Milcherzeuger

Molkereigenossenschaft: Niedrige Milchpreise angeprangert

Fritz Arnold
am Dienstag, 11.08.2020 - 10:18

Auf der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Rothenburg-Schillingsfürst kommen wichtige Themen zur Sprache.

BMI-Rothenburg_LF

Schon im vergangenen Jahr hatte Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Leidenberger (Herrnwinden) bei der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Rothenburg-Schillingsfürst die im Vergleich zu Nachbarmolkereien niedrigen Milchpreise angeprangert und dringend höhere Erlöse für die Milchbauern angemahnt. Die Zuversicht nach einem Aufwärtstrend um den Jahreswechsel und bis Februar währte jedoch nicht lange, weil Corona einen neuen Einbruch verursachte.

Im Mai war mit einem Grundpreis von 29,1 ct ein Tiefpunkt beim Auszahlungspreis erreicht. Dies wurde auch deshalb besonders schmerzlich empfunden, weil die benachbarten Molkereien Schrotzberg und Crailsheim vergleichsweise hohe Preise bezahlen.

Erlöse leicht gestiegen

Inzwischen sind die Erlöse zwar auf 29,6 ct leicht angestiegen, doch kritisieren Aufsichtsratsvorsitzender Leidenberger und Vorstand Markus Häßlein (Brunst) sowie Genossenschaftsmitglieder, dass die heimischen Bauern letztlich für Planungsfehler beim neuen Käsewerk der Bayerischen Milchindustrie (BMI) in Jessen in Sachsen-Anhalt bezahlen müssen. Wie berichtet, kostete die neue Molkerei anstatt der veranschlagten 70 Mio. € am Ende 110 Mio. €. Auch lief die Käseproduktion in dem neuen Werk nicht so gut an wie geplant.
Vor den Genossenschaftsmitgliedern stand nun der Vorstandsvorsitzende Dr. Thomas Obersojer Rede und Antwort. Er schilderte, dass es gelungen war, die Preisdifferenz im Herbst von bis zu 3 ct/l gegenüber Nachbarmolkereien zu reduzieren und dass im Januar ein Aufschlag von zwei Cent bezahlt werden konnte, doch schlugen dann die Probleme wegen Corona voll zu. Nicht nur dass Paletten voller Erzeugnisse für die Gastronomie stehen blieben, auch der Export nach Spanien brach ein. Schließlich musste Jessen während des Höhepunktes der Pandemie sogar zwölf Tage völlig schließen. Hinzu kamen auch spätere Zahlungseingänge. Jetzt gehe es aber wieder aufwärts. Insgesamt hätten sich die Preise für Milchprodukte nach dem starken Einbruch erholt, doch sei es „für eine Entwarnung zu früh“.

Rückgang bei den Lieferanten

Wie Vorstand Häßlein berichtete, reduzierte sich die Zahl der Lieferanten von 69 im Jahr 2017 auf 52 im Jahr 2018 und inzwischen 45. Gleichzeitig reduzierte sich die Jahresanlieferung von 19 Mio. kg Milch auf 13,3 und nun auf 12,1 Mio. kg. Dass vor allem größere Milchbauern andere Abnehmer suchten, zeigt sich an der durchschnittlichen Tagesanlieferung von 52 062 kg (2017) auf 33 207 kg Milch.

Häßlein, wie auch Aufsichtsratsvorsitzender Leidenberger stellten fest, dass nicht nur die zu niedrigen Milchpreise, sondern auch die „Lawine an Vorschriften“ in Verbindung mit hohen Strafen, die die Bauern überrollen, den Strukturwandel weiter befeuern werden. Sie baten deshalb die Milcherzeuger, sich an Demonstrationen und Protestmaßnahen zu beteiligen, denn „wer nicht kämpft hat schon verloren“.
Stadträtin Jutta Striffler ermutigte die Landwirte, nicht aufzugeben, sich gegen überzogene Vorgaben zu wehren und stärker an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie verwies auf den Trend hin zu regionalen Produkten, den auch ein Diskussionsteilnehmer aufgriff. Er schlug vor, den positiven Ruf von Rothenburg ob der Tauber auch für Milchprodukte zu nutzen. Das sei jedoch nicht einfach, da in den Produkten von BMI Milch aus ganz Franken, Thüringen und auch Sachsen-Anhalt enthalten sei, hieß es.

Wiedergewählt

Bei den turnusmäßigen Wahlen wurden Vorstandsmitglied Herbert Schwab aus Adelshofen sowie die Aufsichtsratsmitglieder Josef Krauthahn (Eckartshof) und Rainer May (Ellwingshofen) bestätigt. Nach der Schließung des Käsewerkes in Langenfeld geht die Milch der Rothenburger Genossenschaft in die Molkerei Würzburg und ins Käsewerk Windsbach. Weitere Standorte der BMI, die im Jahr rund 3 Mrd. kg Milch verarbeitet, sind Ebermannstadt, Zapfendorf, Winzer, Peiting und Jessen.