, die von vielen Personen mit Apfelallergie wieder vertragen werden. Natürlich finden sich hier auch beliebte Sorten wie Elstar, Gala, Jonagold oder Boskoop. Auf einer Fläche von rund 6 ha hat Beutner die Bäume angepflanzt.

Durch Beregnen vor Frost schützen

Zwei Helferinnen aus Rumänien, Petronella und Madalina, sind gerade dabei, auf einer selbstfahrenden, Computer gesteuerten Arbeitsbühne stehend die Streifenregner zur Frostberegnung zu installieren. Das ist eine sehr wassersparende Möglichkeit, durch Beregnen der Apfelbäume Frostschutz zu betreiben.

Dabei werden nur die Reihen von oben beregnet und nur ein Drittel Wasser gegenüber der herkömmlichen Frostberegnung wird benötigt. 2,5 m nach jeder Seite beregnet jede Düse. Das System ist neu. Nach den ersten Erfahrungen dieses Jahr zeigt sich Beutner damit sehr zufrieden. Überschaubare 4500 € hat er für die Anschaffung ausgegeben. Die Montage erfolgte in Eigenleistung. Die Wasserversorgung ist über die bereits vorhandene Leitung für die Tropfbewässerung der Bäume sichergestellt, die 50 cm über dem Boden verläuft, mit einer Düse alle 50 cm. Die Wasserzuführung reicht für die beiden unabhängigen Systeme aus.
In der Erntephase und beim Bäumeschneiden sind bis zu sechs Helfer aus Rumänien beschäftigt. So kam Petronella vor einigen Jahren als Erntehelferin mit ihrem Vater auf den Betrieb und ist nun fast durchgehend hier beschäftigt. Daher kennt sie die Abläufe mittlerweile sehr gut.
Die prächtige Apfelblüte befindet sich auf ihrem Höhepunkt. Georg Beutner blickt zuversichtlich über das Blütenmeer. Das wochenlang sonnige Wetter kommt der Blüte entgegen. Ein unüberhörbares gleichmäßiges Summen verrät die unermüdliche Arbeit der Bienen. Zwölf Völker hat Beutner von einem Bekannten aus der Region für die Bestäubung zusätzlich zu seinen eigenen vier Völkern vorübergehend hier aufstellen lassen.
Die wenigen Frostnächte Anfang April haben, so schätzt Beutner vorsichtig, keine größeren Schäden angerichtet. „Das ist oft in der Region sehr stark von den einzelnen Lagen abhängig. Die Eisheiligen stehen freilich noch bevor. Wir sind, was die Frostgefahr anbelangt, noch nicht durch“, sagt Beutner. Erst danach werde man die Ernteaussichten abschätzen können. „Das größte Problem für den Obstbau stellt das Risiko der Spätfrostschäden dar. Hier spüren wir den Klimawandel brutal. Durch die milden Winter erfolgt ein sehr zeitiger Austrieb. Die Vegetation ist weiter fortgeschritten, weshalb die Blüte beziehungsweise die kleinen grünen Früchte noch empfindlicher sind und sich der Frost verheerender auswirken kann als früher.“

Vor 23 Jahren auf Obstbau spezialisiert

Vor 23 Jahren hat sich Beutner entschieden die Milchwirtschaft als zweites Standbein abzuschaffen und sich zu spezialisieren. Schrittweise baute er den Obstbau mit Äpfeln und Birnen sowie in geringerem Maße mit Kirschen aus. Deshalb ist für ihn die größtmögliche Sicherung der Ernte notwendig. Dazu zählen Hagelnetze über den Äpfeln und eine Tropfbewässerung, um die aktuelle Trockenheit bestmöglich zu überbrücken. Eine ausreichende Bewässerung ist entscheidend für den Ertrag, besonders aber auch für eine hohe und gleichbleibende Qualität der Früchte – eine permanente Herausforderung bei dem immer trockener werdenden Klima.
Scheune und Kuhstall sind auf dem Hof längst umfunktioniert und beherbergen moderne, Computer gesteuerte Kühlräume für 150 t Obst. Sie stoßen allerdings bereits wieder an ihre Kapazitätsgrenze. So können die Kunden fast über das ganz Jahr mit Obst von gleichbleibender Qualität bedient werden. Kamen anfangs die Kunden, meist Privatleute, aus der Metropolregion, um Obst direkt vom Hof weg zu kaufen, so hat sich das Klientel maßgeblich erweitert. Märkte im Raum zwischen Forchheim und Nürnberg werden täglich beliefert, aber genauso wie bisher der Privatkunde vor Ort bedient.
Eine moderne Brennerei mit langer Tradition und einer vielseitigen Produktpalette profitiert außerdem von dem breiten Obstsortiment. Hier entstehen edle Brände und Liköre. Als Spezialität der Region hat sich dazu der bekannte Apfelsekt „Charlemagner“ einen Namen gemacht.
Die Corona-Pandemie, die den gesamten Erdball in Atem hält, wirkt sich bisher auf den Betrieb nicht spürbar negativ aus. Beutner meint: „Den Kunden wird hoffentlich die hohe Qualität und Verfügbarkeit lokaler Produkte in ihrer unmittelbaren Umgebung noch mehr bewusst.“