Vor Ort

Die Kühe durch Spargel ersetzt

Spargel_Betriebsreportage_Reinhart_LF
Ursula Lux
am Freitag, 30.04.2021 - 08:29

Der Familienbetrieb Reinhart in Untereuerheim steht vor einigen Herausforderungen. Spargel ist nicht das Hauptprodukt der Familie.

Sie stellen die fränkische Spargelkönigin und Staatsministerin Michaela Kaniber eröffnete heuer auf ihrem Spargelfeld die 10. Bayerische Spargelsaison. Der Spargel spielt im Betrieb der Familie Reinhart eine besondere Rolle und das nicht erst seit diesem Jahr. Birgit Reinhart, „ich komme aus der Stadt“, lernte ihren Mann Norbert beim Spargelstechen kennen. Sie wurde als Dorfhelferin zum Spargelstechen eingeteilt und Norbert Reinhart lernte sie an. Heute führen die beiden gemeinsam den landwirtschaftlichen Betrieb in Untereuerheim und so wie es aussieht, haben nicht nur sie dort ihren Beruf und ihre Berufung gefunden.

Gute Aussichten für die Zukunft

Spargel_Betriebsreportage_Reinhart_LF

Die Zukunft des Betriebs scheint gesichert. Sohn Michael wird im Herbst seinen Landwirtschaftsmeisterkurs beginnen. Sohn Martin ist im Abschlussjahr seiner Fleischerausbildung und wird im Herbst ebenfalls seinen Meisterkurs machen. Die Spargelkönigin, Tochter Christiane ist Steuerfachangestellte, kann ihre Brüder also gut in betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlichen Fragen unterstützen. Zukunftsaussichten, um die so manch anderer Betrieb die Reinharts beneiden könnte.

Dabei haben es die Eltern nicht darauf angelegt, ihnen war immer wichtig, dass jedes Kind den Beruf ergreifen kann, den es möchte. Dass das Zusammenspiel in der Familie gut funktioniert, zeigt sich unter anderem beim Spargel. Seit den 1990er Jahren wird der nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern auch zur Vermarktung angebaut. Die 0,66 ha dafür bewirtschaften und ernten die Reinharts ohne Fremdarbeiter. Jeder packt in der Spargelsaison mit an, auch Oma Rita.

Norbert Reinhart führt den landwirtschaftlichen Betrieb bereits in der siebten Generation am Standort in der Mühlgasse. Und es ist ein typisch fränkischer „breit gefächerter Betrieb“, so der Landwirt. Immer wieder wurde am Hof an- und umgebaut, ständig werden die Bauten den neuen Auflagen und Maßnahmen angepasst. Denn Spargel ist nicht das Hauptprodukt der Familie. Die Reinharts haben noch Bullen und Schweine.

Eröffnung der bayerischen Spargelsaison 2021

Eröffnung der Spargelsaison
Spargel
Eröffnung der Spargelsaison
Spargelsaison Kaniber
Spargelfeld in Abensberg
Spargelernte
Spargel
Eröffnung der bayerischen Spargelsaison
Spargel
Spargel
Schrobenhausener Spargelkönigin Juliane Wenger
Aiwanger bei der Spargelernte
Spargelanstich in Schrobenhausen
Spargelernte in Schrobenhausen
Spargelernte in Schrobenhausen
Spargelernte in Schrobenhausen

Am Tierbestand lässt sich gut die Veränderung in der Landwirtschaft ablesen. Die Kühe wurden abgeschafft, als die Milchsammelstelle im Dorf aufgelöst wurde. „Wir haben die Kühe dann durch Spargel ersetzt“, meint Birgit Reinhart lachend. „Statt zweimal am Tag melken, acht Wochen Stress.“ Von den Ende des letzten Jahrtausends vorhandenen 28 Bullen sind heute noch zehn übrig. „Wir haben immer mehr reduziert, weil wir gemerkt haben, dass sich die Tiere mit weniger Bullen in einer Bucht wohler fühlen.“

Fünf Bullen sind heute in einer Bucht, aber wenn das Tierwohl-Label kommt, dann dürften es nur noch zwei bis drei sein, erklärt Norbert Reinhart. Das hat nicht nur Vorteile. Je mehr Bullen in der Bucht, umso sauberer, denn je weniger Tiere, umso weniger wird auch der Dreck durch die Spalten getreten. Vieles bleibe oben liegen, erklärt der Landwirt.

