Umweltschutz

Lerchenlinien statt Lerchenfenster

Lerchenlinien
Silvia Eidel
am Dienstag, 11.05.2021 - 14:31

Ökolandwirt Udo Rumpel lässt für die Bodenbrüter regelmäßige freie Streifen im Getreideacker. Dem Ertrag tut das offensichtlich keinen Abbruch.

Schraudenbach/Lks. Schweinfurt Die Feldlerche, eigentlich ein Allerweltsvogel, steht inzwischen als gefährdete Art auf der Roten Liste. Seit den 1980er Jahren hat sich ihr Bestand in Deutschland halbiert. Die intensive Agrarlandschaft bietet dem Vogel zu wenig Lebensraum. Um dem Bodenbrüter, der lichte Felder zum Starten und Landen braucht, bessere Chancen zu geben, hat Biolandwirt Udo Rumpel auf seinen 11 ha Winterweizenäckern gleichmäßig breite Streifen ungesät gelassen – seine „Lerchenlinien“.

Dicht bewachsene Felder bieten keinen Landeplatz

In dicht bewachsenen Feldern kann die Feldlerche ihr Nest nicht anfliegen, sagt Harald Vorberg, Vorsitzender der Kreisgruppe Schweinfurt im Landesbund für Vogelschutz (LBV), bei einem Pressetermin vor Ort. Auf Rumpels Acker bei Schraudenbach in der Gemeinde Werneck sind Anfang April deutlich die freien Streifen zu sehen.

Einige niedrige Ackerwildkräuter, wie Vogelmiere oder Ehrenpreis, wachsen hier. Damit hat der Landwirt kein Problem, der seit über 30 Jahren ökologisch wirtschaftet. Er weiß, wie wichtig Kräuter für Insekten und Vögel sind und will nicht nur Blühstreifen am Feldrand.

Enge Zusammenarbeit mit LBV

Rumpel ist auch Naturland-Berater für den Landkreis Schweinfurt. Sein Anbauverband pflegt seit zwei Jahren in Bayern eine engere Zusammenarbeit mit dem LBV. Bei einer Schulung zum Thema Feldlerche wurden Möglichkeiten des Schutzes diskutiert.

Zwar gibt es schon länger sogenannte Lerchenfenster, bei denen der Bauer beim Säen ein 10 bis 20 m2 großes Stück freilässt, also die Sämaschine anhebt. Dort können die Vögel von oben her landen und dann seitwärts in das Getreide laufen, um dort ihr Nest zu bauen und die Jungen aufzuziehen. Rumpel findet es „problematisch beim Lerchenfenster, dass dort das Unkraut sprießen und sich verbreiten kann“.
Seine Idee war, den Lerchen auf dem ganzen Acker mehr Platz zum Starten und Landen zu bieten, indem er beim Säen alle 1,50 m den doppelten Abstand freilässt. „An der Sämaschine werden einfach die Schieber zugemacht“, erklärt er. „Das bedeutet keinen Mehraufwand.“
Ginge es nach dem LBV, sollte der Landwirt dort den Boden gar nicht striegeln. Aber weil das Unkraut entfernt und die Kruste nach dem Winter aufgebrochen werden soll, hat er einen Kompromiss gewählt: Sobald wie möglich nach dem Winter, heuer Anfang März, fährt Rumpel mit der Rollhacke übers Feld, Ende März das zweite Mal, immer schnell, mit 20 bis 25 km/h. Nur 2, 3 cm greift der Spatel in den Boden, das stellt für die Frucht kein Problem dar.

Anfang April erfolgt die letzte Fahrt, diesmal mit dem Striegel. Bis zur Ernte wird nichts mehr unternommen, bis zu drei Lerchengelege können in Ruhe ausgebrütet werden.

Keine Ertragsverluste durch die Lerchenlinien

Rumpels Berufskollege Stefan Veeh, ebenfalls Naturland-Berater, zitiert wissenschaftliche Untersuchungen, wonach bei bis zu 30 cm Abstand keine Ertragsverluste zu verzeichnen sind, „weil die Pflanzen nebenan mehr Platz haben und das kompensieren“. Für ihn und Rumpel bedeuten die Lerchenlinien „eine Weiterentwicklung unseres Anbausystems“.

Die neue Idee unterstützt auch LBV-Kreisvorsitzender Vorberg, kommt sie doch auch den anderen Bodenbrütern, wie Rebhuhn, Kiebitz, Goldammer oder Bluthänfling zugute.