Wasserversorgung

Mammut-Projekte können nun starten

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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 19.05.2021 - 14:12

Bayern investiert bis zu 40 Millionen Euro in vier Zukunfts-Vorhaben für eine nachhaltige landwirtschaftliche Bewässerung in Franken.

Spalt/Iphofen/Nordheim/Oberschwarzach Vier Pilotprojekte in Franken wurden ausgewählt: Die Bewässerung in der Fläche bestmöglich sicherstellen, dabei Wasserressourcen schonen und für nachfolgende Generationen erhalten: Um diese Mega-Herausforderung bewältigen zu können, hat das bayerische Umweltministerium ein Pilotprogramm zur nachhaltigen und umweltgerechten Wassergewinnung zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Kulturen gestartet. Nun stehen die Pilotprojekte fest, die eine Förderung erhalten sollen. Mit insgesamt bis zu 40 Mio.€ sollen vier Projekte im Spalter Hügelland, in Nordheim, Iphofen und Oberschwarzach unterstützt werden.

„Die Folgen des Klimawandels werden auch in Bayern spürbar. Unsere Böden sind ausgetrocknet, das Grundwasser geht uns verloren“, erklärte Umweltminister Thorsten Glauber. Insbesondere in Nordbayern sei die flächendeckende Wasserversorgung ein großes Thema. Klimawandel und Trockenheit beträfen vor allem die Landwirte. Dabei werde auf effiziente Bewässerungssysteme und intelligente Wasserspeicher gesetzt. „Speicher können Wasser in abflussreichen Zeiten zurückhalten und in Trockenperioden vor Ort Wasser liefern. Die Pilotprojekte werden zeigen, wie die Bewässerung von morgen funktionieren kann.“

Besonders von Trockenheit betroffen

Das Umweltministerium wird die Baukosten der neuen Bewässerungsinfrastruktur zur Hälfte und je Vorhaben mit maximal 10 Mio. € fördern. Mit dem Pilotförderprogramm sollen überbetriebliche, nachhaltige und umweltgerechte Bewässerungsinfrastrukturen für landwirtschaftlich, gartenbaulich oder weinbaulich genutzte Gebiete errichtet werden. Für die Bewässerung soll in erster Linie Wasser aus Oberflächengewässern und gespeichertes Niederschlagswasser verwendet werden. Insgesamt haben sich sieben Projekte aus Franken für das Pilotförderprogramm „Investitionsmaßnahmen für Bewässerungsinfrastruktur für Landwirtschaftliche Sonderkulturen, den Gartenbau und für den Weinbau“ beworben. Franken ist besonders von Trockenheit betroffen, dort fällt im Vergleich rund ein Drittel weniger Niederschlag als in Südbayern.

Um möglichst umfangreiche Erfahrungen zur Bewässerung sammeln zu können, wurden Projekte aus unterschiedlichen Kulturformen wie etwa Wein-, Hopfen- oder Obstanbau, aus verschiedenen Naturräumen und unterschiedliche Bewerbern wie Kommunen oder Wasserbeschaffungsverbände berücksichtigt. Bei allen Projekten sind nun weitere Schritte seitens der Antragsteller notwendig. Wenn alle Gremienbeschlüsse sowie rechtlichen Genehmigungen und Zustimmungen vorliegen und alle förderrechtlichen Vorgaben erfüllt sind, kann der Antrag auf Zuwendung beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt gestellt werden. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Pilotprojekte soll die Förderung in eine Regelförderung überführt werden.

Mainwasser für Iphofen

Für die zukünftige Bewässerung der Weinberglagen um Iphofen mit einer Gebietsgröße von 262 ha soll Wasser aus dem Main in der abflussstarken Jahreshälfte entnommen, über eine 7,2 km lange Transportleitung nach Iphofen gebracht und in einem Speichersee mit rund 195 000 Kubikmeter nutzbarem Speichervolumen zwischengespeichert werden. Unmittelbar am Standort der Wasserentnahme am Main (vorgesehen in der Gemarkung Hohenfeld) sollen ein Pumpwerk und eine Aufbereitungsanlage errichtet werden.
Die zweite Aufbereitungsanlage am Speichersee soll die Betriebssicherheit der weiteren Verteilungsleitungen in die einzelnen Weinberglagen gewährleisten. Der jährliche Bewässerungsbedarf der angeschlossenen Weinberge mit einer Gesamtfläche von 262 ha wird auf etwa 170.000 Kubikmeter geschätzt. Die veranschlagten Projektkosten (ohne Grunderwerb) belaufen sich auf rund 17 Mio. €.

