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Ausbildung

Meisterbrief: Die Mühe lohnt sich

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Sabine Dähn-Siegel
am Donnerstag, 09.12.2021 - 09:39

In Unterfranken bekamen neun Absolventen den Meisterbrief der Landwirtschaft - so wenige wie noch nie zuvor.

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Seit 64 Jahren gibt es im Regierungsbezirk Unterfranken die Meisterprüfung der Landwirtschaft, auf die für die erfolgreichen Absolventen die Meisterbriefübergabe folgt. Doch so wenige Jungmeister wie heuer dürfte es in der Vergangenheit selten gegeben haben: Nur neun Namen verzeichnete die Liste für die diesjährige Meisterfeier. Corona-(Regeln)-bedingt nahmen an der Festveranstaltung in der Winzergenossenschaft Franken in Kitzingen nur eine junge Frau und vier junge Männer ihren Meisterbrief entgegen.

Nichtsdestotrotz freute sich Unterfrankens Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann über alle (getesteten) Gäste, die mit ihrem Kommen ihre Wertschätzung für die Landwirtschaft und die Leistung der Absolventen zum Ausdruck brachten. In seiner Festansprache gratulierte er dem Meister-Quintett zur Erlangung dieser Würde, „dem Lohn der Mühen in ungewöhnlicher Zeit“ und fügte seinen Glückwunsch auch an alle Begleiter an, die auf diesem Weg unterstützt und eine wichtige Rolle gespielt hatten. Ehmann betonte, dass die Meisterwürde sowohl Basis für die langjährige Berufsausübung als auch Ausdruck gesellschaftlicher Verpflichtung sei, die in eine herausfordernde Zeit – Stichwort Corona, Klimawandel, Digitalisierung – falle.

Ländliche Raum steht zu wenig im Fokus

Der ländliche, von der Landwirtschaft geprägte Raum stehe in Medien und Politik „zu wenig im Fokus“, monierte der Festredner. Fakt sei, dass der Wandel im ländlichen Raum vielfach Verlustempfinden auslöse, während hier zugleich die Infrastruktur zu langsam anwachse.

„In diesem großen Rahmen gilt es für Meisterinnen und Meister, die Dinge in die Hand zu nehmen“, wandte er sich an die Hauptpersonen der Feier und führte ihnen die positiven Seiten ihrer Ausgangsposition vor Augen: eine „erfreulich große Offenheit für technische Neuerungen, neue Betriebsstrukturen, wirtschaftliches Denken, eine durchaus latent positive Haltung in der Bevölkerung für die Landwirtschaft“ und ein „wachsendes Bewusstsein für die Lebensmittelversorgung durch akute Lieferschwierigkeiten“.

Landwirtschaftliches Tun, so der Regierungspräsident weiter, stehe für Nachhaltigkeit, Zuverlässigkeit, positive Werte. „Sie sind gut gerüstet. Machen Sie etwas draus“, appellierte er an die Jungmeister.

Mit Einsatz, Freude und Leidenschaft bei der Sache

Auch die Vorsitzende des Prüfungsausschusses für die Meisterprüfung in Unterfranken, Barbara Kuhn, bestätigte in ihrem Rückblick auf die Prüfung, dass die ehemaligen Meisteranwärter „ihre Aufgaben mit viel Einsatz, Freude und Leidenschaft gut gemeistert haben“.

Christian van Eckert aus Mellrichstadt (Gesamtnote 1,15) und Stefanie Ascherl aus Nüdlingen (Gesamtnote 1,98) war das sogar so gut gelungen, dass ihnen zusätzlich der Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung, der den besten zehn Prozent eines Jahrgangs vorbehalten ist, verliehen wurde.
Dem schloss sich eine weitere Ehrung an: Den Goldenen Meisterbrief erhielt Eberhard Schnaz aus Iffigheim (Lks. Kitzingen) in Anerkennung seines außergewöhnlichen Engagements in der Ausbildung, wie Norbert Götz, Vorsitzender VLM Unterfranken, in seiner Laudatio sagte.

Botschafter des Berufs

Der stellvertretende BBV-Präsident Unterfrankens Alois Kraus und Matthias Ruß vom vlf lobten in ihren Grußworten „den besonderen Meister-Lehrgang“. Sie trugen an ihn auch den Wunsch heran, in den Verbänden „als Botschafter des Berufs tätig zu sein“.

Die jungen Landwirtschaftsmeister teilten zum Abschluss der Feier ihre Gedanken über den von ihnen eingeschlagenen Weg mit den Gästen: „Erfolg ist nicht Glück, sondern das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen“, zitierte Stefanie Ascherl aus einem Band-Liedtext. Dankbar zeigte sich Fabian Weingart aus Werneck (Lks. Schweinfurt), dass die Meisterkurs-Fahrten „Blicke über den Tellerrand“ ermöglicht hatten. Und Christian van Eckert richtete den Blick in die Zukunft, „in die wir unsere Betriebe sicher führen wollen“.