Milchmarkt

Kurzarbeitergeld für Milchbauern

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Fritz Arnold
am Dienstag, 09.06.2020 - 08:58

Landwirte schlagen vor: 15 Cent Ausgleich für jeden Liter nicht gelieferter Milch.

Neustadt/Aisch-Bad Windsheim - Stockt bei Industrieprodukten der Verkauf, wird die Produktion zurückgefahren und Teile der Belegschaft gehen in Kurzarbeit, wie jetzt in der Coronakrise. Eine ähnliche Lösung fordern nun im Bereich der Milcherzeugung führende Repräsentanten von landwirtschaftlichen Organisationen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

Denn bei verschiedenen Molkereien stockt der Absatz an Großverbraucher, Kantinen und im Export. Deshalb werden überschüssige Milchmengen jetzt am Spotmarkt für nur noch 20 bis 22 ct/l gehandelt. Die Erzeuger erhielten zuletzt zwischen 31 und 34 ct/l. Inzwischen haben einzelne Molkereien angekündigt, die Auszahlungspreise zu senken.

Teilnahme wäre freiwillig

Jürgen Dierauff, BBV-Kreisobmann aus Herbolzheim, sein Stellvertreter Heinz Weiskopf (Dagenbach), Peter Meyer vom Bund Deutscher Milchviehhalter (Buchklingen) und Siegfried Meyer (Bräuersdorf) vom Verband Landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen Neustadt setzen sich deshalb für ein Konzept ein, um die Milchproduktion zu reduzieren.

Sie schlagen vor, jedem Bauern, der die Milcherzeugung gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat reduziert, 15 ct/l zu bezahlen. Die Teilnahme wäre freiwillig und zudem für den Staat günstiger als die bisherige Krisenbewältigung über die Einlagerung von Überschüssen. In der Milchkrise im Jahr 2016 waren 400.000 t Magermilchpulver eingelagert worden, das danach aber wieder auf den Markt gebracht werden musste und bis Mitte 2019 dauerte.

Deshalb werben die vier Bauern für ihren Vorschlag. Er hätte den Vorteil, dass damit die Kosten für die Reduzierung der Milchproduktion auf den Höfen ausgeglichen und gleichzeitig der Markt entlastet würde.

Dem Strukturwandel entgegenhalten

So den Milchpreis zu stützen, halten Dierauff, Weiskopf und Meyer auch deshalb für nötig, weil die Zahl der Milchviehhalter ohnehin gefährlich schrumpft. Ihre Zahl hat sich seit 1990 alle zehn Jahre halbiert. Waren es 1990 noch 2020 Kuhställe in der Region, so sind es jetzt knapp unter 400. Die Zahl der Kühe reduzierte sich von rund 40.000 in den 1980er-Jahren auf inzwischen nur noch rund 18.000 Kühe. Und diese Entwicklung werde aller Voraussicht nach anhalten, fürchten sie.

Wenn jetzt in der Coronakrise die Einsicht kommt, dass es nicht der Weisheit letzter Schluss war, die Produktion von Arzneimitteln und anderer lebenswichtiger Bedarfsartikel ins Ausland zu verlagern, so wäre jetzt zu überdenken, eine eigene Lebensmittelversorgung im Lande aufrecht zu erhalten.