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Mohn: Erzeuger werden gesucht

schlafmohn
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Dienstag, 03.03.2020 - 11:38

Informationsveranstaltung zum Öko-Mohnanbau.

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Geldersheim/Lks. Schweinfurt Abnehmer vorhanden, Erzeuger gesucht! Eine Informationsveranstaltung über Öko-Mohnanbau fand im „Fränkischen Hof“ statt. Bürgermeister Oliver Brust begrüßte zu der Veranstaltung mit einem Praktiker, der selber seit fünf Jahren mit der „nicht ganz einfachen“ Kultur experimentiert. Projektmanagerin Anna-Katharina Paar hatte dazu Biobrötchen mit Emmer, Hanf und Mohnsaat vom Biohof Schleerieth mitgebracht.

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Josef Schmidt ist Öko-Mohnerzeuger im Steinwald in der Oberpfalz und aktiv im Forschungsprojekt „Speisemohn im Ökologischen Landbau“ der Uni Bonn, das über die DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) gefördert wird. Er beleuchtete die durchaus lukrative Kultur hinsichtlich Sortenwahl und Anbau.

Anbaugenehmigung muss eingeholt werden

„Zu allererst müssen Sie eine Genehmigung bei der Bundesopiumstelle in Bonn einholen“, betonte er mehrfach. Die Genehmigung, die es für 190 € gibt, egal für welche Fläche, schützt vor Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Denn grundsätzlich könne „Papaver somniferum“ als Heilmittel, Schmerzmittel, Aphrodisiakum oder als Lebensmittel gebraucht werden. Um Missbrauch auszuschließen, sollten sich die Landwirte streng an die Vorschriften der Genehmigung halten.
„Dann bringt der Mohn, den es in vielen Blütenfarben gibt, unheimlich viel“, schwärmte Schmidt, „für das Landschaftsbild und den Tourismus zum Beispiel“. Aber auch für Insekten und für die Fruchtfolge sei der Mohn gut, denn seine Pfahlwurzeln holen Nährstoffe aus tieferen Schichten.
Leider sei nur für die Sommermohnsorte Viola Saatgut aufzutreiben. Sie habe eine schnelle Jugendentwicklung und sei ein Einzelblütentyp. Für die späteste Sorte Mieszko sei für 2020 kein Saatgut verfügbar. Die einzige zugelassene Wintermohnsorte Xeno Morphex könnte für Unterfranken interessant sein, aber es gebe noch keine Anbauerfahrung.
Schmidt erläuterte Versuche in Mischfrucht und als Reinkultur. Gesät werden 800 bis 1500 g/ha. „Der Mohn ist ein Lichtkeimer, das macht es schwierig bei schweren Böden, die zur Verschlämmung neigen“. Schwierig ist auch das Hacken der filigranen Kultur. Schmidt beginnt damit, sobald die Reihen zu ahnen sind. Weil in der Steinpfalz niemand eine GPS-Hacke hat, macht er sich im Schneckentempo mit der Zwischenachshacke ans Werk und freut sich, wenn er in der Stunde 700 m schafft. „Hier zahlen sich gute Nerven aus“, lachte er, während ein Zuhörer meinte, dass „bei der Wahnsinnsgeschwindigkeit“ ein Striegel nicht richtig arbeiten würde. Den Striegel holt Schmidt erst ab dem 6 Blatt-Stadium hervor. Und manchmal wirke das Mulchgerät Wunder, „denn der Mohn verhockt im Keimblattstatium“. Dann könne man den weißen Gänsefuß erwischen. Wichtig dabei: der Vegetationspunkt des Mohns muss am Leben bleiben. Mitte Mai sei oft ein guter Zeitpunkt, um so den weißen Gänsefuß zu bekämpfen, der ansonsten beim Dreschen zur „Katastrophe“ werden könnte, weil er unmöglich herauszureinigen ist und das Saatgut bitter schmeckt - und Preisabzüge bringt. „Das Dreschen dagegen geht relativ einfach“, erklärte Schmidt, der auf dem Mähdrescher mit einem km/h fährt, weil er lieber zweimal reinigt, als zuviel Mohn auf dem Acker zu lassen. „100 kg Mohn, das macht 400 Euro, obwohl man am Boden überhaupt nichts sieht“, sagte er. Druschreife habe die Frucht, wenn die Kapsel raschelt und die herausfallenden Samen ihre Endfarbe behalten.
Durchwuchsprobleme habe er noch nie gehabt, obgleich diese Frage oft gestellt werde. „Mohn braucht 80 bis 100 kg verfügbaren Stickstoff/ha, dazu Calzium und Bor“, sagte Schmidt auch. „Was er gar nicht verträgt, ist Staunässe“. Im Rückblick hat er selber 2018 den höchsten Ertrag gedroschen, im letzten Jahr dagegen habe der kalte Mai den Mohn auf Null gesetzt, während das Unkraut munter gewuchert sei. „Wie beim Soja: in einem kalten Mai gehst du baden“, meinte einer der Praktiker.
In der Fruchtfolge habe sich die zweite Stelle nach Kleegras bewährt, davor baut Schmidt Weizen oder Gemüse an. Das Z-Saatgut koste übrigens 60 bis 80€/kg. Mischfruchtanbau findet er „cooler als Untersaat“. Dabei hat er 20 Körner/m² Lupinen parallel mit Mohnsaat sowie auf einem anderen Schlag 40 Körner/m² Linsen angebaut und 900 kg/ha beziehungsweise 500 kg/ha gedroschen. Zu den Chancen des Mohnanbaus zählt er die hohe ackerbauliche Wertschöpfung und dass er sehr gut für ertragsschwächere Sandböden geeignet ist. Risiken sind die mit 500-600 €/ha hohen Kosten für die Unkrautregulierung, die Ertragsausfälle in schlechten Anbaujahren sowie fehlende Erfahrung und Sortenauswahl. „Zum Einstieg würde ich einen Tastversuch mit 1000 m² empfehlen“, sagte er.
Betina Goldbach, die den Geschäftsführer des Landhändlers Friedenfelser Betriebe vertrat, freut sich über weitere Öko-Mohnerzeuger in Unterfranken. Sie ging im Laufe der Veranstaltung unter anderem auf die Konditionen ein. Der Verbrauch an Biomohn in Bayern werde auf über 100 t geschätzt, die aktuelle Produktion dagegen liege bei unter 20 t. „Im Ausland sind die Morphingehalte häufig höher“, berichtete Goldbach, die auch Prof. Dr. Bärbel Kniel zitierte, die den deutschen Kulturen einen deutlich besseren Geschmack attestierte.

