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Sparkassenforum

Kulturlandschaft bedeutet Pflegen und Nutzen

Die Zukunft der Landwirtschaft im Landkreis Forchheim rückten in den Mittelpunkt: (v. l.) Hermann Greif, Dr. Ewald Maier, Joachim Rukwied, Reinhard Friedrich, Evi Friedrich, Christine Werner und Dr. Wilhelm Böhmer.
Franz Galster
am Freitag, 02.12.2022 - 09:54

DBV-Präsident Joachim Rukwied beim Landwirtschaftsforum der Sparkasse Forchheim

Aufmerksame Zuhörer: (v. l.) Evi Friedrich, Christine Werner, Reinhard Friedrich, Dr. Wilhelm Böhmer und Hermann Greif.

Forchheim/Lks. Forchheim Die Ernährungssicherung ist so wichtig wie der Klimawandel. Das stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied in Forchheim fest. Er sprach beim Landwirtschaftsforum, das die Sparkasse Forchheim in ihren Räumen zusammen mit dem Bayerischen Bauernverband veranstaltete. Es wird seit 2013 durchgeführt und war heuer ausgesprochen gut besucht. Rukwied zeigte im Laufe des Abends die enge Verflochtenheit der fränkischen und bayerischen Landwirtschaft mit der deutschen und europäischen auf. Damit beleuchtete er die Anforderungen an die Agrarpolitik von morgen. „Umweltpolitik geht nur gemeinsam mit den Landwirten“, das war der Tenor der Veranstaltung.

Die meisten Nebenerwerbsbetriebe

Greif nutzte die Gelegenheit, die Region um Forchheim näher vorzustellen. „Der Landkreis Forchheim ist mit seiner Landwirtschaft vielschichtig aufgestellt mit der höchsten Zahl von Nebenerwerbsbetrieben in Bayern“. Aber auch Vollerwerbsbetriebe haben sich in der kleinstrukturierten Landschaft oft mit zusätzlichen Dienstleistungen oder Früchten ihr Einkommen sichern müssen. Spargel, Erdbeeren, Meerrettich, Weiß- und Rotkohl, Gurken, Kürbis haben um Forchheim, Bamberg, Erlangen und Nürnberg eine große Tradition.

„Andererseits nimmt der Anteil an Großtierhaltern wie Bullen, Milch- und Mutterkühen, aber auch an Schweinehaltern ständig ab“, berichtete Greif. Viele Gründe seien heute vor allem die ständige Beobachtung durch Staat und Bevölkerung, der Zwang zu immer mehr Bürokratie, aber auch die ständig geäußerte Kritik, offen und unterschwellig, an der Landwirtschaft.

Entscheidung fällt oft gegen Betriebsübernahme

„Die ständige Kritik vermiest unseren Bäuerinnen und Bauern das Leben in ihrem Beruf“ Dazu komme eine immer größere Bürokratie, die Angst vor der nächsten Kontrolle, mögliche Kürzungen von Förderungen. Diese finanziellen Hilfen seien mittlerweile bei stets sinkenden Preisen überlebensnotwendig geworden.

„Spätestens bei Betriebsübergabe auf Sohn oder Tochter ist Schluss mit lustig. Dann fällt die Entscheidung immer öfter gegen den elterlichen Betrieb“, sagte Greif. Dazu komme bei jungen Leuten die ständige Anfeindung durch Gesellschaft und Medien, unsachgerechte Berichterstattung oder Bürgerinitiativen, die gegen die nächste Bauplanung eines Landwirts wettern. Versteckte Kameras in Ställen, ja Stalleinbrüche sind mittlerweile richterlich erlaubt. „Wir leben in einer von Bauernhand geschaffenen, traumhaften fränkischen Kulturlandschaft, wir sitzen hier mittlerweile mit Wölfen, Bibern, Fischottern, Kormoranen, Wildschweinen und allerhand sonstigen Getier immer noch vor reich gedeckten Tischen und lassen Miesepetern diese Generationsleistung nicht schlecht reden“, sagte Greif.

