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Landfrauen

Den „Mutmuskel“ stärken

Landfrauentag-Miltenberg_16
Sabine Dähn-Siegel
am Dienstag, 31.03.2020 - 08:18

Christoph Kreitmeir beim Landfrauentag im „Wohlfühl-Landkreis“ Miltenberg

Kleinheubach/Lks. Miltenberg Der Landfrauentag im Kulturzentrum „Hofgarten“ in Kleinheubach begann mit einem Wortgottesdienst. „Region gestalten“ sei das diesjährige Landfrauen-Thema und ein Anliegen, dem sich die Bäuerinnen bereits seit mehr als 70 Jahren „mit viel Herzblut“ widmen, sagte BBV-Kreisbäuerin Monika Schuck in ihrer Begrüßung. Sie machte deutlich, dass „jeder Einzelne von euch Region mitgestalten kann“, beispielsweise durch den Einkauf von regionalen Lebensmitteln im eigenen Ort, in den Hofläden und auf Bauernmärkten.

Lebensqualität für alle

Landwirte erzeugten nicht nur hochwertige Lebensmittel, sie förderten dabei auch die Lebensqualität für alle, pflegten landwirtschaftliche Flächen und erhielten die wertvollen Kulturlandschaften, „damit unser Landkreis weiterhin ein Wohlfühl-Landkreis bleibt“, sagte Schuck. Angesichts immer höherer Auflagen und ständig neuer Vorschriften und Belastungen stelle sich jedoch die Frage, wie lange „können wir Bauern so arbeiten, wie wir es gelernt haben und von unserer Landwirtschaft leben?“ Ohne Hilfe aus der Politik, befürchtet die Kreisbäuerin, „gibt es uns landwirtschaftliche Familienbetriebe bald nicht mehr“.

Schucks Satz lieferte die passende Überleitung zum Referat von Christoph Kreitmeir „Hast Du Angst? – Sei mutig!“ Nach beruflichen Stationen in Vierzehnheiligen, im Kloster Frauenberg in Fulda, nun in Eichstätt beheimatet, arbeitet der Franziskanerpater seit dem Jahr 2017 als Seelsorger am Ingolstädter Klinikum, wo er täglich mit „viel Angst konfrontiert wird“ – auch seiner eigenen, wenn die Belastung übergroß zu werden droht.
Kreitmeir weiß, wie sich Angst äußere, dass sie Atemnot, Herzrasen, innere Unruhe, Schweißausbrüche hervorrufe, unfrei mache, zur Fremdbestimmung führe. Er kennt probate Wege, Ängste schnell zu stoppen: herausatmen, sich mit vertrauten Menschen austauschen, den Körper beruhigen (Bad, Massage, Wellness, Musik hören), Achtsamkeit trainieren – sowie Gottvertrauen und „Ordnung ins Herz bringen“.

Vermeidung nährt Angst

Als unwirksame Mittel gegen Angst nannte er unter anderem Vermeidungsstrategien („Vermeidung nährt Angst“), Jammern, Alkohol, sich nur auf Medikamente zu verlassen, langwierige Therapien, die eher quälen als helfen. „Das Schicksal ist durch die eigene Einstellung änderbar“, sagte der Sozialpädagoge, Theologe und psycho-spirituelle Lebensberater und verglich Mut mit einem Muskel: „Je mehr er trainiert wird, desto stärker wird der ,Mutmuskel‘.“ Mut-Gebete und Mut-mach-Lieder, so sein Credo, helfen besonders gut „wenn’s uns dreckig geht“.

Auch den Grußworten der Gäste folgte die Zuhörerschar – fast schon ungewöhnlich – aufmerksam. Ludwig Angerer, Leiter des Landwirtschaftsamtes in Karlstadt, forderte dazu auf, „Werbung zu machen für das, was Ihnen wichtig ist. Alle hier sind Gesellschaft und können etwas für die Wertschätzung von Land- und Forstwirtschaft tun. Jeder kann Botschafter sein.“

In der Öffentlichkeit präsentieren

Kreisobmann Josef Schipeck hob hervor, dass die große Angst in der Landwirtschaft zu den Demos von „Land schafft Verbindung“ geführt hätten. Es sei wichtig, „dass wir uns so in der Öffentlichkeit präsentieren“.

Lob für die Landfrauen hatte Bezirksbäuerin Maria Hoßmann: „Wir Landfrauen tun dem Klima gut – und dem BBV.“ Viel Applaus bekam sie für ihr Schlusswort: „Keine Frau ist perfekt, aber Landfrauen sind nahe dran!“