Finger weg bei Unkrautproblemen

Zum Problem Gänsefuß traf Goldbach ebenfalls eine klare Aussage: „Wer schon Unkrautprobleme hat, bitte gar nicht mit Mohn anfangen!“ 2019 sei ein sehr schwieriges Jahr gewesen. Sie schilderte, wie schnell und leicht die Mohnsaat nach der Ernte verderben kann, wenn sie nicht sofort gereinigt und getrocknet wird. Reinigung und Trocknung können übrigens bei den Friedenfelser Betrieben erfolgen, Gespräche laufen auch mit dem Schlossgut Obbach. „Kontrakte für die Ernte 2020 sind ab sofort möglich“, sagte sie, der Abschluss werde nach ha, nicht nach kg gemacht. „4 €/kg für Landwirte, bei 96 % Reinheit ohne Abzüge und einer Feuchte von 6-8%“.
Übrigens ist alles schon mal dagewesen, wie die Bezeichnung „Schnackenwerther Mohnsäck“ bezeugt. Offenbar war die fruchtbare Flur rund um Schnackenwerth früher die einzige weit und breit, auf der Mohn angebaut werden konnte. Die gemeinsame Veranstaltung der unterfränkischen Öko-Modellregionen Oberes Werntal, Waldsassengau, Rhön-Grabfeld, des Fachzentrums Ökolandbau Bamberg sowie der Erzeugerringe Bioland und Naturland war mit rund 50 Interessenten gut besucht. Allen Einsteigern legte Schmidt noch ans Herz, sofort eine Genehmigung einzuholen.