Ausführlich befasste sich Rukwied mit der Ernährungssicherung, die so wichtig ist wie Klimaveränderung. „Wie können wir mit dem veränderten Klima leben?“, fragte er. Die Landwirtschaft hänge von Faktoren ab wie Energieversorgung, Düngemittelversorgung, Pflanzenschutzmittel. Alles stehe letztlich im weltpolitischen Kontext. „Die Politik ist gut beraten, die agrarpolitischen Weichen so zu stellen für tolle Betriebe in der Region, einen nachhaltigen Rahmen zu setzen für Innovationen und neue Erkenntnisse, für nachhaltige Art und Weise“, sagte Rukwied. Er forderte „ein eindeutiges Ja zum Umbau der Landwirtschaft“.

Pflege und Nutzung gehören zusammen

Außerdem betonte der DBV-Präsident: „Wir leben in einer Kulturlandschaft und nicht in einer Naturlandschaft“. Das bedeute Pflege und Nutzung in vielfältiger Weise. „Das muss die Richtschnur sein. Dazu gehört auch der kooperative Naturschutz.“

Tierhaltung sei ein ganz wichtiges Standbein in der deutschen Landwirtschaft. 5,8 Mio. Schweine wurden abgebaut zwischen 2012 und 2021. Spanien baute dagegen um 7,8 Mio. Tiere auf. „Das ist ein Strukturbruch“, sagte Rukwied.

Eine rege Diskussion zeigte einmal mehr den Frust der Zuhörer. Sie fordern mehr Durchsetzung der eigenen Ziele in Brüssel, sehen zu viel Kompromissbereitschaft bei eigenen Interessen. Gleichzeitig werden die ungleichen Wettbewerbsbedingungen der EU bei Pflanzenschutzmittel oder Mindestlohn beklagt. Die Region um Forchheim liefert zu Erntezeiten Spargel, Erdbeeren oder Kirschen. Es herrscht wenig Verständnis dafür, dass eine Woche vor der Ernte Billigware aus dem Ausland kommt und die deutschen Preise drückt beziehungsweise den Markt kaputt macht.

Unglücklich über die grüne Politik

Unglücklich zeigte man sich über die grüne Politik. Ausdrücklich verwahrt man sich gegen kommunistisch/sozialistische Begehren wie Landgrabbing, wo versucht wird, an das Land der Bauern zu kommen.

Frankreich wird als Ziel für schnelle Umsetzung genannt. Rukwied aber gab die unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen zu bedenken. Frankreich ist zentral verwaltet, Deutschland hat die Bundesländer. Das kann Vor- oder auch Nachteil sein. Er forderte nachdrücklich dazu auf, sich seitens der Landwirte aktiv mehr in der Politik einzubringen, angefangen beim Gemeinderat.

Rukwied verlangte von der Bevölkerung ein klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft beim Einkauf. Ernährungssicherheit gibt es nur durch zukunftsstarke Betriebe mit dem BBV. „Ich glaube an die deutsche Landwirtschaft. Ohne sie hat das Volk keine Zukunft, gab sich der Bauernpräsident überzeugt.

Gedankenaustausch bei Brotzeit

Bei einer deftigen, lokalen Brotzeit war noch Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Dr. Ewald Maier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Forchheim, dankte für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren mit dem BBV-Bezirkspräsidenten von Oberfranken Hermann Greif und dem BBV-Geschäftsführer Werner Nützel. Greif begrüßte unter den Teilnehmern neben Rukwied unter anderem aus der Region die Kirschenkönigin Lena I. , MdL Michael Hofmann und Bezirksrat Ulrich Schürr. Seitens der BBV-Familie hieß er BBV-Direktor Dr. Wilhelm Böhmer, die neue Kreisbäuerin von Forchheim, Christine Werner, mit Stellvertreterin Evi Friedrich und stellvertretenden Kreisobmann Reinhard Friedrich willkommen.