Ernte 2019

Kulturen im Trockenstress

Ernte-PK-Ofr_B1_LF
Kein Bild vorhanden
Ludwiga Friedl
am Montag, 22.07.2019 - 12:57

Vor allem die Kulturen, die sich in der Kornfüllungsphase befanden, können durch den Wassermangel noch stark geschädigt werden.

Die Hitzewelle hat die Ertragserwartungen der Fränkischen Bauern stark gedämpft. Auf den trockenen Standorten hat die Ernte in Franken bereits begonnen. Zu einem Gespräch über die diesjährige Ernte in Oberfranken und die Probleme im Pflanzenbau hatte der BBV Oberfranken auf den Betrieb von Forchheims stellvertretendem BBV-Kreisobmann Reinhard Friedrich in Wohlmutshüll eingeladen. Dabei informierten Oberfrankens BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif, Direktor Dr. Wilhelm Böhmer und Referent Tobias Wunner auch über Fragen der aktuellen Agrarpolitik.

Reinhard Friedrich und seine Frau Agnes bewirtschaften in Wohlmutshüll bei Ebermannstadt einen konventionellen Familienbetrieb mit 150 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche und 40 ha Wald. Die Fruchtfolge umfasst 10 % Sommergerste, 15 % Raps, 20 % Dinkel, 20 % Silomais, 10 % Emmer, 5% Brache und Honigpflanzen sowie Grünland auf flachgründigen, steinigen Böden auf Kalksteinbasis.
Bis 2013 wurden hier auch 41 Milchkühe gemolken, doch sie muss- ten dem Lohnunternehmen weichen. Drei Mähdrescher waren während des Pressegesprächs im Einsatz. Die Fahrer meldeten leicht unterdurchschnittliche Gerstenerträge.
„Die Natur leidet in diesem Jahr vor allem unter den Folgen der letztjährigen großen Dürre“, sagte Greif, der auch schilderte, wie die Aussaat dadurch erschwert wurde. Besonders der Raps habe dadurch gelitten, so dass heuer die Rapsflächen gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte auf 9800 ha zurückgegangen waren. „Der Raps wird sich bei uns verabschieden“, sagt Friedrich, „obwohl er vom Vorfrucht- und Düngewert her sehr wertvoll wäre“. Doch ohne Pflanzenschutzmittel ist er sehr schwer anzubauen und auch der Preis und die Politik erschweren die Lust am Anbau.
Beim Weizen erwarten die Praktiker eine durchschnittliche bis leicht unterdurchschnittliche Ernte. Zufriedenstellend stünden die Sommergerstenbestände da. „Insgesamt wird die Ernte aber eher unter den Durchschnittserträgen liegen“, schätzt Böhmer. Auf schweren Böden bildete sich teilweise Zwiewuchs.
Der Mais leide bereits unter der anhaltenden Trockenheit. „Insbesondere im Hinblick auf die Futterversorgung, die aufgrund der Dürre 2018 knapp ist, wäre Regen sehr wünschenswert“. Der erste Schnitt war „Gott sei Dank“ gut, der zweite Schnitt schon deutlich knapper. „Die Ernte war für viele Betriebe sehr wichtig, um die Futterknappheit etwas zu entspannen“. Ein dritter Schnitt wäre eine „freundliche Zugabe“, wenn es regnet.

Noch seien die Grundwasserspeicher nicht aufgefüllt. „Wälder sterben reihenweise ab“, sagt Greif und erklärt, dass bei den Kiefern die Feinwurzeln aus Wassermangel absterben und Borkenkäfer ein leichtes Spiel haben. Er sei eine „schwierige Zeit“ für die Waldbauern, denn der Hitzestress mache die Wälder allgemein anfälliger für Schädlinge. Gleichzeitig seien die Holzpreise am Boden. Vielfach können die Hölzer nicht abgeholt werden.