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Protest

Klöckner lädt Bauern nach Berlin ein

200309 Klöckner in Töpen (6)
Stephan Herbert Fuchs
am Donnerstag, 12.03.2020 - 11:39

Über 500 Landwirte haben beim Klöckner-Besuch von Töpen protestiert

Töpen/Lks. Hof - Bei einem Gespräch mit Vertretern zahlreicher landwirtschaftlicher Verbände in Töpen bei Hof hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für eine „Tierwohl-Umlage“ ausgesprochen. „Wir brauchen vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr mehr, um die Erwartungen der Verbraucher umzusetzen“, sagte Klöckner. Die Umlage soll auf Fleischprodukte erhoben werden und in einen Fonds fließen, aus dem tierwohlbedingte Stallneu- und -umbauten gefördert werden. In Töpen, am Sitz des Bio-Großhändlers Dennree, hatte die Ministerin zuvor ein nichtöffentliches Gespräch mit der Unternehmensspitze geführt.

Während des Gesprächs waren nach offiziellen Angaben über 500 Landwirte aus Oberfranken, aus Sachsen und aus Thüringen vorgefahren, um lautstark ihrem Unmut über die Agrarpolitik im Bund und in der EU Luft zu machen. Nach dem offiziellen Gespräch mit den Landwirtschaftsvertretern im Rathaus von Töpen wandte sich die Ministerin per Megaphon nur kurz direkt an die Demonstranten, sicherte ihnen ihre Unterstützung zu und lud eine Abordnung von „Land schafft Verbindung“ spontan zum Gespräch ins Landwirtschaftsministerium ein.

Klöckner fordert Zustimmung zur Bauernmilliarde

Im Sitzungssaal des Rathauses sprach Klöckner dagegen Klartext, zum Beispiel zur sogenannten Bauernmilliarde. „Es ist nicht fair zu sagen, das brauchen wir nicht“, so die Ministerin. Sie forderte von den Bauern offen Zustimmung statt Ablehnung, schließlich habe sie, genauso wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, um das Geld gekämpft. „Da wären wir doch bescheuert gewesen, das jetzt wieder abzulehnen“, sagte Klöckner.

Scharfe Kritik übte sie am Lebensmitteleinzelhandel. Der werbe mit Lockpreisen für Fleisch, Gemüse und Obst und schlage die Differenz am Ende auf andere Produkte wieder drauf. Doch die Politik könne keine Preise machen. „Wer das glaubt, der will ein anderes Wirtschaftssystem“, so die Politikerin.

Organisationen kamen zu Wort

Obwohl die Bundesagrarministerin im Zeitdruck war, ließ sie zahlreiche Beiträge von Vertretern der verschiedenen Organisationen zu. Die Bauern im „Milchlandkreis Hof“, wo die Quote der Haupterwerbsbetriebe noch bei über 50 % liegt, stünden vor riesigen Problemen, so Kreisbäuerin Karin Wolfrum. Kreisobmann Hermann Klug machte seinem Unmut über die Düngeverordnung Luft. Die Getreidebestände zeigten jetzt schon Nährstoffmangel, weil sie nicht gedüngt werden. Hintergrund ist, dass es während des zurückliegenden Winters selbst im Hofer Land keinen richtigen Frost gegeben hatte.

„Allen Bauern, die mit ihren Schleppern demonstrieren, geht es um die blanke Existenz“, so Andreas Wolfrum von Land schafft Verbindung. „Wir stehen vor einer echten Zerreißprobe“, sagte er. Wolfrum appellierte an die Ministerin, in Sachen Lebensmitteleinzelhandel ein Machtwort zu sprechen. Andernfalls würden die kleinstrukturierten Familienbetriebe abgeschafft.

Zuvor hatte Klöckner den Hauptsitz der Bio-Großhandelsunternehmensgruppe Dennree besucht.