Felsfreilegung

Landschaftspflege: Vierbeinige Mäharbeiter

Altarstein-Landschaftspflege
Franz Galster
am Dienstag, 17.11.2020 - 08:04

Burenziegen legen Felsen in Steilhängen frei.

Burenziegen am Altarstein

Großes Interesse fand das Projekt Felsfreilegung bei Obertrubach in der Fränkischen Schweiz. Die Gegend ist geprägt von steilen Hängen und attraktiven Felsen, die über die Jahre zuwachsen und immer wieder vom Gehölzbewuchs freigelegt werden müssen. Besonders wirkungsvoll erwies sich dieses Jahr der erstmalige Einsatz von 15 Burenziegen des Schäfers Georg Distler aus Egloffstein.

Am Altarstein, wie die beeindruckende Felskulisse am Ortsausgang genannt wird, haben die Ziegen fünf Wochen lang ganze Arbeit geleistet. Ihre Geländegängigkeit prädestiniert sie für die Landschaftspflege, um die Verbuschung in extensiv genutzten Weidelandschaften in den Griff zu bekommen. Als typischer Laubfresser ist eine Ziege in der Lage, Sträucher bis in eine Höhe von 1,80 m zu verbeißen oder nach einer Rodung den Wiederaufwuchs zu schwenden.

Federführend war der Landschaftspflegeverband Forchheim (LPV) unter Leitung von Geschäftsführer Andreas Niedling, der für die Maßnahme mit der Waldgenossenschaft und der Gemeinde Obertrubach zusammenarbeitete.

25 Jahre lang mit Motorsense und -säge

„Dies ist unsere Heimat und so ziehen wir mit unseren Bürgern an einem Strang“, sagte Bürgermeister Markus Grüner in seinem Grußwort. Hier zähle nicht der wirtschaftliche Faktor, sondern Kultur- und Landschaftspflege, damit sich jeder wohlfühlen kann. Landrat Dr. Hermann Ulm bezeichnet Obertrubach als Vorzeigegemeinde im Kreis Forchheim, wo alle an einem Strang ziehen.
Beeindruckt von den Leistungen der Gemeinde und der faszinierenden Landschaft war Forchheims LPV-Vorsitzender Claus Schwarzmann. Auch Gemeinderat, Jagdpächter und Kreisjagdberater Erich Fiedler unterstützt die Maßnahme.
„Der Altarstein ist ein besonderes Juwel. Er wurde bereits 1986 als wertvolles Biotop mit seinem Magerrasen kartiert“, unterstrich Michael Urbanczyk von der Unteren Naturschutzbehörde Forchheim. Man habe die letzten 25 Jahre immer versucht, mit Motorsense und Motorsäge den Fels als Sonderstandort freizuhalten. Das sei zwar dank einer sehr aktiven Waldgenossenschaft gelungen. Man sei aber froh, dass es mit dem langgehegten Wunsch nach einer Beweidung nun geklappt hat.

In den steilen Hängen teils nur mit Seilsicherung

Die Vorarbeiten führte die Waldgenossenschaft mit Thilo Dressel und seinem Team durch. Die Hänge hier sind so steil und gefährlich, dass teilweise mit Seilsicherung gearbeitet werden muss. Im letzten Winter wurden bereits die Hänge an der nahen Schlöttermühle entbuscht. Auch beim Entbuschen der „Alten Küche“ oder der Burgruine bei Wolfsberg sind wieder helfende Hände der Einwohner gefragt.
Es wird auf alte Bilder der Fränkischen Schweiz verwiesen, wo vor 100 Jahren und mehr die Felsen und Hänge nicht verbuscht waren und regelmäßig beweidet wurden.

Auch die Schäferei unterleigt starkem Strukturwandel

Näher auf die Schäferei ging Siegfried Weid von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung in Bayreuth ein. Demnach reduzierte sich die Zahl der Schäfer in Bayern allein zwischen 1994 und 2017 von 8500 auf etwa 6000. Die Zahl der Mutterschafe ging von rund 260 000 auf 200 000 zurück. 50 % haben ein bis neun Schafe, sind quasi Hobbyhalter. In Oberfranken gibt es noch zehn große Schafhalter, davon vier Hüteschäfer in der Fränkischen Schweiz. Im Gegensatz zu früher sind heimische Schafwolle und -fleisch kaum noch gefragt. „Jeder Verbraucher sollte sich der heimischen Produkte bewusst sein und die Juralamm-Gaststätten unterstützen“, warb Weid.

Einen Einblick in seine Welt gab Schäfer Distler, der neben den Juraziegen 500 Schafe hält und 100 ha bewirtschaftet. 500 €/ha gibt es vom Staat für das Beweiden mit Ziegen, oft in schwierigem Gelände für Naturschutzbeweidung, 420 € für Schafe mit Ziegen zusammen und 310 ha für die Beweidung mit Schafen.
„2000 Arbeitsstunden im Jahr sind die Regel, weit mehr als für normale Arbeiter“, sagt Distler. „Elektrozäune schaffen eine gewisse Erleichterung, trotzdem musst du immer da sein.“
Alle diese Maßnahmen sind in erster Linie Naturschutzmaßnahmen, wie Niedling herausstellte. Seltene Pflanzen und Tiere der Felslebensräume wie Felsenblümchen, Küchenschelle, Hauswurz, Wanderfalken und Uhu werden so gefördert. Die Maßnahme am Altarstein kostete 12 000 €. 80 Prozent decken staatliche Zuschüsse, die restlichen 20 % teilen sich der LPV und die Gemeinde redlich.
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