Bauland

Landfraß - unersättlicher Flächenhunger

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Fritz Arnold
am Montag, 01.10.2018 - 12:48

Die Bürgerinitiative HeimatERhalten wendet sich mit einem Fest gegen Baupläne der Stadt Erlangen.

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Mit einem „Ackerfest“ deutlich zu Wort melden will sich am Sonntag, 30. September, die überparteiliche Bürgerinitiative „HeimatERhalten“ gegen die Pläne der Stadt Erlangen. Auf fast 200 ha bestem Ackerland soll ein neuer Stadtteil für die Ansiedlung von rund 10 000 Bürgern entstehen. Dagegen hatten schon im Mai rund 300 Bewohner des Umlandes und Landwirte mit über 100 Schleppern auf dem Rathausplatz demonstriert.

Das überparteiliche Bürgerbündnis für den Erhalt der Natur, der regionalen Landwirtschaft und Lebensqualität im Erlanger Stadtwesten wendet sich gegen die von der Stadt eingeleiteten vorbereitenden Untersuchungen einer geplanten „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (WEST III). Das in die Wege geleitete „SEM WEST III“ würde zwischen den Stadtteilen Büchenbach, Häusling, Steudach, Frauenaurach und Kosbach eine fast 200 ha große Fläche versiegeln.
In diesen Flächen befinden sich unter anderem Landschaftsschutzgebiete, Lebensraum für viele Tiere, und bestes Ackerland, von dem Erlanger Landwirte die Region mit heimischen Produkten versorgen. Die geplante SEM würde das Aus für viele landwirtschaftliche Betriebe und die Zerstörung der Natur und des Naherholungsgebietes im Erlanger Westen bedeuten, teilt die Bürgerinitiative mit. Dies stehe ihrer Ansicht nach ganz im Widerspruch zum allgemeinen politischen Trend, der die Notwendigkeit erkannt habe, dass der Flächenfraß reduziert werden müsse. Schließlich fordere auch das Landesentwicklungsprogramm eine gleichwertige Entwicklung im Land. Auch eine Agrarleitplanung sei vor Jahren mit viel Aufwand geschaffen worden, um beste Ackerböden für die Nahrungsproduktion zu erhalten.

Wehret den Anfängen

Für Birgit Rudelt als eine der Sprecherinnen von HeimatERhalten gibt es darüber hinaus weitere Gründe, die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme abzuwehren. Denn dieses Instrument könnte Nachahmer finden. Es würde Kommunen die Möglichkeit bieten, Ackerfläche zu günstigen Preisen erwerben und auch enteignen zu können.
An vorderster Front in der Bürgerinitiative engagieren sich auch der Biolandwirt Stefan Weller aus Büchenbach, der BBV-Ortsobmann Jürgen Kern aus Steudach, Landwirt Georg Winkelmann sowie der Biobauer und stellvertretende Ortsobmann Christian Mayer aus Büchenbach.
Für die Öffentlichkeitsarbeit in der Bürgerinitiative HeimatERhalten zuständig ist Josef Mayer als betroffener Grundbesitzer, der seine verpachteten Flächen weiterhin der (Bio-) Landwirtschaft zur Verfügung stellen möchte. Er bedauert, dass die Mehrheit der Erlanger Stadtregierungskoalition aus SPD, FDP und Grünen die Fragestellung für das am 14. Oktober stattfindende und von der ÖDP beantragte Ratsbegehren umformulierte und es somit eher zu einer Zustimmung kommen könnte. Schon bei der Demonstration im Mai waren eine Reihe von Argumenten gegen die SEM formuliert worden, die nun in den Stellungnahmen noch einmal konkreter gefasst wurden.

Wo bleibt der Dialog?

So hatte sich der Biobauer Alfred Schaller aus Erlangen-Steudach enttäuscht von den Grünen gezeigt. Diese würden entgegen ihrem Volksbegehren gegen den Flächenfraß und ihrem allgemeinen Einsatz für die Artenvielfalt hier nun der Versiegelung einer so großen Fläche zwischen zwei hochsensiblen Naturschutzgebieten zustimmen. Er, wie auch Kreisobmann Robert Ort, verurteilten es, dass die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Hinterzimmer beschlossen wurde und die Bauern und Grundbesitzer über die Pläne aus der Zeitung erfahren hätten. „Dialogbereitschaft sieht anders aus“, wurde den Politikern von SPD, FDP und Grünen vorgehalten. Alfred Schaller sieht in der SEM letztlich eine Vorbereitung der Enteignung und fürchtet, dass mit den Plänen die Voraussetzung für eine folgende Spekulation von Investoren geschaffen werde.
Biobauer Christian Mayer listet auch eine ganze Reihe weiterer Argumente auf, die neben dem Verlust der Flächen für die stadtnahe Nahrungsversorgung und dem Verlust der Artenvielfalt gegen den neuen Stadtteil sprechen: Sie reichen von der Verkehrsbelastung bis hin zu gesundheitlichen Risiken durch die vorhandene 380-KV-Stromleitung.
Das Ackerfest beginnt am Sonntag um 10 Uhr auf dem Gelände westlich von Büchenbach. Landwirte informieren über ihre Arbeitsweise. Angeboten werden Kutschfahrten, Wettmelken, eine „Ackermusik“ mit dem Musikverein Büchenbach sowie Oldtimer und Landmaschinen. Auf die Kinder wartet ein Strohballenspielplatz und ein Kürbismal-Wettbewerb.