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Waldumbau

Klimawandel: Unterfranken ist ein Hotspot

Über die Waldneuordnung freuen sich: (v. l.) Bürgermeister Johannes Grebner, Johannes Krüger (ALE), die frühere Bürgermeisterin Birgit Göbhardt, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, Lia Steffke (Försterin ALE), Roland Schmitt und Stephan Thierfelder (AELF Schweinfurt), dahinter Siebener-Obmann Manfred Mai, Landrat Florian Töpper und Jürgen Eisentraut (Leiter ALE).
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Donnerstag, 27.10.2022 - 08:30

Der Klimawandel macht vor dem Wald nicht halt. Gerade Unterfranken ist ein Hotspot – und der Waldumbau das Gebot der Stunde.

Üchtelhausen/Lks. Schweinfurt  Das sagte Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei einem Besuch in der waldreichsten Gemeinde im Landkreis Schweinfurt. Eine Delegation aus Üchtelhausen hat am 20. Oktober in München den Staatspreis „Land.Dorf.Zukunft 2022“ entgegengenommen.

Mit einer gemeinsamen Aktion haben die Üchtelhäuser die Grundlagen geschaffen, dass ein Waldumbau hin zum klimatoleranten Mischwald überhaupt möglich ist. Wie in vielen fränkischen Privatwäldern waren auch hier die Eigentumsverhältnisse unübersichtlich. „Unsicherheiten in den Eigentumsverhältnissen führen häufig zu Grenzstreitigkeiten“, sagte die Ministerin. Die extrem kleinen und schmalen Grundstücke seien zudem großenteils nicht erschlossen.

Nachhaltige Bewirtschaftung ist möglich

„Eine nachhaltige Bewirtschaftung ist also nicht möglich“, sagte sie. Eine Waldneuordnung könne hier spürbare Verbesserungen schaffen. „Das haben Sie in Üchtelhausen erkannt und mit viel Elan die Voraussetzungen für einen klimaresilienten Waldumbau geschaffen“. Besonders lobte sie die vielen unterschiedlichen Akteure, die sich zusammengefunden und ihre Kräfte gebündelt haben, allen voran den Altbürgermeister Roland Schmitt.

Mit dem „Werkzeugkasten der Ländlichen Entwicklung“ hätten die Üchtelhäuser Beeindruckendes erreicht: In einem Gebiet von 90 ha Privatwald wurden 1186 Flurstücke zu 298 zusammengelegt. Die Grundstücke wurden durch 8,6 km Wege und Fahrten erschlossen. Zudem konnte eine ökologisch wertvolle Kalktuffquelle in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz gesichert werden. 800 Grenzsteine waren zu setzen. Dafür haben die Feldgeschworenen mit ihrem Obmann Manfred Mai rund 2100 Stunden aufgewandt.

Waldneuordnung erfährt hohe Akzeptanz

„Bemerkenswert ist, dass aufgrund der intensiven Bürgerbeteiligung und Bürgermitwirkung kein einziger Widerspruch gegen die Wertermittlung eingelegt wurde, und auch die Neuverteilung einvernehmlich zustande kam“, lobte die Ministerin. Die Investitionskosten für die gesamte Waldneuordnung betrugen 360.000 € bei einer Förderung von 300 000 €.

Kaniber lobte auch den „Waldlehrpfad für alle Sinne“ und den Waldkindergarten. Viele Stunden an Eigenleistung seien erbracht worden. Die gute Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken und besonders die „Rentnertruppe“ lobten auch Bürgermeister Johannes Grebner und Johannes Krüger vom ALE sowie Stephan Thierfelder vom Landwirtschaftsamt.

In puncto Waldneuordnung gibt es in Unterfranken viel zu tun. Üchtelhausen ist nur eine von derzeit 26 Neuordnungen. Weitere 13 Projekte seien in Vorbereitung und die Antragsliste ist lang. Neben Waldneuordnungen für kleinere Gebiete sei der freiwillige Landtausch ein gefragtes Instrument.