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Markteinschätzung

Milchmarkt - gedämpfter Optimismus angemessen

Milchmarkt
Rosi Thiem
am Donnerstag, 24.10.2019 - 09:55

Der Verband der Milcherzeuger in Bayern hat zum Nordbayerischen Infotreff geladen.

Pegnitz/Lks. Bayreuth - Da staunte die Vorstandschaft des Verbandes der Milcherzeuger in Bayern (VMB) nicht schlecht, wie viele Besucher zum Nordbayerischen Infotreff Milch in Pegnitz gekommen waren. Auffallend war vor allem die sehr hohe Zahl jüngerer Teilnehmer – das Potenzial der Zukunft. Mit dieser guten Resonanz sehr zufrieden zeigte sich Ernst Kettemann, der 1. stellvertretende Vorsitzende, der auch durch den Abend führte.

Milchpreis bis zum Jahresende stabil

Jürgen Geyer, der Geschäftsstellenleiter des VMB Kempten, berichtete über den Milchmarkt 2019 und stellte Tendenzen vor. „Die Erwartungshaltung einer verbesserten Milchmarktentwicklung zu Anfang 2019 hat sich nicht ganz erfüllt“, führte er aus und nannte dabei die letztjährige Trockenheit und den niedrigen Futterbestand als Ursachen. Die europäische wie auch die deutsche Milcherzeugung startete noch mit teilweisem Abstand zum Vorjahr, so dass in Folge die Preise für Milchprodukte zurückgingen. Geyer rechnet allerdings zum Jahresausklang mit einer leichten Markterholung. „Seit Jahresmitte hat sich die Milchproduktion an das Vorjahr angepasst – auch global.“ Gefestigte Handelspreise seien die Folge davon.

Geyer blickte auch auf internationale Märkte wie Lateinamerika und Asien, erläuterte den erfreulichen europäischen Magermilchexport und ergänzte aber auch, dass Handelshemmnisse – wie der Brexit – Verwirrungen schaffen. Abschließend äußerte er im Hinblick auf das bevorstehende Jahresende: „Der Milchpreistrend zeigt sich zum Jahreswechsel fester mit stellenweise minimalen Verbesserungen.“

Als Bindeglied zwischen Vorstand und Milcherzeuger sah sich Christine Bauer, Vorsitzende der Bayerischen Milchindustrie, Fachgruppe Primärrohstoff. Sie ging auf Praxisnöte ein und musste sich auch kritischen Fragen zu den Milchpreisen stellen.

Bewegen wird sich auch einiges auf den neuen Seiten der Homepage des VMB. Der Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seufferlein stellte dazu einige Neuerungen vor. Auf den Seiten finden die Verbraucher eine bayernweite Übersicht aller „Milch ab Hof-Verkaufsstellen“. Dort können sich Milcherzeuger kostenlos registrieren lassen. Dadurch könnten sie ihren Bekanntheitsgrad steigern und seien schneller im Netz auffindbar, zählte Seufferlein als Vorteile der Registrierung auf. Der Verbraucher profitiere durch Infomationen auf einen Blick.

Weiter erläuterte der Geschäftsführer PR-Aktivitäten, das Projekt Paratuberkulose und ging auf die Herausforderungen des QM-Milch Standard 2020 ein. Hier gibt es zukünftig eine Gremienneuordnung, mehr Kriterien und die Punktzahlen verändern sich. Detailliert ging er auf die Versicherungslösung des bayerischen Milchförderungsfonds ein, stellte das Grundprinzip der Fonds-Töpfe vor und das Vorgehen im Schadensfall. Er zeigte sich mit dem Ergebnis der Versicherungslösung zufrieden und resümierte: „Wir wollten keine Rasenmähermethode.“ Vielmehr sei auch an Betriebe gedacht worden, die mit jedem Euro rechnen müssen.

Diskussion um die Anbindehaltung

Ein viel diskutiertes Thema ist die Kombihaltung. Seufferlein erläuterte dazu das Definitionspapier. Ernst Kettemann meinte: „Wir wollen uns auf den Weg machen, von der ganzjährigen Anbindehaltung wegzukommen.“ Dazu äußerten einiger Teilnehmer Bedenken und BBV- Kreisobmann Karl Lappe erklärte: „Die 120-Tage-Regelung sehe ich für die nordbayerische Gegend als Problem. Wir haben oft beengte Innerortshoflagen ohne Weideanschluss – eine Folge der früheren Realteilung.“ Der Kreisobmann hätte sich als bessere Lösung eine Beschränkung auf die Trockenstehzeit vorstellen können.