Betriebsmodell

Landwirtschaft zeigt beeindruckende Vielfalt

IMG_0514 Revierleiterin Rita Satzger hat viele Fragen zu beantworten
Franz Galster
am Donnerstag, 26.11.2020 - 09:40

Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz besucht Landwirte im Landkreis Forchheim und sieht eine Palette an verschiedenen Betriebsentwürfen.

Beeindruckt von der großen Vielfalt der Landwirtschaft im Landkreis Forchheim zeigte sich die Regierungspräsidentin von Oberfranken Heidrun Piwernetz. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr einen Landkreis des Bezirks zu besuchen. Konrad Schrottenloher, Dr. Markus Heckmann und Michael Kreppel vom AELF Bamberg zeigten die „Land- und Forstwirtschaft im Spiegel der Gesellschaft“ anhand von drei unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betriebe und dem Stadtwald von Ebermannstadt.

„Biodiversität, Gewässerschutz und Tierwohl sind zunehmende Anforderungen an die kleinstrukturierte Landwirtschaft, verstärkt durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, sagte Piwernetz. Die Landschaft rund um Forchheim sei geprägt von kleinen Flächen und großer ökologischer Vielfalt. Die Regierung möchte dazu beitragen, dass Naturschutz und Landwirtschaft im Dialog bleiben. Corona zeige einmal mehr, wie wichtig hochwertige Nahrung vor Ort ist.

Schrottenloher ging auf die Biodiversität und die klein strukturierte Landschaft ein. Beträgt die durchschnittliche Hofgröße im Bund 62 ha und in Bayern 36 ha, so sind es in Franken im Durchschnitt unter 18 ha. Das führe dazu, dass im Landkreis Forchheim 85 % im Nebenerwerb arbeiten gegenüber 62 % in Bayern.

Den Landkreis prägen die Sonderkulturen

Prägend sind auch die Sonderkulturen wie das Streuobst mit Brennereien, Baumschulen, Spargelanbau und vielen anderen Bereichen. Das europaweit dichteste Kirschenanbaugebiet liegt in der Fränkischen Schweiz. Die Direktvermarktung gewinne gerade in der Coronazeit immer mehr an Gewicht.

Hans-Rüdiger Schmittnägel, Direktor des AELF Bamberg, begrüßte die Exkursionsteilnehmer, darunter MdL Michael Hofmann und BBV-Bezirkspräsidenten Hermann Greif am Biohof Stähr in Unterstürmig, Gemeinde Eggolsheim. Roland Stähr berichtete über seine Landwirtschaft mit Ziegen und Hofmolkerei.

Molkerei und Käserei für die Ziegenmilch

Der Betriebsleiter bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Ehefra, dem Hofnachfolger und einer Fremdarbeitskraft rund 90 ha landwirtschaftliche Fläche. 2007 schaffte man die Milchkühe ab und baute den Milchviehlaufstall für 110 Milchziegen der Rasse Deutsche Edelziegen um. 2010 stellte man auf Bio um. In der eigenen Molkerei und Käserei wird die anfallende Ziegenmilch, aber auch zugekaufte Kuhmilch verarbeitet. Ziegenmilch wird vorwiegend über Privatkunden, Einzel- und Großhandel vermarktet.
Stähr sprach auch die Pachtpreisproblematik an. MdL Michael Hofmann verwies darauf, dass eben auch die Biogasbetreiber zu wenig Fläche haben und weitere Verluste wie Bauland eine Rolle spielten.
Klassisch konventionell präsentierte sich der Haupterwerbsbetrieb mit Milchviehhaltung von Markus Galster in Gosberg, Gemeinde Pinzberg. Die landwirtschaftliche Fläche beträgt 180 ha. Ohne Flurbereinigung sind die Felder extrem klein bei einem Schnitt von etwa zwei ha. Der 1994 gebaute Stall ist für 75 Milchkühe und Nachzucht ausgerichtet. Markus Galster mit seiner Frau Christine und in Teilzeit der Hofnachfolger Dominik bewirtschaften das Anwesen im Ortskern, dazu eine Fremdarbeitskraft.

Die Milchtankstelle wird gut angenommen

Gut entwickelt hat sich die Milchtankstelle an der stark befahrenen Staatsdurchgangsstraße. Bis zu 120 l Milch können hier am Tag verkauft werden. Die Coronakrise befeuert das Geschäft zusätzlich. Mittlerweile haben sich weitere Lieferanten mit dem Angebot von Fleisch und Eiern eingebracht.
Eine Besonderheit ist die seit alters her rund um Gosberg beheimatete Wiesenbewässerung. „Vom 1. Mai bis 15. September werden 100 ha Wiesengrund nach Bedarf bewässert“, erklärt Markus Galster, der als „Baumeister“ für die Koordination der Bewässerung zuständig ist.
Generell handelt es sich um hochwertige Böden im Wasserschutzgebiet der Stadt Forchheim, das von 100 ha auf 500 ha erweitert wurde. Der Gemüseanbau, so Galster, ist fast komplett verschwunden, da auch die nötigen Verarbeitungsbetriebe nicht mehr da sind.

Interesse für die Zwischenfruchtdemo

Viel Interesse fand bei den Besuchern die Versuchsanlage Zwischenfruchtanbau. Als Demonstrationsbetrieb „Gewässerschutz“ für den Landkreis Forchheim zeigte Dominik Galster zusammen mit der Gewässerschutzbeauftragten des AELF, Cornelia Müller, sinnvolle Möglichkeiten zur boden- und gewässerschonenden Bewirtschaftung. In der Zwischenfruchtdemoanlage finden sich Mischungen verschiedener Saatgutfirmen wie Ölrettich, Buchweizen, Kresse, Ramtilkraut, Alexandrinerklee. Als erfolgreiches Event hat sich das Maislabyrinth etabliert, das die Familie jährlich neu gestaltet.

Hofbrennerei und die Tochter ist Sommelière

Einen ganz anderen Weg hat der Betrieb Rosita und Ludwig Erlwein in Hundsboden eingeschlagen. Nachdem 2002 aus gesundheitlichen Gründen die Kühe vom Aussiedlerhof weichen mussten, entschied man sich für Direktvermarktung und Ferienwohnungen. Aus dem Kuhstall wurde eine Probierstube für die eigenen hochwertigen Brennereiprodukte. 2015 stieg auch Tochter Susanne in den Betrieb ein. Sie bringt mit einer Ausbildung als Hotelfachfrau, Brennerin und Sommelière beste Voraussetzungen mit. Auf Anmeldung werden Gruppen ab 10 Personen verköstigt.
Das Obst für „Preuschens Edelbrände“ und den Apfelsekt Charlemagner kommt von den 1,3 ha Streuobstwiesen. Der Rest der landwirtschaftlichen Flächen ist verpachtet. Zusätzlich bietet der Betrieb Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile an. Bei den Ferienwohnungen verzeichnet man 2020 einen massiven Einbruch an Vermietungen auf Grund der Coronakrise.
Zum Abschluss wurde der Ebermannstadter Stadtwald besucht. Die Führung übernahm Revierleiterin Rita Satzger. Der Wald mit diversen Schutzfunktionen umfasst eine Fläche von 436 ha mit 17% Buche, 13 % Eiche, 20 % Edellaubholz und 15 % sonstigem Laubholz. Personal und Kosten seien das große Problem angesichts des hohen Aufwands beim Klimawandel. Die Aufarbeitung der Schadhölzer sei nicht mehr kostendeckend. Der Stadtwald liegt zu etwa 55 % im Natura 2000-Gebiet „Wiesenttal mit Seitentälern“.