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Justiz

Maisfelder sabotiert: Neidischer Landwirt verurteilt

Anschlag auf Maishäcksler
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 19.05.2022 - 20:44

Der kuriose Prozess endet mit einem Schuldspruch. Doch das Urteil will der Verurteilte nicht akzeptieren. Sein Anwalt kündigt Berufung an.

Neustadt an der Aisch Die Angst der Landwirte in Mittelfranken war groß: Immer wieder kam es seit 2017 zu Sabotageaktionen, Schrauben und Nägel wurden absichtlich in den Feldern versteckt. Nun ist das Urteil im sogenannten Maishäcksler-Prozess gefallen. In dem kuriosen Prozess verurteilte die Richterin einen der Angeklagten, einen 63-jährigen Mann, zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung des Mannes hat bereits angekündigt, nach dem Urteil in Berufung gehen zu wollen.

Kurios war der Prozess schon gestartet: Der 63-jährige Angeklagte hatte mitteilen lassen, dass er schwerhörig sei. Deshalb könne er dem Prozess nicht folgen. Doch das nahm ihm wiederum das Gericht nicht ab. Er hätte sich am Tag zuvor problemlos mit dem Gutachter verständigen können. Der weitere Angeklagte, ein 68-Jähriger, erschien erst gar nicht vor Gericht. Er legte ein Attest vor. Das Verfahren wurde deshalb getrennt behandelt, wie ein Sprecher des Gerichts dem Wochenblatt mitteilte.

Ein perfides Vorgehen

Laut dem Gericht soll der 63-jährige Angeklagte unter anderem Metallteile im Feld versteckt haben. Die Vorfälle ereigneten sich im Landkreis Neustadt-Aisch/Bad Windsheim. Die Ermittlungen wurden sehr aufwendig geführt: Eine speziell gegründete Arbeitsgruppe „Mais“ wertete Beweismaterial aus und vernahm die Geschädigten zu den Vorfällen. Besonders perfide sei gewesen, wie es beim Prozess vom Gericht hieß, dass die versteckten Teile für die Landwirte nicht erkennbar waren. Auch die Verletzungsgefahr war immens: Die in den Feldern versteckten Metallteile konnten zu gefährlichen Geschossen werden. Maisanbauer und Mitglieder von Häckslergemeinschaften hatten in Mittelfranken eine Belohnung von 10 000 € für Hinweise ausgesetzt.

Besonders drastisch ist ein Fall, bei dem ein Metallteil in die laufende Maschine gelangte und die Hälfte eines Häckslermessers 20 m weit über den Häcksler und das folgende Gespann flog und kurz vor dem nächsten folgenden Schlepper auf den Boden fiel. Hätte dessen Fahrer etwas weniger Abstand gehalten, so schilderten es damals die beteiligten Landwirte, hätte es den Fahrer in seiner Kabine tödlich treffen können. 

DNA-Spuren gefunden

Die Richterin ging im Prozess davon aus, dass die beiden Brüder alle Taten gemeinsam geplant und durchgeführt haben. An allen Tatorten waren DNA-Spuren des 68-Jährigen gefunden worden, mit dem sich das Gericht noch befassen wird. Die Vorgehensweise sei laut dem Gericht bei allen vier Delikten identisch gewesen. Zudem habe der 63-Jährige die versuchte Sachbeschädigung gegenüber einem Zeugen zugegeben. Er habe sich bei ihm dafür entschuldigt, quasi „den Falschen erwischt“ zu haben. Dieses Hauptindiz hatte zu den beiden Verdächtigen geführt, die sich offenbar an ihren Berufskollegen dafür rächen wollten, das ihnen Flächen weggepachtet wurden.

Mit Panzertape hatten sie Nägel und andere Metallteile in Maisfeldern befestigt, die später die Erntemaschinen beschädigten. Bei einem Maishäcksler war der Schaden auf über 80 000€ beziffert worden. „Die Geschädigten müssen den Restschaden einklagen“, erklärte ein Sprecher des Amtsgericht im mittelfränkischen Neustadt/Aisch. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert.

Mit Material von Ludwiga Friedl