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Fleisch

Mäster plädieren für regionale Produkte

Fleckvieh
Gabi Bertram
am Dienstag, 28.01.2020 - 08:52

Stallgespräch auf dem Betrieb Fleischmann: Bauern wehren sich gegen das Mercosur-Handelsabkommen.

Das Stallgespräch des BBV-Kreisverbandes Coburg im Kälber- und Fresseraufzuchtbetrieb von Edith und Manfred Fleischmann in Weidhausen stand unter einer aktuellen Problematik. Die Bauern wehren sich gegen das geplante Mercosur-Handelsabkommen, plädieren nachdrücklich für regionale Produkte und fordern einen weltweit fairen Wettbewerb.

Seniorchef Manfred Fleischmann nennt seinen vor rund 40 Jahren gegründeten und auf Fresseraufzucht spezialisierten Betrieb einen „Kindergarten für Bullenkälber“. Hier lernen vier bis sechs Wochen alte männliche Kälber die Umstellung ihres Speiseplans von Milch auf Maissilage und eine sorgsam zusammengestellte Kraftfuttermischung.

Die kleinen Bullen kommen von Milchviehbetrieben aus der Region, maximal aus einem Umkreis von 40 km, und, sagt Manfred Fleischmann, haben keinen großen Transportstress. Vermarktet werden die Tiere nach dreieinhalb bis vier Monaten über die Erzeugergemeinschaft Franken ebenfalls nur innerhalb von Bayern.

Forschung hat versagt

Das Futter, erklärt Juniorchef Volker Fleischmann, wird zum großen Teil selbst erzeugt. Dazu werden 93 ha Ackerland und 7 ha Grünland bewirtschaftet. Zugekauft werden müssen Milchpulver, Raps und Sojaschrot. Und da liegt schon eines der Probleme der Landwirte auf der Hand. Der Rapsanbau in Deutschland ist um 40 Prozent zurückgegangen. Ohne Schädlingsbekämpfung, meint Vizekreisobmann Wolfgang Schultheiß, könnten Leguminosen wie Raps nicht mehr rentabel angebaut werden. Fazit: Die Landwirte reduzieren ihren Rapsanbau. „Da hat die Forschung bei den Sorten versagt“, moniert Kreisobmann Martin Flohrschütz.

Das Stallgespräch will den Bogen zur Grünen Woche spannen und hatte heuer kräftiges Demonstrationspotenzial. Es geht um das geplante Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, das einen schrittweisen Wegfall von 91 % der Zölle auf Waren beinhaltet. Unter anderem sieht das Abkommen ein zollreduziertes Kontingent von 99 000 t Rindfleisch aus Südamerika vor.

Doch, erklärt Kreisobmann Martin Flohrschütz, würde die dort gängige Praxis Landwirte hierzulande ins Gefängnis bringen und drückt es klar aus: „Man schert sich in diesen Ländern einen Dreck drum, wie viel Nitrat durch die Rinderproduktion oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ins Grundwasser kommt.“ Die Landwirte sehen in Mercosur eine deutliche Wettbewerbsverzerrung, fordern weltweit faire Bedingungen und plädieren für regionale Kreisläufe und Produkte. „Gegessen wird Zuhause“ heißt die Kampagne des Bayerischen Bauernverbandes.

Tiere sind das Kapital des Hofes

Fleckvieh

Rund 500 Tiere zählt der Aufzuchtbetrieb Fleischmann. Alle 14 Tage werden 50 bis 60 Bullenkälber gekauft, die in vollklimatisierten Ställen aufgezogen werden. Pro Jahr sind das um die 1300 Fresser, die wieder vermarktet werden. Dazu kommen 50 Bullenmastplätze. „Gesund müssen unsere Tiere sein“, sagt Manfred Fleischmann. Darauf werde großer Wert gelegt, weil die Tiere das Kapital des Hofes sind. Und: „Tierarztkosten sind hoch, mal abgesehen davon, dass es kaum noch Tierärzte in der Region gibt, die Großvieh behandeln.“

In ihre Gebäude haben die Fleischmanns bereits viel Geld investiert. Wohnhaus und Bullenstall wurden 1978 aus dem Ort ausgesiedelt, die Kälberaufzucht 1994. Tränkeautomaten wurden angeschafft, der Bullenstall teilumgebaut, eine Hackschnitzelheizung für den Kälberstall wurde gebaut, mit der Erweiterung des Kälberstalls wurden Wärmeaustauscher montiert. 2009 kam die zentrale Futtermischanlage dazu, 2012 ein Blockheizkraftwerk und 2017 die Maschinen- und Lagerhalle. Der Bullenstall, so Volker Fleischmann, sei noch das älteste Gebäude und sanierungsbedürftig. Um die 170 000 €, schätzt der Juniorchef, müssten bei all den Auflagen investiert werden. „Eine schwierige Entscheidung in Zeiten, wo die Vorzeichen für die Landwirtschaft nicht gut stehen.“

Aber die spezialisierte Jungstieraufzucht für Bullenkälber ist in Coburg, Oberfranken und Bayern auch rückläufig. Umso wichtiger, so Flohrschütz, sei es für die deutschen Landwirte, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, dem bäuerlichen Berufsstand die ihm zustehende Wertschätzung entgegenzubringen und dem Verbraucher klar zu machen, was regionale Kreisläufe und Lebensmittel bedeuten.