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Gesellschaftsvertrag

Landfrauen fordern Wertschätzung

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Pirko Nieting
am Dienstag, 07.04.2020 - 10:09

Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm spricht beim Hofer Landfrauentag.

Köditz/Lks. Hof - Beim diesjährigen Landfrauentag in Köditz ging es um die Gestaltung der Region. Festrednerin Barbara Stamm setzte dabei auf Stärkung der Kommunalpolitik und Wertschätzung des Ehrenamtes.

Verbraucher können stolz auf Landwirte sein

Die Verbraucher sollten stolz auf ihre Landwirte sein, das forderte Kreisbäuerin Karin Wolfrum bei der Eröffnung des Landfrauentags in der Köditzer Göstrahalle. „Landwirt, das ist nicht nur Beruf, sondern Berufung und viel zu wertvoll, um für jeden Mist dieser Welt zuständig zu sein“, sagte sie.

Dieser Meinung schloss sich auch Landrat Oliver Bär in seinem Grußwort an und mahnte dazu, über die Bedeutung der Landwirtschaft positiv zu reden. Wenn es der Landwirtschaft gut gehe, gehe es der ganzen Region gut. Er sehe hier bei den vielen großen Debatten der letzten Monate bereits eine positive Veränderung in der Wahrnehmung, so der Eindruck des Landrats.
Mit viel Leidenschaft nahm auch Barbara Stamm, die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtages, das Jahresthema 2020 der Landfrauen „Region gestalten“ auf. Bei ihren zahlreichen Reden auf Landfrauentagen in Bayern habe sie eine gewisse Resignation bei den Bäuerinnen festgestellt. „Ob Klimaschutz, Artenschutz, Düngeverordnung oder Bürokratie, es gibt eine Arroganz der Leute, alles besser zu wissen. Wir müssen Haltung zeigen und uns diesen Menschen stellen“, appellierte Stamm. Region gestalten heiße für sie, die Herausforderungen der Globalisierung annehmen, global denken, aber lokal handeln. Das positive an der Globalisierung sei auch, dass wieder eine Sehnsucht nach Heimat und Überschaubarkeit entstünde. Die 75-Jährige fordert ein gemeinsames Handeln und einen rechtzeitigen Dialog. Beim Volksbegehren Artenschutz sei dies nicht gelungen, habe es doch erst nach dem Begehren einen runden Tisch gegeben. Der Dialog hätte hier viel früher stattfinden müssen.

Ehrenamtliche Arbeit wichtig

Auch die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit – und Landfrauenarbeit sei viel ehrenamtliche Arbeit – hebt Stamm hervor, um eine Region zu gestalten. Dabei nimmt sie auch die Kommunalpolitik in die Pflicht. „Jeder Bürgermeister, Land- oder Gemeinderat kann noch so gut sein. Wenn es dieses ehrenamtliche Engagement nicht gäbe, dann könnten wir einpacken“, sagte Stamm und fordert mehr Wertschätzung für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Viel Applaus erntete Stamm für ihren Standpunkt zur Initiative Alltagskompetenz in Schulen, die durch Landfrauen angestoßen wurde. „Aber eigentlich brauchen wir kein neues Lehrfach oder Projekt, das Lernen von Alltagskompetenzen muss sich durch das ganze Schulleben durchziehen“, fordert sie. „Unsere Kinder müssen auch noch blättern und nicht nur wischen können.“

Mehr zum Wir kommen

Insgesamt sollte man wieder mehr vom Ich zum Wir kommen, so Stamm weiter. Region gestalten heiße, dem Thema vor allem mehr Zeit und mehr Dialog zu schenken und dies ginge nur unter Einbindung der Menschen aller Generationen.

Den Festtag begleitete der Landfrauenchor Hof unter Leitung von Helmut Lottes musikalisch. Geehrt wurden auch die Gewinner des Fotowettbewerbs „Hofer Land(wirtschaft) – vielfältig und bunt“. Neben Vertretern des BBV Hof-Wunsiedel und der regionalen Wirtschaft nahmen viele Bürgermeister des Landkreises, Hofs Oberbürgermeister Harald Fichtner, Dekan Günter Saalfrank am Landfrauentag teil.