Kreisversammlung

Landwirtschaft befindet sich im Umbruch

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Franz Galster
am Montag, 12.04.2021 - 07:55

Bei der gemeinsamen Kreisversammlung von BBV Bamberg und Forchheim war die EU-Agrarpolitik das bestimmende Thema.

Die Landwirtschaft befindet sich in einem großen bürokratischen Umbruch. Das machte Hermann Greif, BBV-Bezirkspräsident von Oberfranken und Kreisobmann von Forchheim bei der digitalen Kreisversammlung der BBV-Kreisverbände Bamberg und Forchheim. deutlich. 70 Teilnehmer begrüßte Greif zur Versammlung. „Essen musst Du jeden Tag“, unterstrich er mit einem Zitat von Landesbäuerin Anneliese Göller die systemrelevante Bedeutung der Landwirtschaft.

Doch die Situation ist alles andere als einfach, wie Greif verdeutlichte: Die Schweinepest ist angekommen, die Schweinemärkte zusammengebrochen. Insektenschutz und Düngemittelverordnung bleiben heiß diskutierte Themen. In Stichworten erwähnte er die Roten Gebiete, die Gewässerabstände und die neuen Gelben Gebiete, alles verbunden mit viel Bürokratie. Ein positiver Aspekt: Die Getreidepreise erholen sich.

Solide Finanzbasis für die EU-Agrarpolitik

Ökologie, Ökonomie, Bürokratie – das waren die Punkte, an denen Matthias Borst, stellvertretender Generalsekretär des BBV, München, mit einem umfangreichen Referat unter der Überschrift „Ökologische Leistungen brauchen eine ökonomische Basis“ ansetzte. „Was zeichnet sich für die Bauern ab“, fragte er mit einem Ausblick der EU-Agrarpolitik bis 2027. Für den GAP-Zeitplan von 2020 bis 2027 sieht er eine solide Finanzbasis mit durchschnittlich 4,9 Mrd. €/Jahr Direktzahlungen und durchschnittlich 1,2 Mrd.€/Jahr EU-Mittel für die 2. Säule. Insgesamt vermittelte er einen Gesamtüberblick, was bis 2027 von der EU zu erwarten ist.

„Ein starke heimische Landwirtschaft ist die beste Schonung des Regenwaldes“, warf Landwirt Josef Taschner als Zuhörer ein. Jede Extensivierung in Drittländern zerstöre die Natur. Deutschland ist nach seinen Worten der drittgrößte Nahrungsmittelimporteur weltweit. Greif beklagte, dass Politik zu stark vom Wählerwillen geleitet werde. Wölfe, Biber oder Wildschweine brächten harte Probleme. Die Städter seien von solchen Problemen weit weg.

Schüler lernen den Alltag – von den Bäuerinnen

Landesbäuerin Anneliese Göller gab einen Einblick in die Arbeit der BBV-Landfrauen. Sie unterstrich die Wichtigkeit der Alltagskompetenzen, die Landfrauen seit 2012 für die allgemeinbildenden Schulen fordern. Seit 2014 sind sie verpflichtender Unterrichtsgegenstand. Das bayerische Volksbegehren 2019 habe große Wissensdefizite im Bereich Landwirtschaft aufgedeckt.
Im Januar 2020 habe das bayerische Kabinett die Einführung des Konzeptes „Schule fürs Leben“ beschlossen. Es betrifft 5200 Grundschulklassen sowie 5000 Klassen weiterer Schultypen mit praktischem Mitwirken aus Landwirtschaft, Ernährung und Natur. Über 1000 gelistete Betriebe und Fachexperten der Land- und Hauswirtschaft stehen für den Einsatz bei den Projektwochen „Schule fürs Leben“ bereit. Göller warb darum, das Thema von landwirtschaftlicher Seite noch mehr anzusprechen.
BBV-Geschäftsführer Werner Nützel berichtete über Aktuelles aus den Bereichen Forchheim und Bamberg. Demnach zählt der BBV Bamberg stabile 3349, der BBV Forchheim 2806 Mitglieder. Unter den diversen politischen Veranstaltung schreckten die Bauern die Biokartierung und die Auswirkungen und die Auswirkungen zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ auf.
Nützel mahnte den Rücklauf von Fragebögen zu den nahenden Verbandswahlen an. Die BBV-Wahlzeiträume finden auf Ortsebene vom 1. 10. – 31. 12. 2021 statt, auf Kreisebene vom 1. 1. – 28. 2. 2022, auf Bezirksebene vom 1. 3. – 8. 4. 2022 und auf Landesebene vom 11. 4. – 31. 5. 2022. Generell verwiesen die Redner wiederholt auf die nützliche Homepage des BBV mit ihren aktuellen Themen als Hilfestellung.
Auch Kreisbäuerin Rosi Kraus begrüßte die Veranstaltung der Kreisverbände Bamberg und Forchheim. Zugeschaltet hatten sich auch die MdLs Melanie Hummel (CSU) und Sebastian Körber (FDP) sowie die Landräte Dr. Hermann Ulm, Forchheim, und Johann Kalb, Bamberg. Der Bamberger Kreisobmann Edgar Böhmer dankte Referenten und Mitgliedern für die Zusammenarbeit. „Sie alle tun mehr, als es nach außen sichtbar ist“, meinte er zum Abschluss. Auch künftig gelte es, dicke Bretter zu bohren.