Hopfen im Hügelland

Im Spalter Hügelland sollen künftig Hopfen und Kirschen nachhaltig bewässert werden. Das Projekt erstreckt sich über 15 km Länge in den Gebieten der Städte Spalt und Abenberg sowie der Gemeinden Absberg, Georgensgmünd und Röttenbach. Aktuell sollen 208 ha bewässert werden, im Endausbau sollen bis zu 400 ha möglich sein. Dazu wird Wasser als Uferfiltrat der Schwäbischen Rezat gewonnen, die in Niedrigwasserzeiten durch Überleitungswasser aus dem Brombachsee gestützt wird. Fünf Pufferspeicher und 75 km Rohrleitungen ermöglichen den Hopfen- und Obstbauern eine bedarfsgerechte Wasserversorgung auch in Trockenperioden. Die Kosten für den aktuellen Bauabschnitt belaufen sich auf rund 25 Mio.€.

Speichersee für den Wein

Für die zukünftige Bewässerung der beiden Weinberggebiete Nordheim mit einer Gebietsgröße von 385 ha und Sommerach mit einer Gebietsgröße von 230 ha soll die vorhandene Infrastruktur genutzt und durch den Bau einer 365 Meter langen Verbundleitung miteinander vernetzt werden. Der jährliche Wasserbedarf soll aus dem Mainkanal in der abflussstarken Jahreshälfte entnommen und in zwei Speicherseen mit insgesamt 294 000 Kubikmeter Speichervolumen zur Wasserbevorratung zwischengespeichert werden. Das Konzept sieht die Errichtung eines Speichersees im Tal bei Sommerach an der bestehenden Wasserentnahmestelle vor. Der Standort des zweiten Speichersees ist auf dem Kreuzberg vorgesehen. Beide Standorte sind im Zuge der Entwurfsplanung abschließend zu prüfen. Der jährliche Bewässerungsbedarf der angeschlossenen Weinberge mit einer Gesamtfläche von 615 Hektar wird auf etwa 370 000 Kubikmeter geschätzt. Die veranschlagten Projektkosten belaufen sich auf rund 14 Mio €.

Oberschwarzach

Das Bewässerungskonzept der Weinbergflächen sieht die Rückhaltung und Speicherung von Starkniederschlägen sowie die Entnahme von Wasser aus den vorhandenen kleinen Bächen in abflussstarken Zeiten vor. Das Projektgebiet gliedert sich unter Berücksichtigung der topographischen Lage in drei eigenständige Teilgebiete. Im Teilraum A nördlich des Ortsteiles Breitbach soll der Wasserbedarf für 56 Hektar Weinbergfläche über die Entnahme von Wasser aus dem Breitbach und der Schwarzach bestmöglich sichergestellt werden. Die Speicherung des Wassers soll zum einen über einen naturnahen Speicherteich im Tal und ein technisches Speicherbecken an den Weinberglagen mit einem gesamten Speichervolumen von 38 500 Kubikmetern erfolgen. Im Teilraum B südlich des Ortsteils Handthal soll der Wasserbedarf für 44 Hektar Weinbergfläche über die Entnahme von Wasser aus dem Handthaler Bach und Überlaufwasser aus der Stollbergquelle gedeckt werden. Das Konzept sieht die dezentrale Speicherung über zwei Speicher- bzw. Rückhaltebecken sowie kleine Zwischenbecken mit einem maximalen Speichervolumen von 31 000 Kubikmeter vor. Im Teilraum C soll der Wasserbedarf für 28 Hektar Weinberge im Ortsteil Wiebelsberg durch die Rückhaltung und Speicherung von Niederschlagswasser gedeckt werden. Die Planung sieht die Herstellung von zwei Speicherbecken mit einem Gesamtvolumen von 21 500 Kubikmetern vor. Die veranschlagten Projektkosten für den Bau der Speicherbecken mit Bewässerungsinfrastruktur belaufen sich auf rund 23 Mio. €.