Auszeichnung

Landwirtschaft kann Biodiversität

Boden:ständig
Ludwiga Friedl
am Dienstag, 21.01.2020 - 08:54

Boden:ständig-Preis für 43 Bauern im Landkreis Rhön-Grabfeld

Großbardorf/Lks. Rhön-Grabfeld - Landwirtschaft kann Biodiversität. Kreisbäuerin Margit Ziegler und BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel haben stellvertretend für 43 Landwirte den Boden:ständig-Preis 2019 entgegengenommen. Bei einer gemeinsamen Feier wurde die laut Klöffel „beispiellose Gemeinschaftsaufgabe“ der Öffentlichkeit präsentiert. „Es geht nun darum, die Erfolgsstory nach außen zu tragen“, sagte auch Agrokraft-Geschäftsführer Michael Diestel.

Die Biogas-Blühfelder im Landkreis Rhön-Grabfeld gibt es nicht erst seit dem Volksbegehren. Schon zwei Jahre vorher haben sich die Praktiker überlegt, was sie für Artenschutz und -vielfalt tun können. Auf über 90 ha bauen sie Blühflächen an, die wissenschaftlich begleitet werden. Wie Michaela Stäblein von der Agrokraft erklärte, wird der Aufwuchs an fünf regionale Biogasanlagen geliefert. Der Ertrag mit im Mittel 10,1 t/ha sei deutlich hinter dem kalkulierten Durchschnittsertrag von 17,8 t/ha zurückgeblieben - und hinter den Erträgen von Mais und Ganzpflanzensilage. Trotzdem steht der Erweiterungsantrag für die Vernetzung mit dem Grünen Band und zwei Versuche, nämlich eine Spätwinter-Aussaat im Januar/Februar für fünf ha und eine Spätsommer-Aussaat im Juni-Juli für 15 ha.
 

124 Wildbienenarten gefangen

Die Bauern im Landkreis hätten eine andere Grundhaltung, erklärte Diestel. Sie hätten festgestellt, dass der Kunde/Verbraucher Artenvielfalt wünscht. Also habe man sich gefragt „was können wir beitragen? Wächst das bei uns? Bringt es was für die Biodiversität?“ Den größten Versuch seiner Art hat der Bund Naturschutz in Bayern (BN) nicht nur mit Mitteln aus der Glücksspirale, sondern auch mit Untersuchungen begleitet. Dr. Klaus Mandery vom Institut für Biodiversitätsinformation e.V. in Ebern (IjBI) und Ornithologe Karl Schwarz haben die Artenvielfalt auf den Flächen kartiert.

So sammelten Mandery und seine Mitarbeiter in Gelbschalen über 7000 Wildbienen gefangen und bestimmt. 124 Wildbienenarten und zwei Rote Liste-Arten habe er dabei gefunden - und viele neue Fragen seien dabei aufgetaucht. Seine spannende Geschichten fesselten die Landwirte.„Sie alle leisten wertvolle Arbeit“, sagte er und dankte den Landwirten, die Agrarlandschaften erhalten.

Bauern sollen nicht auf Roter Liste landen

BN-Vorsitzender Richard Mergner stellte den BN vor, der rund 250 000 Mitglieder und Förderer in 76 Kreisgruppen hat. „Artenschutz braucht Landwirtschaft, nicht dass Vögel und Bauern auf der Roten Listen landen“, sagte er. Er stellte verschiedene BN-Projekte  vor und warnte vor einem Ausverkauf des Bauernlandes an Investoren wie die Aldi-Stiftung, die in Thüringen bereits Land aufkaufe.

Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler lobte die tollen Projekte, die jedoch nur Nischen für wenige seien. „Klimaneutral muss messbar und belastbar sein“, sagte er auch, hier könne ein Geschäftsfeld für die Landwirtschaft liegen. Problematisch sei jedoch, dass Umwelt -und Landwirtschaftsministerium nicht zusammenarbeiten und fair miteinander umgehen. Köhler stellte fest: „Bauern können Artenschutz und Artenvielfalt. Bauern produzieren Lebensräume“. Für das Blühflächenprojekt forderte er 500 €/ha, denn es sei ein Vielfaches wert.