Aufregen lohnt sich nicht

Mit den immer wieder neuen Auflagen und Vorschriften gehen die Reinharts pragmatisch um. Erst mal wird gewartet, bis die Auflagen wirklich spruchreif sind, dann gelte es, genau hinzuschauen. „Was ist anders, wie viel Spielraum bleibt, was können wir machen und dann müssen die Vorschriften eben auf den eigenen Betrieb heruntergebrochen werden“, erklärt Birgit Reinhart. Aufregen lohne sich nicht, meint sie. „Höchstens am Anfang ein bisschen“. Dass man sich manchmal eben doch ärgert, ist wohl normal. Heutzutage „will jeder Landwirt sein“, wundert sich ihr Mann.

Dass vieles dann doch nicht so heiß gegessen wird, wie es vorher hochkochte, zeigt sich an der seit Januar gültigen Ferkelkastration unter Narkose. Hier kochten die Emotionen hoch, die Reinharts aber sind mit der gefundenen Lösung durchaus zufrieden. Die Ferkel werden im Ferkelnarkosegerät fixiert, durch Gas narkotisiert, und dann kastriert. Das gehe erstaunlicherweise viel schneller, erklärt Birgit Reinhart, sei für die Ferkel keine große Belastung und auch sie spare damit Arbeitsstunden ein. Der Familienbetrieb hat 50 Mutter-, 30 Jungsauen und zwei Eber. 2011 wurde außerhalb ein Maststall mit 360 Ferkelaufzuchtplätzen, 480 Mastplätzen und 24 Abferkelbuchten gebaut. „Standard 2011“, betont der Landwirt.

Viele Änderungen stehen bevor

In der Sauenhaltung wird sich wohl bald einiges ändern, vor allem, nachdem die Kastenstände verboten wurden. Nach der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, bleiben den Landwirten Übergangsfristen von acht bis 15 Jahren. Der Kastenstand in der Abferkelbucht soll vor allem verhindern, dass Ferkel durch die Sauen erdrückt werden. Die Reinharts haben damit unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Wir haben schon Muttersauen und Ferkel ohne Kastenstand im Stall gehalten, und bei denen ging das auch gut“, erzählt Birgit Reinhart, aber andere Muttersauen ließen sich im Kastenstand einfach fallen, und dann waren tote Ferkel nicht zu vermeiden. Es gebe eben gute Mütter und schlechte unter den Schweinen, meint sie achselzuckend.

Das Futter für die Bullen und Schweine bauen die Reinharts selbst an: 33 ha Weizen und 26 ha Wintergerste, knapp sechs Hektar Wintertriticale, dazu 17 ha Zuckerrüben und drei Hektar Silomais. Die Zuckerrüben und ein Teil des Weizens werden verkauft, alles andere fließt in die Fütterung der Tiere. Deshalb hat Norbert Reinhart auch weniger Probleme mit den sogenannten roten Flächen, also Gebieten mit einer hohen Stickstoffbelastung des Grundwassers. Dort dürfen nach der neuen Düngeverordnung nur noch 80 Prozent gedüngt werden. Etwa die Hälfte der Anbaufläche der Reinharts ist hiervon betroffen. Mit einer geringeren Ernte allerdings rechnet der Landwirt deshalb nicht, nur der Proteingehalt des Getreides wäre dann geringer, da er aber seine Ernte in erster Linie zur Tierfütterung nutzt, spiele das keine große Rolle, meint er.

Der Mais wird gehäckselt, kommt in zwei Silos und wird dann als Silage an die Bullen verfüttert. Auch hier zeigen sich wieder die „fränkischen Schachtelstrukturen“, erklärt Birgit Reinhart. Es sei nicht so, dass die Maisfuhren einfach in das Silo gekippt werden können. Die Fuhre wird vor dem Silo abgeladen und dann mit dem großen Traktor in das Silo geschoben. Alles halt ein bisschen eng und verschachtelt. „Deswegen können wir nicht zum Mehrreihermaishäcksler, dann kommt zu viel Material auf einmal an“, erklärt der Landwirt.

Ein Video von der Eröffnung der Spargelsaison mit Staatsministerin Michaela Kaniber sehen Sie hier:

Martin Reinhart verdankt der Hof seine neueste Tier-Errungenschaft. Schon als Zehnjähriger wollte er Ziegen und Schafe haben. Jetzt ist es soweit. Auf den Streuobstwiesen des Betriebs grast eine Zwergziegenherde mit einem Bock, fünf Geißen und zwei Kitzen. Ob die aber jemals, wie ursprünglich geplant, geschlachtet werden, daran hat Birgit Reinhard ihre Zweifel. Ziegen, die z. B. Amadeus und Rosi heißen, werden nicht in der Nahrungskette enden, meint sie schmunzelnd.