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Leben auf dem Land

Landfrauen: Stark und leistungsfähig

Landfrauentag-Erlangen-Höchstadt_LF
Franz Galster
am Montag, 02.03.2020 - 13:43

Viel Lob vom BR-Frankenstudiochef gab es für die Landfrauen.

Großenseebach/Lks. Erlangen-Höchstadt - Nicht einfach wollte es der Hauptreferent des Landfrauentages des BBV-Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt, Tassilo Forchheimer, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern machen. Der Referent ist Leiter des Bayerischen Rundfunks, Studio Franken. Außerdem begrüßte Kreisbäuerin Evi Derrer zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, unter ihnen unter anderen Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer, Kreisobmann Robert Ort, Landrat Alexander Tritthardt und MdL Walter Nussel.

„Momentan ist es nicht einfach in der Landwirtschaft, es geht um die Existenz der Bauern“, machte Derrer eingangs klar. Das sei in einer Zeit, wo Lebensmittel zur Ramschware werden. Mehr Wertschätzung und faire Preise forderte die Kreisbäuerin einleitend. Die Landwirtschaft werde nur noch für billiges Land und Landschaftspflege gebraucht. Gleich eingangs bereitete Forchheimer die Zuhörer darauf vor, dass seine Ausführungen durchaus kontrovers aufgenommen werden können.

Starke Leistung

„Die Landfrauen sind stark und leisten einen hohen Beitrag im gesellschaftlichen Leben“, stellte Forchheimer eingangs seiner Ausführungen heraus. Gleichzeitig verwies er auf die sinkende Zahl der Landwirte. Sie hat sich seit Mitte der 90er Jahre um die Hälfte reduziert. Bayern habe seit 2010 etwa 14.000 Betriebe verloren, mehr als jedes andere Bundesland.

Die Frustration sei allerorts spürbar. Doch dann verwies er auf Erich Geiersberger, der bereits 1958 den ersten Maschinenring gegründet habe. Bereits damals habe es Strukturwandel gegeben, gegen den man sich damit wappnen, sich stark machen wollte. „Bayern ohne Bauern wäre nicht mehr Bayern“, sagt Forchheimer, das wisse man auch beim Bayerischen Rundfunk.

Bauer sucht Frau ist unwürdig

Die Selbstmordrate von Landwirten sei in Frankreich und der Schweiz besonders hoch. Forchheimer geißelte Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ als unwürdig. Erfreulich findet er es, dass die Landfrauensendungen des BR immer noch große Resonanz finden.

Gleichzeitig betonte er, der Strukturwandel habe viele Bereiche ergriffen. So gebe es ein dramatisches Zeitungssterben. Einzelhandel, Bäcker und Metzger, alle kleineren Betriebe tun sich schwer. Andererseits schätzten die Kunden die hohe Lebensmittelqualität, gesunde Lebensmittel seien hoch im Kurs. Landwirt sei ein Traumjob; dabei gebe es immer größere Ställe wie Fabrikhallen mit immer größerer Effizienz.

Dem Preisverfall steht Überproduktion gegenüber. Skandale wie im Allgäu auf einem Betrieb mit 1800 Milchkühen machen Schlagzeilen, stellen den ganzen Bauernstand an den Pranger. Wie gehen die Bauern damit um, fragt er und gibt die Antwort. Größtmögliche Transparenz zeigen um glaubwürdig zu sein, es sei wichtig sich auf die richtige Seite zu stellen, sich von den schwarzen Schafen zu distanzieren. 

Distanz zwischen Stadt und Land

Die Distanz zwischen Stadt und Land werde größer. Es reicht nach Forchheimer nicht, große Werbeplakate auf der Grünen Woche zu zeigen. Bilder über soziale Medien ist ein wirksamer Weg. Austausch sei wichtig, der Gesprächsfaden darf nicht abreißen. „In dem Maße, wie Sie sich nicht verstanden fühlen haben die anderen Sie nicht verstanden“.

Gleichzeit warnt er vor einer zerstrittenen Bauernschaft. Forchheimer empfiehlt kleine Schritte. Kinder sollten landwirtschaftliche Qualität kennenlernen, Bauern müssen sich noch mehr als Dienstleister verstehen. Er sieht Tierwohl als Chance für höhere Preise. 2018 wurde noch auf 11 % der Fläche Glyphosat eingesetzt. Das sei der Bevölkerung nicht vermittelbar. Da man ohnehin das Verbot erwarten kann, fordert er ein schnelleres Umdenken. „Erzählen Sie gute Geschichten von der Landwirtschaft, der BR unterstützt Sie mit einer Brücke zwischen Stadt und Land“, empfiehlt er.

Spagat zwischen Erzeuger und Verbraucher

Forchheimer versuchte beiden Seiten, Erzeugern und Verbrauchern irgendwie gerecht zu werden, ein schwieriger Spagat. Kreisbäuerin Derrer und ihre Stellvertreterin Brigitte Groß überreichten dem Referenten aus Oberbayern delikate lokale Produkte zum Dank.

Eine geplante Modenschau wurde ganz kurzfristig abgesagt. Das Geschäft wird überraschend geschlossen, auch ein aktuelles Opfer des Strukturwandels. BBV-Kreisbäuerin Evi Derr moderierte gegen Ende ein Grußwort mit Bürgermeister Bernhard Seeberger, Landrat Alexander Tritthard, MdL Walter Nussel, Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens aus Erlangen, Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer und Kreisobmann Robert Ort. Aktuelle Themen wie Flächenfraß, Nachhaltigkeit oder CO2 Steuer kamen zur Sprache. Die traditionelle Spende des Nachmittags ergab 736 € und kommt der Aktion Sternstunden zugute. Der BBV-Landfrauenchor Erlangen-Höchstadt/Aisch umrahmte die Veranstaltung musikalisch.